Metabox Eine gute, eine schlechte Nachricht

Das Verfahren wegen Bilanzfälschung ist eingestellt, der Verdacht auf Kursbetrug bleibt.
Von Clemens von Frentz

Hannover - Eine gute Nachricht für Metabox: Die Staatsanwaltschaft Hannover hat das Verfahren wegen des Verdachts auf Bilanzfälschung eingestellt. Wie Sprecher Manfred Knothe gegenüber manager-magazin.de sagte, konnte der Nachweis eines vorsätzlichen Handelns nicht erbracht werden.

Die schlechte Nachricht: Der Verdacht auf Kursbetrug, Kapitalanlagebetrug und Insiderhandel besteht weiterhin, die Ermittlungen dauern an. Obwohl die Untersuchungen schon seit einiger Zeit laufen, ist mit einem Ergebnis erst in einigen Monaten zu rechnen.

Die Ermittlungen wegen des Verdachts auf Bilanzfälschung waren eingeleitet worden, nachdem es beim Jahresabschluss für 1999 zu groben Unstimmigkeiten gekommen war. Der Jahresumsatz wurde mit 42,88 Millionen Mark ausgewiesen, obwohl er tatsächlich deutlich niedriger lag.

Der hohe Wert kam dadurch zustande, dass die Amstrad Distribution GmbH für das ganze Jahr bilanziert wurde, obwohl das Unternehmen erst im 6. Dezember 1999 - drei Wochen vor Jahresende - erworben worden war.

Nach Korrektur der Falschbilanzierung ergab sich für den Umsatz ein neuer Wert von 17,5 Millionen Mark. Der Konzernverlust lag relativ unverändert bei 5,5 Millionen Mark.

Vorstands-Chef Stefan Domeyer hatte den Fehler erst am 1. Dezember 2000 eingestanden, also rund 11 Monate nach Ende des betroffenen Jahres. Zur Begründung sagte Domeyer, der bis dahin tätige Wirtschaftsprüfer Willi Möller aus Göttingen habe die ursprüngliche Bilanzierung akzeptiert und ein uneingeschränktes Testat erteilt. Die Wirtschaftsprüfer von Arthur Andersen hätten die Falschbilanzierung erst in der letzten Novemberwoche entdeckt.

Scharfe Kritik auf der HV im Juli 2000

Schon auf der Hauptversammlung am 26. Juli 2000 hatten zahlreiche Aktionäre den Geschäftsbericht 1999 scharf kritisiert. "Wir lassen uns in Zukunft einen solchen Bericht nicht mehr bieten", sagte der Repräsentant der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz. Aus dem Bericht könne man von A bis Z nichts entnehmen, was wichtig sei. Es fehle die Segmentberichterstattung, ein Bericht über die Risiken und vor allem ein Ausblick. Die Aktionäre könnten sich so kein Bild über das Unternehmen machen. CEO Domeyer sagte zu, im kommenden Jahr den Umfang der Berichterstattung auszubauen.

In einem Brief an seine "sehr verehrten Mitunternehmerinnen und Mitunternehmer" schrieb der Vorstands-Chef nach der Bilanzpanne: "Der beschriebene Fehler bei der Bilanzierung ist für die Metabox AG peinlich und außerordentlich ärgerlich - ungeachtet der Tatsache, dass derartige Interpretationsfehler bei der Auslegung der IAS-Richtlinien auch andernorts vorkommen. Dennoch lassen Sie mich eins klarstellen: Die beschriebenen Korrekturen beziehen sich auf die Vergangenheit und ändern weder etwas an der damaligen noch an der aktuellen Finanz- und Ertragslage. (...) Noch im Dezember werden wir der Öffentlichkeit die neue Set-Top-Boxen vorstellen. Anfang 2001 startet dann die Auslieferung an unseren ersten Großkunden."

Sponsor-Beteiligung für 1 Mark verkauft

Als erste Reaktion auf die neue Sachlage hatte der Vorstand damals entschieden, sich aus dem Sport-Sponsoring zurückzuziehen. Metabox gab den 80-prozentigen Anteil an der Metabox Braunschweig Basketball GmbH an Klaus-Peter Klewe ab, der zuvor lediglich 20 Prozent an der Gesellschaft hielt. Der Kaufpreis lag bei 1,- Mark. Der Vorstand begründete den Rückzug damit, dass das Engagement nur Kosten verursacht habe. Die Rede war von insgesamt zwei Millionen Mark.

Am Tag des Eingeständnisses kam es trotz der peinlichen Panne zwischenzeitlich zu einem Kurssprung von 25 Prozent bei der Metabox-Aktie. Hintergrund: Vorstands-Chef Domeyer hatte erneut seine optimistischen Prognosen bekräftigt und einen Umsatz von 600 Millionen Mark für das Jahr 2001 avisiert.

Versprechungen ließen Kurs explodieren

Für den zu erwartenden Gewinn gab er eine Größenordnung von 33 Millionen Mark an. Außerdem verkündete er, einige Großaktionäre hätten bereits 20 Millionen Mark zusätzlich für die nächsten drei Monate zugesichert. Damit stehe einem baldigen Produktionsbeginn für die immer wieder gemeldeten Großaufträge nichts mehr im Wege.

Das blieb nicht ohne Wirkung auf den Kurs der Aktie. Sie stieg im Handelsverlauf bis auf 7,50 Euro. Gegen Abend allerdings schloss der Titel wieder auf Vortagsniveau.

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