Commerzbank "Kostenflut nicht im Griff"

Nach dem Gewinneinbruch im ersten Halbjahr zieht die Bank die Notbremse und fährt einen rigiden Sparkurs: 100 Filialen werden geschlossen. 240 Millionen Euro will das Institut noch in diesem Jahr einsparen. Das kommt an der Börse an. Auch Übernahmegerüchte beflügeln den Kurs.

Frankfurt - Die Börsenschwäche und ein Kostenschub haben die Ergebnisse der Commerzbank im ersten Halbjahr 2001 belastet. Wie das Institut am Donnerstag mitteilte, wurde die Ertragsentwicklung von den schwierigen Bedingungen der Konjunktur und den Kapitalmärkten gedrückt. Gleichzeitig habe sich der Kostenauftrieb fortgesetzt.

Wie von Analysten erwartet, verbuchte die viertgrößte deutsche Bank im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum beim Vorsteuerergebnis einen Rückgang um rund 74 Prozent auf 495 Millionen Euro. Die Prognosen hatten auf einen Wert zwischen 415 Millionen und 542 Millionen Euro gelautet. Auch im zweiten Quartal brach das Ergebnis ein.

Das Institut verwies darauf, dass das Vorjahresergebnis maßgeblich von dem hohen Sonderertrag aus dem Börsengang der Comdirect geprägt wurde. Bereinigt um diesen Ertrag sei das Ergebnis der ersten sechs Monate des Vorjahres um gut die Hälfte niedriger ausgefallen.

Mehr als 100 Filialen werden geschlossen

Die Verwaltungsaufwendungen stiegen im ersten Halbjahr um 18 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. "Wir haben die Kosten nicht im Griff", wird innerhalb des Bankhauses eingeräumt. "Zur Eindämmung der Kostenflut" hat der Vorstand außer dem mittelfristigen Sparprogramm - einschließlich der Schließung von mehr als 100 Filialen im Inland - weitere Sofortmaßnahmen beschlossen.

Ein bereits im Juni verhängter Einstellungsstopp sowie gestrichene IT-Projekte sollen noch in diesem Jahr Einsparungen von 240 Millionen Euro bringen. "In den kommenden Jahren werden wir noch stärker auf die Kostenbremse treten", betonte der Vorstand. Sollten diese Maßnahmen von einem aufhellenden Marktumfeld begleitet werden, sei schon für die kommenden Monate "eine spürbare Aufwärtsentwicklung" zu erwarten, hieß es.

Aktie legt zu - "Buy on bad news"

An der Börse legte die Aktie kräftig zu und führte auch am Nachmittag den Dax mit Kursaufschlägen von rund drei Prozent an. Ein Händler begründete die Zuwächse auch mit anhaltenden Übernahmephantasien. "Am Markt kursieren Gerüchte, dass HSBC oder JP Morgan zumindest an Teilbereichen interessiert sind." Die Zahlen seien wie erwartet "verhalten bis schlecht" gewesen, sagte der Experte. Die Devise heiße: "Buy on bad news."

Im zweiten Quartal 2001 verringerte sich das Vorsteuerergebnis gegenüber dem ersten Quartal 2001 auf 186 (309) Millionen Euro. Hier hatten die Prognosen von Analysten auf 190 Millionen Euro gelautet. Im zweiten Quartal 2000 hatte die Bank einen Vorsteuergewinn zuzüglich Sondereffekten von 1,3 Milliarden Euro erzielt.