CAA Börsenvorstand im Kreuzfeuer

Nun ermittelt der Staatsanwalt gegen den Vorstand der Börse Stuttgart - wegen Insider-Verdacht.
Von Clemens von Frentz

Stuttgart - Der Skandal bei dem Nemax-Unternehmen CAA weitet sich aus. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft auch Ermittlungen gegen den Stuttgarter Börsenvorstand Peter Ladwig aufgenommen. Ladwig war bis zum 1. August gleichzeitig Vorsitzender des Aufsichtsrates von CAA und steht unter dem Verdacht des Insiderhandels.

Der Hintergrund: Auf der Hauptversammlung am 1. August hatte Ladwig zugegeben, dass er im Februar 2001 1000 Aktien der CAA AG verkauft hatte. Wenige Wochen später, am 6. April, korrigierte das Unternehmen seine Zahlen für 2000 nach unten und veröffentlichte eine Gewinnwarnung.

Aufsichtsrat will von nichts gewusst haben

Diese fiel dramatisch aus: Nachdem man im Januar noch einen Umsatz von über 27 Millionen Mark avisiert hatte, war nunmehr - knapp zwölf Wochen später - nur noch die Rede von 8,5 Millionen Mark. Als Hauptgrund waren "Zahlungsschwierigkeiten zweier Kunden" genannt worden, von denen der Vorstand zu spät erfahren haben will. Die Aufträge dieser Kunden waren jedoch bereits zum Teil als Umsätze verbucht worden.

Börsenvorstand Ladwig geht nach eigener Aussage von einer baldigen Einstellung des Ermittlungsverfahrens aus. Nach Angaben des Bundesaufsichtsamtes für den Wertpapierhandel (BAWe) hat er seinen Verkauf bereits "frühzeitig" offengelegt; außerdem versichert er, trotz seiner Tätigkeit als Aufsichtsrat-Chef bei CAA von der Schieflage bei dem Unternehmen erst im April erfahren zu haben.

Nach seiner Darstellung tätigte er den Verkauf deswegen, weil für den März eine Neuregelung der Bestimmungen am Neuen Markt angekündigt war. Seit diesem Datum müssen Aufsichtsräte von Nemax-Unternehmen Aktienverkäufe offenlegen. Ladwig wollte sich nach eigener Aussage dieser Verpflichtung nicht unterwerfen und verkaufte rechtzeitig vorher.

Ermittelt wird nicht nur gegen Ladwig, sondern auch gegen fünf weitere Personen. Dabei handelt es sich um ehemalige Verantwortliche der CAA sowie um Aktionäre. Ob es zur Einleitung von Strafverfahren kommt, lässt sich nach den Worten von Staatsanwaltssprecher Christof Kleiner noch nicht absehen.

Strafanzeige wegen Kursbetrug und Insiderhandel

Das Ermittlungsverfahren war eingeleitet worden, nachdem das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel den Fall geprüft und Strafanzeige erstattet hatte. Eine weitere Strafanzeige kam von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Sie richtet sich gegen ehemals Verantwortliche der CAA, insbesondere gegen die inzwischen von ihren Ämtern zurückgetretenen Gründungsvorstände Hans-Peter Schmidt und Gabriele Müller.

Nach Auskunft der SdK stützt sich diese Strafanzeige auf Paragraf 88 Börsengesetz (Kursbetrug), Paragraf 38 Wertpapierhandelsgesetz (Verbotener Insiderhandel) und Paragraf 39 Wertpapierhandelsgesetz (Verstoß gegen die Vorschriften für Ad-hoc-Mitteilungen).

Hans-Peter Schmidt und Gabriele Müller, die miteinander verheiratet sind, hatten im März 2001 jeweils 7500 CAA-Aktien zum Kurs von 28 Euro verkauft. Die SdK geht davon aus, dass die zwei Vorstände zu diesem Zeitpunkt über die Probleme in ihrem Unternehmen informiert waren. Das wird von den Betroffenen bestritten.

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