Brokat Noch einmal davongekommen...

Erleichterung beim Vorstand - die Aktionäre stimmten auf der HV für eine Entlastung.

Stuttgart - Die Hauptversammlung der Brokat AG hat den Vorstand mit 92 Prozent und den Aufsichtsrat mit 98 Prozent entlastet. Alle vorgeschlagenen Beschlüsse seien genehmigt worden, teilte das Unternehmen am Donnerstag weiter mit.

Dem Vorstand ist somit gestattet worden, ein neues genehmigtes Kapital in Höhe von 3,74 Millionen Euro zu schaffen. Ferner wurde die Ausgabe von Wandel- und Options-Schuldverschreibungen genehmigt. Außerdem haben die rund 600 anwesenden Aktionäre beschlossen, den Namen der Gesellschaft in "Brokat Technologies AG" zu ändern.

Überraschender Gehaltsverzicht

Die Vorstände ihrerseits wollen nun, soweit sie gleichzeitig Gründervorstände des Softwarehauses sind, so lange auf ihre Gehälter verzichten, bis das Unternehmen die Gewinnschwelle erreicht hat. Das teilten Vorstandssprecher Stefan Röver, Finanzvorstand Michael Janßen und Entwicklungsvorstand Michael Schumacher auf der Hauptversammlung mit.

Dem vorausgegangen waren zeitweise turbulente Diskussionen, bei denen das Management von Anlegern und Aktionärsvereinigungen wegen der stark verschlechterten Geschäftsentwicklung scharf kritisiert wurde. Der überraschende Gehaltsverzicht gilt nicht für die Vorstandsmitglieder Angelo Maestrini und Stephan Kruppa.

Offen blieb in der Erklärung der Vorstände über ihren Gehaltsverzicht, wie das Erreichen der Gewinnschwelle zu definieren ist. Nach den jüngsten Prognosen von Brokat soll sie - allerdings nur gemessen am EBITDASO - im vierten Quartal 2001 erreicht werden. Den Aufwand für die Restrukturierungsmaßnahmen bezifferte Finanzvorstand Janßen auf eine Größenordnung von vier Millionen Euro.

Davon entfalle der Großteil auf Abfindungszahlungen im Zusammenhang mit der Verkleinerung der Belegschaft. Die Firmenwertabschreibungen würden sich im Jahr 2001 auf 138 Millionen Euro belaufen, gegenüber 49 Millionen Euro im Vorjahr.

Zu Geschäftszahlen, die über den Stand des Berichts über das erste Quartal 2001 hinausgehen, wollte Janßen auf der Hauptversammlung noch keine Angaben machen. Brokat wolle bei der üblichen Berichterstattungspraxis bleiben und die Zahlen für das zweite Quartal Anfang August vorlegen.

Aktie fiel von von 200 auf drei Euro

Die Aktie des Unternehmens war unter anderem auf Grund von deutlich reduzierten Umsatzprognosen und der angespannten Finanzsituation aus einstigen Höhen von 200 Euro auf zuletzt drei Euro abgestürzt. Ein Analyst hatte die Finanzmärkte schockiert, als er das Kursziel auf null Euro bezifferte. Bis zum Donnerstagmittag legte der Kurs um 7,03 Prozent auf 3,50 Euro zu.

Künftig will Vorstands-Chef Röver das Unternehmen stärker nach Geschäftsbereichen gliedern. Ein wichtiger Zukunftsmarkt sei Software für das elektronische Bezahlen per Handy. Mit der Deutschen Telekom und Vodafone seien in diesem Bereich große Kunden gewonnen worden.

Jahresfehlbetrag von 125,9 Millionen Euro

Die 1994 gegründete Brokat zählt zu den am schnellsten wachsenden Unternehmen der "New Economy" in Deutschland. Im vergangenen Jahr kletterte der Umsatz unter anderem durch zwei Übernahmen in den USA um 148 Prozent auf 119,6 Millionen Euro. Dem gegenüber stand ein Jahresfehlbetrag in Höhe von 125,9 Millionen Euro.

Die Aktie des Unternehmens erholte sich nach den Kursverlusten der letzten Tage deutlich. Auf der Hauptversammlung hatte der Finanzvorstand noch einmal erklärt, dass Verhandlungen mit einem "strategischen Investor" geführt würden. Im Handel kursierten erneut Gerüchte über einen Einstieg von Siemens.

Börsenwert liegt bei rund 125 Millionen Euro

Brokat verbesserten sich um 3,98 Prozent auf 3,40 Euro. Ein Händler sagte allerdings: "Ich glaube nicht, dass Brokat übernommen wird. Dazu sind sie immer noch zu teuer." Der Börsenwert des Unternehmens liege schließlich immer noch bei rund 125 Millionen Euro.

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