Dienstag, 23. Juli 2019

EM.TV Kapitalvernichtung im Rekordtempo

2. Teil: Das Ende der Herrlichkeit

Oktober 2000: Eine nachträgliche Korrektur der Halbjahreszahlen nach unten sorgt für Irritationen. Der Konzern hatte den Überblick über seine Beteiligungen verloren. Der EM.TV-Kurs bricht um mehr als 17 Prozent auf 45,60 Euro ein. Kurze Zeit später bekräftigt Thomas Haffa trotz Skepsis bei Investoren die Prognosen für 2000. Der Vorsteuergewinn soll 600 Millionen Mark betragen, der Umsatz 1,6 Milliarden Mark.

Vor Gericht: Thomas Haffa (l.) und sein Bruder Florian
1. Dezember 2000: EM.TV korrigiert die Gewinnprognose für 2000 drastisch auf 50 Millionen Mark vor Zinsen und Steuern nach unten. Der Aktienkurs bricht auf unter 20 Euro ein. Auch diese Vorhersage wird nicht zu halten sein.

3. Dezember 2000: Im Zuge der Finanzkrise erklärt der EM.TV-Konzernvize Florian Haffa seinen Rücktritt. Wenige Wochen zuvor hatte er bereits sein Amt als Finanzvorstand abgegeben.

4. Dezember 2000: EM.TV gibt für die ersten neun Monate einen Verlust im Kerngeschäft bekannt. Die KirchGruppe verkündet den Einstieg bei EM.TV. Über eine Kapitalerhöhung soll sie 16,74 Prozent der Anteile übernehmen. Für einen Anteil an der Formel 1 gibt Kirch EM.TV eine Finanzspritze in Milliardenhöhe.

13. Dezember 2000: Die Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen gegen die Haffa-Brüder auf.

Februar 2001: Aufsichtsratschef Nickolaus Becker tritt zurück. Becker galt als Gegner der Allianz mit Kirch und hatte sich eine schlagzeilenträchtige Auseinandersetzung mit EM.TV-Chef Haffa geliefert.

März 2001: Mehr als 400 EM.TV-Aktionäre fordern Schadensersatz in Höhe von 20 Millionen Mark von EM.TV. Die Informationspolitik der Firma habe "gegen zahlreiche anlegerschützende Vorschriften" verstoßen.

 Haffas Nachfolger: Werner Klatten
[M];DPA.mm.de
Haffas Nachfolger: Werner Klatten
1. April 2001: EM.TV Börsen-Chart zeigen gibt für das Jahr 2000 einen Verlust in Höhe von 2,8 Milliarden Mark bekannt.

25. Juli 2001: Thomas Haffa tritt zurück. Nachfolger wird der bisherige SPIEGELnet-Chef Werner E. Klatten. Dieser übernimmt auch 25,1 Prozent der EM.TV-Anteile von Haffa.

1. August 2001: Die Aktionäre des angeschlagenen Unternehmens treffen sich in München zur Hauptversammlung. Thomas Haffa ist nicht dabei. Er kreuzt mit seiner Yacht vor der franzöischen Küste.

6. November 2001: Die ehemaligen Vorstände Florian und Thomas Haffa müssen sich wegen Kursbetrugs und unrichtiger Darstellungen verantworten. Der Staatsanwalt hat Anklage erhoben. Den beiden Brüdern wird vorgeworfen, im August 2000 bewusst falsche Halbjahreszahlen des Unternehmens veröffentlicht zu haben.

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