Freitag, 6. Dezember 2019

Neuer Markt Abschied von "Mr. Dausend Euro"?

Bernd Förtsch dementiert Spekulationen, sein DAC-Fonds würde schleichend aufgelöst.

Berlin - Ein Zeitungsbericht über die mögliche Auflösung eines Fonds von DAC-Fondsmanager Bernd Förtsch hat einige Schwergewichte am Neuen Markt am Mittwoch zusätzlich unter Druck gesetzt. Zu den Betroffenen zählten Händlern zufolge Adva Optical Networking, D.Logistics und Morphosys.

"Wenn Fondsgesellschaften anfangen würden, auf Grund von Mittelabflüssen Fonds aufzulösen, sehen wir neue Tiefststände", fürchtete ein Händler. Förtsch dementierte unterdessen einen entsprechenden Bericht der Tageszeitung "Die Welt".

"Hut ab vor meinen Anlegern"

"Da ist überhaupt nichts dran", sagte Förtsch im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa-afx. Im Oktober habe die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schon einmal die Auflösung des DAC-UI-Fonds angekündigt. "Hut ab vor meinen Anlegern, die unserem Haus die Treue halten", fügte Förtsch hinzu.

Keiner der elf DAC-Fonds werde aufgelöst. Es handele sich um ein Gerücht, das "aus Frankfurter Bankenkreisen" gestreut werde. Er genieße weiterhin das volle Vertrauen der Investmentgesellschaften Universal und Hauck & Aufhäuser. "Es gibt auch keine Aufpasser, die mir zur Seite stehen", sagte Förtsch.

"Würden eher zukaufen"

"Wir haben hier nichts verkauft", kommentierte er die Kursverluste der von ihm in seinen Fonds stark gewichteten Titel. Angesichts des Kursverfalls sei es "eher mal eine Überlegung zuzukaufen".

Nach dem spektakulären Rausschmiss von Fondsmanager Kurt Ochner beim Bankhaus Julius Bär halten viele Marktteilnehmer es nicht für ausgeschlossen, dass "Mr Dausend Euro" Bernd Förtsch ein ähnliches Schicksal ereilen könnte.

Biotec-Blase geplatzt

Just die Lieblingswerte des Kulmbachers würden derzeit systematisch ausgebombt: Morphosys oder D.Logistics etwa verloren zuletzt über 40 Prozent, während der Nemax nur halb so stark eingebrochen war.

Das Platzen der Biotech-Blase hat auch bei den Förtsch-Fonds voll ins Kontor geschlagen: Das Flaggschiff DAC Fonds UI, in dem 350 Millionen Euro stecken, hat seit Jahresbeginn 48,4 Prozent verloren. Der Neue-Markt-Fonds brach sogar um 57 Prozent ein, während das Wachstumssegment nur gut ein Drittel einbüßte.

Spekulationen mit marktengen Werten

Solch eine Performance kannte man bis dato nicht von Bernd Förtsch - mit dem DAC-UI gelang ihm sogar ein Weltrekord: Innerhalb von drei Jahren legte sein Fonds fast 700 Prozent zu. In einem Atemzug wurde er wie Kurt Ochner als Meisterspekulant gefeiert.

Kritiker sähen nun Parallelen zwischen Ochner und Förtsch, berichtet die "Welt". Beide spielten mit Vorliebe in marktengen Werte, die sie durch ihre eigenen Käufe in die Höhe trieben. Ein Geschäft, dass in steigenden Märkten blendend funktioniert, aber in der Baisse zum Verhängnis wird.

So kaufte Förtsch beispielsweise acht Prozent des IT-Anbieters OAR Consulting - der Kurs explodierte daraufhin bis auf 80 Euro. Inzwischen ist das Unternehmen am Rande der Pleite, das Papier nur noch ein Pennystock.

Fangemeinde verabschiedet sich

Doch Förtsch habe noch ein anderes Problem. Auch das Trommeln in den Medien funktioniert nicht mehr. So empfahl Förtsch Anfang 2000 seinen Fondswert Morphosys mit einem Kursziel von 1000 ("dausend") Euro. Daraufhin verdreifachte sich die Aktie binnen Tagen auf 350 Euro - inzwischen hat sich das Papier wieder gesiebtelt. Ein zusätzliches Auditorium besaß Förtsch in den 80 000 Abonnenten des "Aktionär", bei dem er Chefredakteur ist.

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