Infomatec Urteil vertagt

Rückschlag für die Anleger. Die Schadensersatzklage gegen das Skandalunternehmen wurde ausgesetzt.

Augsburg - Das Urteil zu Schadensersatzansprüchen von Aktionären der angeschlagenen Softwarefirma Infomatec ist zur Enttäuschung der Anleger vertagt worden.

Das Augsburger Landgericht erklärte am Freitag, zunächst werde der Ausgang eines Ermittlungsverfahrens gegen die beiden ehemaligen Chefs des am Neuen Markt notierten Unternehmens, Gerhard Harlos und Alexander Häfele abgewartet. Ein Kleinaktionär hatte die Softwarefirma auf 12.000 Mark Schadensersatz verklagt.

Der Anteilseigner hatte die Klage damit begründet, dass er auf gefälschte Ad-hoc-Mitteilungen hereingefallen sei und beim Verkauf seiner Aktien hohe Verluste erlitten habe. Rechtsanwalt Bernhard Hannemann, der den früheren Firmenchef Harlos vertritt, betonte am Rande der Verhandlung, ein ähnliches Verfahren sei bereits gescheitert.

Eine Klage bereits abgewiesen

Das Münchener Landgericht habe diese Woche eine Schadensersatzklage eines Kleinaktionärs von 30.000 Mark abgewiesen, die sich aber nicht gegen das Unternehmen gerichtet habe, sondern gegen Harlos und Häfele persönlich. Demnach hätte der Kläger weder seinen eigenen Schaden noch einen Vorsatz der Beklagten ausreichend nachweisen können, sagte der Anwalt.

Die Augsburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Harlos und Häfele wegen des Verdachts auf verbotenen Insiderhandel und falscher Ad-hoc-Mitteilungen. Unter anderem sollen die Firmengründer mit einer falschen Ad-hoc-Mitteilung über einen angeblichen Großauftrag den Aktienkurs von Infomatec verdoppelt und anschließend eigene Aktien für 56 Millionen Mark (rund 28,7 Millionen Euro) verkauft haben.

Ehemalige Vorstände auf freiem Fuß

Nach einem halben Jahr Untersuchungshaft waren Harlos und Häfele Anfang Mai gegen eine Kaution von je 750.000 Mark freigelassen worden. Das Oberlandesgericht München hatte einer Haftbeschwerde ihrer Anwälte Recht gegeben und weder einen dringenden Tatverdacht gesehen noch eine Fluchtgefahr.

Infomatec war im Sommer 1998 an den Neuen Markt gegangen. Ende April hatte das auf interaktives Fernsehen spezialisierte Unternehmen dramatische Einbrüche bei Umsatz und Gewinn bekannt geben müssen: Der Jahresfehlbetrag für das Geschäftsjahr 2000 versechsfachte sich auf 103,8 Millionen Euro (rund 202 Millionen Mark).

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