T-Aktie Analysten wetten auf 15 Euro

Das Papier der Telekom ist am Abend zeitweise unter 20 Euro gefallen. Charttechniker sehen schwarz. Ein Rückschlag auf den Emissionspreis von 1996 sei möglich. Die Deutsche Bank gerät immer mehr ins Kreuzfeuer der Kritik.

Frankfurt am Main - Nach den schweren Verlusten der Vortage verlor die T-Aktie  auch am Donnerstag weiter an Wert. Die Aktie gab bis 18.50 Uhr weitere 5,9 Prozent ab und notierte bei 19,99 Euro.

Aus charttechnischer Sicht sehe es für die T-Aktie schlecht aus, sagte ein Analyst. Sacke das Papier unter die Marke von 20 Euro, könnte es im schlimmsten Fall Richtung 15 Euro gehen. Am 18. November 1996 war die erste Tranche T-Aktien zu einem Kurs von umgerechnet 14,57 Euro ausgegeben worden.

Mit dem Ende der Haltefrist für die Voicestream-Aktionäre könnten weitere Aktien auf den Markt kommen und den Kurs weiter belasten, warnte er. Immerhin ende bereits zum 1. September die erste Haltefrist.

Ein weiterer Analyst riet davon ab, angesichts der niedrigen Kurse in T-Aktien zu investieren. "Wer keine T-Aktien hat, sollte auf keinen Fall einsteigen." Das Sentiment sei schlecht. "Offenbar hängen sich die privaten Anleger an die institutionellen und trennen sich ebenfalls von ihren Beständen", sagte der Telekommunikations-Experte.

"Schlag ins Gesicht der Kleinanleger"

Politiker der Regierungskoalition haben inzwischen laut "Bild"-Zeitung (Donnerstagausgabe) die Deutsche Bank wegen ihres Vorgehens beim Handel mit Telekom-Aktien scharf kritisiert. Der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Werner Schulz, bezeichnete die Transaktion als einen "Schlag ins Gesicht der Kleinaktionäre".

Wie manager-magazin.de berichtete, hatte die Deutsche Bank am Dienstag 44 Millionen T-Aktien verkauft, obwohl sie das Papier am Montag noch zum Kauf empfohlen hatte (siehe: "Telekom: Spielball der Deutschen Bank?"). Der Kurs des Papiers war danach stark unter Druck geraten.

Schulz forderte eine Prüfung des Vorgangs durch die Börsenaufsicht. Der finanzpolitische Sprecher der SPD, Joachim Poß, sagte, der Gesetzgeber müsse überlegen, wie er Anleger besser vor solchen Aktionen schützt.

Ein Sprecher der Deutschen Bank betonte gegenüber dem Blatt, das Geldinstitut habe den Posten nicht auf eigene Rechnung angeboten: "Wir haben nur im Kundenauftrag gehandelt."

"Mysteriöse Umstände"

Marc Tüngler, Anwalt bei der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, sagte bereits am Mittwoch zu dem Einbruch der T-Aktie: "In dem großen Puzzle der mysteriösen Umstände um die Telekom ist das mal wieder ein weiteres Stück." Die Schutzvereinigung fordere die zuständigen Behörden auf, Prüfungen einzuleiten.

Eine Sprecherin des Bundesaufsichtsamtes für den Wertpapierhandel erklärte, die tatsächlichen Transaktionsdaten lägen dem Amt noch nicht vor. Daher könne auch keinerlei Aussage dazu gemacht werden.

Deutsche Bank sieht "kein Problem"

Tüngler sagte auch, falls die Deutsche Bank schon am Montag - als das Institut eine Kaufempfehlung für die T-Aktie abgegeben hatte - gewusst hätte, dass ein Kunde der Deutschen Bank am nächsten Tag ein großes Paket platzieren wolle, wäre das ein Skandal.

Ein Sprecher der Deutschen Bank erklärte dazu am Mittwoch, sein Haus habe am Montag einen lang vorbereiteten Research-Bericht herausgegeben, der zu keiner Neueinschätzung der Telekom führte, sondern vielmehr die Kaufempfehlung bekräftigt habe. Der Markt habe darauf kaum reagiert, wie man auch im Vergleich zu den Vortagen sehen könne. Insofern gebe es auch kein Problem, wenn am nächsten Tag von der Bank eine größere Verkaufsorder durchgeführt werde.

"Neubewertung des Sektors"

Weiterer Druck auf die Aktie entstand durch eine neue Verkaufsempfehlung. Die US-Investmentbank Merrill Lynch stufte den Wert von "Accumulate" auf "Reduce" zurück. Das Investmenthaus erklärte am Mittwoch, die Herabstufung sei Teil einer grundsätzlichen Neubewertung des europäischen Telekom-Sektors.

Nach Angaben von Händlern befürchten Anleger nun, dass mit dem Ende der Haltefrist für die Voicestream-Aktionäre möglicherweise weitere Aktien auf den Markt strömen. Die Deutsche Telekom hatte die US-Mobilfunkfirma Voicestream Ende Mai endgültig übernommen.

Analysten ratlos

Die Analysten waren sich nicht einig, wer hinter den massiven Verkäufen steht. Nach Einschätzung von Frank Wellendorf, Telekomanalyst bei der WestLB, könnte es der hoch verschuldete finnische Telekomausrüster Sonera sein. Der Konzern habe bereits im Mai Anteile an Voicestream und Powertel verkauft, um seine Schulden zu senken.

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