Donnerstag, 21. November 2019

Infomatec Hilfestellung von der Bank

Die konsortialführende WestLB soll den Aktienkurs der Skandalfirma aktiv unterstützt haben.

München - Die WestLB Westdeutsche Landesbank Girozentrale hat das am Neuen Markt notierte Software-Unternehmen Infomatec Börsen-Chart zeigen nach dessen Börsengang im Sommer 1998 angeblich über die sonst üblichen Hilfestellungen hinaus unterstützt.

Wie die Zeitung "Euro am Sonntag" in ihrer Ausgabe vom 5. August berichtet, liegt ihr eine schriftliche Vereinbarung vor, derzufolge die WestLB sich verpflichtet hat, die Papiere des zwischenzeitlich insolventen Unternehmens insbesondere in den ersten Monaten nach dessen Börsengang in ihren Publikationen zur aktiven Kursunterstützung zu berücksichtigen.

WestLB-Analysten rieten immer wieder zum Kauf

"Selbstverständlich", so heiße es in der Vereinbarung, würden die hauseigenen Analysten der WestLB auf die Veröffentlichung von Unternehmensmeldungen "mit entsprechenden Kommentaren und Empfehlungen" reagieren.

Das geschah dann auch. Einige Beispiele:

Ende Oktober 1998: Die Bank bestätigt ihre bis dahin schon mehrfach geäußerte Kaufempfehlung für Infomatec und begründet dies mit dem technologischen Vorsprung des Unternehmens in den Bereichen E-Commerce-Software und E-Service-Software für alle Wirtschaftsbereiche.

Anfang Februar 1999: Die Analysten der WestLB zeigen sich weiterhin sehr optimistisch für das Augsburger Unternehmen. Seit dem Börsengang habe sich der Aktienkurs zwar bereits vervierfacht, dennoch sei für die kommenden Monate "eine überdurchschnittliche Kursentwicklung" zu erwarten.

Anfang Februar 1999: Die Bank legt noch einmal nach. Ihr Kaufargument für die Aktie: Das Unternehmen sei in der Vergangenheit vor allem durch Übernahmen gewachsen. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen werde nun eine Kapitalerhöhung durchgeführt. Durch das starke Wachstum in den Bereichen Internet-Netzwerke und Surfstations-Software könnte sich Infomatec in den kommenden Jahren zu einem der größten IT-Dienstleister in Deutschland entwickeln.

Für alle Skeptiker hat die Bank noch ein besonders griffiges Argument parat: Ihre beeindruckende Gewinn-Prognose für Infomatec. Das Softwarehaus, so die Aussage, werde nach einem Ergebnis von 9 Pfennigen je Aktie in 1997 und geschätzten 30 Pfennigen je Anteilschein im Jahr 1998 im laufende Geschäftsjahr voraussichtlich einen Gewinn je Aktie von 1,72 DM erzielen.

Anfang Mai 1999: Wieder meldet sich die WestLB zu Wort. Wieder teilt sie mit, dass sie eine überdurchschnittliche Kursentwicklung bei Infomatec erwartet. Das Argument diesmal: Die angekündigte 19,9 prozentige Beteiligung an der amerikanischen Firma Boca Research. Die Akquisition stelle einen wichtigen Schritt in der Globalisierungsstrategie von Infomatec dar.

Außerdem sei das Anteilspaket mit einem Kaufpreis von acht Millionen US-Dollar noch vergleichsweise günstig gewesen. Die Einstufung für die Aktie: unverändert "Outperformer".

Es folgten zahlreiche weitere Empfehlungen, die ähnlich positiv ausfielen.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung