Telekom Trennung von der Deutschen Bank?

Der Bonner Konzern ist stocksauer auf die Deutsche Bank und nennt den Verkauf von 44 Millionen T-Aktien "instinktlos". Die Telekom erwägt offenbar die Trennung von dem Geldinstitut.

Frankfurt/London - Nach der Transaktion war der Telekom-Kurs auf den tiefsten Stand seit November 1998 gestürzt. Am Freitag Mittag stürzte die T-Aktie erneut unter die Marke von 20 Euro und notierte bei 19.85 Euro.

"Die Deutsche Telekom wird mit der Deutschen Bank ein ernsthaftes Wort sprechen müssen und überlegen, wie man darauf reagieren kann", zitiert die "Financial Times Deutschland" (FTD, Freitagausgabe) Telekom-Kreise. Der Vorwurf: Die interne Kontrollinstanz der Deutschen Bank hätte sowohl von dem Verkaufsauftrag als auch von der Kaufempfehlung wissen müssen, die die Research-Abteilung des Instituts nur einen Tag zuvor bestätigt hatte.

"Maximum an Instinktlosigkeit"

Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erklärte ein Sprecher der Deutschen Telekom: Es lasse "ein Maximum an Instinktlosigkeit" erkennen, wenn die Bank am Montag ihre Kaufempfehlung für die Telekom-Aktien bekräftige und am Tag nach der Empfehlung 44 Millionen T-Aktien verkaufe. Es sei in keiner Weise nachvollziehbar, dass die Bank ohne Berücksichtigung möglicher Folgen am Aktienmarkt das Mandat für den Blockverkauf habe annehmen und unmittelbar nach der bekräftigten Kaufempfehlung habe ausführen können. Die Telekom sei nicht über den bevorstehenden Blockverkauf informiert gewesen.

"Wir sind sehr enttäuscht"

Zu dem Bericht der "FTD" wollte der Telekom-Sprecher keine Stellungnahme abgeben, solange die Hintergründe nicht geklärt seien. "Wir sind aber sehr enttäuscht über das Verhalten der Deutschen Bank, mit der wir bislang gute Geschäftsbeziehungen gepflegt haben", sagte der Sprecher.

Das Gros der 44 Millionen T-Aktien soll die Deutsche Bank im Auftrag des in Hongkong ansässigen Telekomunternehmens Hutchison Whampoa verkauft haben, berichtete der Nachrichten-Fernsehsender n-tv am Freitagmorgen. Whampoa halte rund 200 Millionen Aktien der Deutschen Telekom.

Aktionärsschützer vermuten Skandal

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hatte unlängst erklärt, falls die Deutsche Bank schon am Montag - als das Institut eine Kaufempfehlung für die T-Aktie abgegeben hatte - gewusst habe, dass ein Kunde der Deutschen Bank am nächsten Tag ein großes Paket platzieren wolle, wäre das ein Skandal.

Die Deutsche Bank hatte zuletzt unter Verweis auf die gesetzlich vorgeschriebene interne Trennung ihrer Geschäftsbereiche Kritik an ihrem Verhalten zurückgewiesen.