Essanelle Haariger Börsenstart

Nach dem Verwirrspiel um den Börsengang wird die Aktie bös zurechtgestutzt.

Frankfurt am Main - Das Börsendebüt der Essanelle Hair Group fällt denkbar schlecht aus. Nach einem Emmissionpreis von sieben Euro wurde die Aktie heute Morgen erstmals mit sechs Euro notiert. Die Investoren zeigen dem Wert die kalte Schulter und quittieren damit das Verwirrspiel um den Börsengang.

Denn der Börsengang des Friseurfilialisten Essanelle kann auch nach der für Freitag geplanten Erstnotiz der Aktie am Kleinwertesegment Smax noch zurückgezogen werden. Wie aus einer Finanzanzeige des Unternehmens in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" hervorgeht, behält sich die Konsortialbank bis zum 25. Juni vor, "die Durchführung des Angebots unter bestimmten Umständen abzubrechen. Zu diesen Umständen zählen neben negativen Entwicklungen an den internationalen Kapitalmärkten auch bestimmte Fälle höherer Gewalt."

Aus der Finanzanzeige geht weiter hervor, dass Börsengeschäfte, die zwischen der Erstnotiz am Freitag und einem möglichen Rückzug der Emission bis zum Montag stattfinden "aufgehoben und nicht erfüllt werden." Zum Prozedere einer möglichen Rückabwicklung wollte die Konsortialbank keine Einzelheiten nennen.

Aktienexperten sind verwirrt

Peter Rene Müller, Leiter Corporate Finance bei der Konsortialbank Stadtsparkasse Köln sagte, diese Klausel sei in Verträgen, die Prozeduren zu einem Börsengang regeln, üblich. So habe es beim Börsengang des Finanzdienstleisters AWD eine ähnliche Regelung gegeben. "Es geht alles seinen normalen Gang, es existieren keine Gedanken, dass diese Regelung angewandt werden sollte. Soweit mir bekannt, hat es auch noch keinen Fall gegeben, in dem eine solche Maßnahme getroffen worden ist", sagte Müller weiter.

Eine Sprecherin der Deutschen Börse sagte dazu auf Nachfrage: "Eine solche Klausel gibt es nicht in jedem Verfahren, es ist aber auch nicht völlig unüblich." Sie wies daraufhin, dass diese Regelung auch schon im ursprünglichen Emissionsprospekt von Essanelle enthalten gewesen sei.

Dagegen bezeichnete ein auf Aktienemissionen spezialisierter Jurist einer Frankfurter Geschäftsbank diesen Passus als "ungewöhnlich" und "überraschend". Üblicherweise beschränke sich ein solcher Vorbehalt auf die Zeit bis zur ersten Notierung der Aktie. Börsianer nannten diese Klausel "merkwürdig". Dies sei ihm bislang noch nicht untergekommen, sagte ein erfahrener Aktienhändler.

Debüt zum Discountpreis

Die Essanelle-Aktie blickt leicht gestutzt ihrem Börsendebüt entgegen: Mit sieben Euro sollen die Aktien an diesem Freitag deutlich günstiger als zunächst geplant auf den Markt kommen. Die Düsseldorfer Friseurgruppe hatte zunächst eine Preisspanne von zehn bis zwölf Euro genannt. Am 12. Juni hatte das Unternehmen diese jedoch unter Hinweis auf die schwierige Marktsituation abgesenkt und die Zeichnungsfrist bis zum 19. Juni verlängert.

Essanelle erwartet nun nur noch Einnahmen von 25,6 Millionen Mark statt 28,4 Millionen Mark. Die Erstnotiz der 2,1 Millionen Stückaktien am Kleinwertesegment der Deutschen Börse Smax ist für Freitag, den 22. Juni vorgesehen.

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