Bayer Stellenabbau im großen Stil

Nach der Gewinnwarung legt der Konzern schlechte Halbjahreszahlen vor. Ein rigider Sparkurs mit Stellenabbau und Werksschließungen soll dem Chemieriesen auf die Beine helfen. Doch Schadensersatzklagen in Millionenhöhe drohen.

Der Chemiekonzern will angesichts der massiven Probleme im Pharma- und Polymerbereich die Kosten bis zum Jahre 2005 um 1,5 Milliarden Euro senken. Das kündigte der Vorstandsvorsitzende Manfred Schneider am Donnerstag während der Vorstellung des Halbjahresberichts an.

Mit Stellenstreichungen und der Schließung von Produktionsanlagen reagiert die Bayer AG kurzfristig auf den Einbruch beim Ergebnis, der für 2001 zu erwarten ist. Insgesamt will der Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern noch in diesem Jahr Einsparungen in dreistelliger Millionenhöhe erzielen. 2002 würden die Kostensenkungen knapp eine Milliarde Euro erreichen, sagte Finanzvorstand Werner Wenning.

Wenning kündigte den Abbau von 1.800 Arbeitsplätzen allein im Arbeitsgebiet Polymere an. Auch im Arbeitsgebiet Gesundheit seien Personalmaßnahmen nicht ausgeschlossen, hieß es. Darüber hinaus sei bei den Polymeren die Schließung von 15 Produktionsanlagen geplant. Ein Großteil der Kostensenkungsprogramme betreffe ausländische Tochtergesellschaften, beispielsweise in den USA. Im Inland gelte eine Standortvereinbarung, nach der bis 2004 betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen seien, erläuterte Wenning.

Zuvor hatte Bayer nach der dritten Gewinnwarnung in vier Monaten erwartungsgemäß schwache Zahlen für das erste Halbjahr vorgelegt. Danach sank das operative Ergebnis im fortzuführenden Geschäft vor Sonderposten im ersten Halbjahr um 23 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro, während der Umsatz um acht Prozent auf 15,6 Milliarden Euro zulegte. Schneider bezeichnete die Entwicklung des Ergebnisses als "sehr enttäuschend". Das Ergebnis lag unter den Erwartungen der Analysten.

Aus für drittstärkstes Medikament

Bereits am Vortag hatte Bayer angekündigt, dass der Konzern ab sofort die Vermarktung seines Cholesterinsenkers Baycol/Lipobay stoppen werde. Der Stopp für Bayers derzeit drittstärkstes Medikament werde zu einem Gewinneinbruch im Gesamtjahr führen. Der Cholesterinsenker Lipobay galt als Hoffnung in der Pharmasparte von Bayer, da für die beiden umsatzstärksten Medikamente des Konzerns der Patentschutz bald abläuft.

Cropscience-Kauf wackelt

Zugleich scheint der Kauf der Cropscience-Sparte von Aventis zu wackeln. Der Verkauf des Agfa-Anteils reiche nicht aus für den Erwerb der Sparte, hieß es am Mittwoch Mittag. Die Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein riet in Folge des massiven Kurseinbruchs zum "Trading Sell".

Die Hiobsbotschaften für Bayer rissen am Vorabend nicht ab: Die amerikanische Arzneimittelbehörde (FDA) hat den Tod von 31 Menschen mit dem Cholesterin-Mittel Baycol/Lipobay des Bayer-Konzerns in Verbindung gebracht. Diese Zahl nannte die Behörde am Mittwoch und begrüßte die Entscheidung von Bayer, das Mittel freiwillig vom Markt zu nehmen.

In zwölf Fällen hätten die Patienten gleichzeitig den Wirkstoff Gemfibrozil erhalten, teilte die Behörde mit. Das Medikament war 1997 in den USA zugelassen worden. Vor einer Kombination von Lipobay und Gemfibrozil hatte Bayer auf Beipackzetteln ausdrücklich gewarnt. Dennoch droht Bayer eine Millionenklage, sollten sich viele Geschädigte in den USA zu einer Sammelklage zusammenschließen.

Wennig will "Gesamtstrategie überprüfen"

Finanzchef Werner Wenning kündigte in einer Telefonpressekonferenz eine Überprüfung der Gesamtstrategie des integrierten Chemie- und Pharmakonzerns an. Das Pharma-Geschäft selbst stehe aber nicht zur Disposition.

Bayer begründete den als freiwillig bezeichneten Vermarktungsstopp mit vermehrten Nebenwirkungsmeldungen über Muskelschwäche. Von diesen Nebenwirkungen seien insbesondere Patienten betroffen, die trotz einer Kontraindikation und Warnhinweisen gleichzeitig den Wirkstoff Gemfibrozil erhielten.

Für das Gesamtjahr hatte Bayer zuletzt Ende Juni die Prognose für das operative Ergebnis vor Sonderposten um rund 300 Millionen Euro auf rund drei Milliarden Euro zurückgenommen. Der Konkurrent BASF hatte zuletzt am Dienstag bei der Vorlage der Quartalszahlen seine Ergebnisprognose gesenkt.