Neuer Markt Goodbye, Team

Das Frankfurter Börsensegment hat einen weiteren Abgang zu verzeichnen. Die ins Gerede gekommene US-Medienfirma Team Communications zieht sich zurück - und ändert ihren Namen.
Von Clemens von Frentz

Los Angeles - Die Team Communications Group  verlässt den Neuen Markt. Man werde bereits am 27. August 2001 auf eigenen Wunsch in den Geregelten Markt wechseln, teilte das amerikanische Medienunternehmen am Donnerstagabend ad hoc mit.

Ein Sprecher sagte dazu, damit trage das Unternehmen der "veränderten Geschäftspolitik" unter dem neuen Chairman und CEO Michael J. Solomon Rechnung. Durch den Wechsel in den Geregelten Markt werde allen Aktionären weiterhin die Möglichkeit geboten, die Aktien nicht nur an der Nasdaq, sondern auch am Deutschen Aktienmarkt handeln zu können.

Eine Änderung wird es auch beim Namen der AG geben. Sie wird sich künftig Impact Media Group nennen.

Das IPO brachte 66 Millionen Mark ein

Mit dem Wechsel des Unternehmens endet eine Geschichte, die nicht unbedingt zu den Glanzlichtern des Neuen Marktes gehörte. Die Aktie war am 29. November 1999 mit einem Ausgabepreis von 6,10 Euro an die Börse gebracht worden und hatte dem Unternehmen eine Einnahme von netto 66 Millionen beschert. Das Konsortium unter Führung der Gontard & Metallbank bestand aus dem Virtuellen Emissionshaus VEM AG und den Banken Delbrück & Co. und Fürst Fugger.

Nach einem kurzen Höhenflug bis auf 18,45 Euro geriet der Titel immer stärker unter Druck. Am 13. Februar kam es zum Eklat. Um 16 Uhr mitteleuropäischer Zeit stürzte die Team-Aktie am Neuen Markt plötzlich ins Bodenlose. Binnen weniger Minuten verlor das Unternehmen rund die Hälfte seines Börsenwertes, am folgenden Tag ging die Talfahrt weiter.

Hintergrund war eine Gewinnwarnung, die zwar in den USA, nicht aber in Deutschland veröffentlicht wurde. Außerdem war der bisherige CEO Drew S. Levin überraschend abgelöst und durch Michael J. Solomon ersetzt worden. Dieser hatte den amerikanischen Investoren am gleichen Tag in New York erklärt, das Geschäftsjahr 2000 werde nicht - wie avisiert - mit einem Gewinn von fünf Millionen Dollar, sondern voraussichtlich mit einem Verlust in Höhe von bis zu 20 Millionen Dollar abschließen.

Als Grund für diese plötzliche Kehrtwende nannte Solomon gegenüber manager-magazin.de "Fehleinschätzungen" des Managements der englischen Tochtergesellschaft Team Dandelion. Deren angebliche Umsätze, die bereits von einem Wirtschaftsprüfer testiert worden waren, hätten sich als "wirtschaftlich nicht tragbar" erwiesen. Nun seien Wertberichtigungen erforderlich.

Jede Menge Ungereimtheiten

Die deutschen Aktionäre allerdings erfuhren dies erst um 20.06 Uhr - also kurz nach Ende der deutschen Handelszeit. Die Begründung des neuen CEO gegenüber manager-magazin.de: "Die Übersetzung eines solchen Textes braucht seine Zeit."

Wenige Monate zuvor hatten verschiedene Banken noch glänzende Prognosen für die Aktie abgegeben. Auch das Anlegermagazin "Focus Money" empfahl im April 2000 den Wert zum Kauf. Analysten würden den "fairen Wert" des Papiers bei 30 bis 40 Euro sehen, hieß es zur Begründung. Etwa zeitgleich erfolgte die Aufnahme der Aktie in das Musterdepot bei "Focus Money".

Fragwürdige Geschäfte

Kurze Zeit später meldete Team Communications die Übernahme eines Wettbewerbers. Bei dieser Firma handelte es sich um die Produktionsgesellschaft FFP Entertainment, an der der frühere "Focus"-Redakteur Marian von Korff damals maßgeblich beteiligt war.

Bezahlt werden sollte diese Akquisition mit Team-Aktien. 800.000 Papiere sollten für FFP hinterlegt und später übergeben werden. Weitere 700.000 Stücke sollten später an die FFP-Eigner übergeben werden - allerdings nur dann, wenn der Kurs der Team-Aktie für einen längeren Zeitraum über einem vereinbarten Wert notierte. Gegenüber manager-magazin.de wollte von Korff diese Klausel auf Anfrage nicht kommentieren.

Große Versprechungen für die Zukunft

Nach dem Wechsel im Management von Team kam es noch einmal zu einer leichten Erholung. Der neue CEO Michael J. Solomon beruhigte die verschreckten Aktionäre mit optimistischen Prognosen. Seine Aussage: Sollte sich die (nach seinen Worten konservative) Umsatz-Prognose für 2001 bestätigen, sei mit Erlösen von rund 35 Millionen Dollar zu rechnen. Damit könne bereits im zweiten Quartal der Break-even erreicht werden. Für das kommende Jahr sei bei einem Umsatz von 50 Millionen Dollar ein Nettogewinn von 9 Millionen Dollar geplant.

Zwei Monate später jedoch, am 23. April 2001, folgte eine neue Schreckensnachricht. Nun hieß es, Team habe im Geschäftsjahr 2000 einen Verlust von rund 42,7 Millionen Dollar eingefahren.

Neue Vermarktung der Musikrechte

Die vorerst letzte Meldung kam 7. August. Darin teilte der Vorstand mit, dass er "eine weltweite Publishing-Vereinbarung mit Warner/Chappell Music" unterzeichnet habe. Weiter war zu lesen: "Auf Grund der Vereinbarung wird Warner/Chappell Music der exklusive weltweite Verleger der von Impact Media Group ... gehaltenen Musikrechte sein." Welcher Art diese Musikrechte sind und welchen Umfang sie haben, blieb unerwähnt.