Wienerwald "Hendl-König" Jahn gestorben

"Vom Kellner zum Millionär und zurück" - so hat der am Mittwoch verstorbene Friedrich Jahn sein Leben einmal selbst überschrieben.

München - Der ungekrönte "Hendl-König" baute aus einer Hähnchenbraterei in München einen weltweiten Gastronomiekonzern mit 1500 Betrieben auf. Nach dem Zusammenbruch seiner Wienerwald-Kette und mehreren Comeback- Versuchen lebte der schillernde Österreicher zuletzt zurückgezogen in der Schweiz. Dort starb er jetzt in einem Sanatorium.

Der gelernte Koch begann seine Karriere 1955 im Münchner Stadtteil Schwabing mit der kleinen Wirtschaft "Linzer Stüberl". Als Hühnerfleisch aus den USA besonders billig angeboten wurde, erkannte Jahn die lukrative Marktlücke: Aus dem "Stüberl" wurde der erste Wienerwald. Rasant folgten Hunderte weitere Hähnchen-Restaurants in österreichisch angehauchtem Landstil. Lange vor dem Erfolg der US- Fast-Food-Ketten hierzulande bot Jahn den Deutschen Gerichte zum Mitnehmen frisch vom Grill.

Mit der Idee machte der Großgastronom in ganz Europa gute Geschäfte. Der Konzern wuchs zu einem internationalen Netz aus Gaststätten, Touristikunternehmen (Jahn-Reisen) und Hotels heran. Spätestens mit der Expansion in die USA aber geriet Jahns Imperium ins Wanken. Der findige Unternehmer mußte 1982 Vergleich anmelden.

Daß ihn die Gläubigerbanken aus seinem Reich gedrängt hatten, wollte der Lebenskünstler nicht hinnehmen. Wie ein "Stehaufmännchen" kaufte sich Jahn 1986 zumindest die deutsche Wienerwald-Kette zurück, gab sie aber bereits zwei Jahre später wieder an den britischen Konzern Grand Metropolitan ab. Vergeblich lieferte er sich um den österreichischen Teil einen schlagzeilenträchtigen Rechtsstreit. Seit 1991 gehört die gesamte Wienerwald-Gruppe der Wiener Wigast- Gruppe. Für die neuen Herren machte Jahn in den Filialen persönlich Werbung.

Für Furore hatte der CSU-Mäzen und Duzfreund des langjährigen Parteichefs Franz Josef Strauß auch politisch gesorgt. Im Wienerwald- Untersuchungsausschuß des Bayerischen Landtags mußte er 1990 als Zeuge zur angeblich zu großzügigen steuerlichen Behandlung des Konzerns aussagen - und bestritt selbst jegliche Schuld.

Der harte Fall nach dem fast märchenhaften Aufstieg als Gastronom hinterließ bei Jahn keine Verbitterung: "Heute kann ich ohne Ärger zurückblicken", sagte er einmal. "Fast jeden Tag kommt noch ein Hendl auf den Tisch."

Jahn schrieb unbekümmert seine Memoiren und machte als Sänger Wiener Stimmungslieder von sich reden. In den vergangenen Monaten zog er sich schwerkrank aus dem öffentlichen Leben zurück. Bis zum Schluß war er von seinem Wienerwald-Konzept begeistert: "Das war und ist eine großartige Idee." Am 29. Dezember wäre Jahn 75 Jahre geworden.

Axel Höpner, Roland Freund

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