Refugium Pleite droht

Gegen den Altenheim-Betreiber ist ein Insolvenzverfahren eingeleitet worden.

Bonn - Bei der am Neuen Markt notierten Refugium AG brennt die Hütte. Zwei Tage nachdem ein Gläubiger gegen die Refugium Holding einen Insolvenzantrag gestellt hat, folgte zum Wochenende die nächste Hiobsbotschaft: Am Freitag beantragte die Betreibergesellschaft der 57 Seniorenheime der Holding, die Refugium Betriebsmanagement GmbH (BMG), vor dem Amtsgericht Bonn die Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens. Dies bestätigte ein Sprecher der Holding.

Alle Mitarbeiter von der Insolvenz betroffen

Das Amtsgericht Bonn erklärte, mit dem Antrag der BMG seien nunmehr alle Mitarbeiter des Refugium-Konzerns von den Folgen der Insolvenz betroffen. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmte das Gericht den Kölner Rechtsanwalt Andreas Ringstmeier, der seit dem Insolvenzantrag gegen den Refugium-Konzern am Dienstagabend auch bei der Holding bereits in dieser Position tätig.

Der Antrag gegen die Holding sei von einem Gläubiger wegen Mietforderungen in Millionenhöhe gestellt worden, sagte ein Sprecher des Amtsgerichts Bonn. Das vorläufige Insolvenzverfahren richte sich nicht gegen die einzelnen Betreibergesellschaften der Alten- und Pflegeheime.

Allerdings hatte das Unternehmen bekräftig, dass der Geschäftsbetrieb mit Zustimmung des Insolvenzverwalters Ringstmeiers auch nach Stellung eines Insolvenzantrags bis auf weiteres in vollem Umfang fortgeführt werde.

Der Handel mit den Aktien des Unternehmens war am Dienstag Abend von der Deutschen Börse ausgesetzt worden. Der Titel notierte im Xetra zuletzt bei 0,62 Euro. Das ist ein Minus zum Vortag von 38,61 Prozent. Am 18. März 1999 hatten die Papiere noch bei rund 40,00 Euro notiert.

Holding seit Monaten in Schwierigkeiten

Die börsennotierte Holding steckt seit Monaten in finanziellen Schwierigkeiten. Zu Jahresbeginn beschlossene Kapitalmaßnahmen konnten wegen Anfechtungsklagen zweier Kleinaktionäre nicht umgesetzt werden. Danach sollte die Pro Seniore AG (Saarbrücken) über eine Sacheinlage mit 52 Prozent, die Gold-Zack AG (Mettmann) mittels Bareinlage mit 20 Prozent an Refugium beteiligt werden.

Zwischenzeitlich hatte die Pro Seniore die Zusammenarbeit auf Eis gelegt und die Gold-Zack-Tochter Pako Immobilien AG Pachtverträge für 27 von Refugium betriebene Heime gekündigt. Refugium sowie auch der Aufsichtsrats-Chef der Gold-Zack AG, Dietrich Walther, wollten zum aktuellen Stand keine Stellungnahme abgeben.

Am Donnerstag vergangener Woche war ein Refugium-Heim im rheinischen Elsdorf geschlossen worden. Als Grund nannte die zuständige Heimaufsicht des Erftkreises fehlendes Fachpersonal. Die Senioren konnten zunächst in dem Haus bleiben und werden von zusätzlichem Pflegepersonal betreut. Refugium betreibt bundesweit 57 Senioreneinrichtungen mit 6000 Betten und hat 3800 Mitarbeiter.

Verdacht auf Bilanzfälschung

Refugium hatte eigenen Angaben zufolge in den vergangenen Monaten Gehälter nicht pünktlich zahlen können. Das Unternehmen führte in den vergangenen Wochen Gespräche mit potenziellen Partnern, darunter der Marseille-Kliniken AG (Hamburg).

Wegen des Verdachts der Bilanzfälschung müssen sich derzeit vier einstige Refugium-Vorstände vor dem Landgericht Bonn verantworten. Refugium hatte sie auf mehr als 12 Millionen DM (23,4 Mio Euro) Schadensersatz verklagt. Zudem ermittelt die Bonner Staatsanwaltschaft gegen den Chef der Gontard & Metallbank, Lothar Mark, wegen des Verdachts auf Insiderhandel mit Refugium-Aktien.