Euro Das Schlimmste überstanden

Experten halten eine Zinssenkung für denkbar. Die Inflationsrate dürfte mittelfristig sinken.

Frankfurt - Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte nach Einschätzung von Analysten noch in diesem Sommer mit einer erneuten Leitzinssenkung die schwächelnde Konjunktur in der Euro-Zone ankurbeln. Da die Inflationsrate im Mai mit 3,4 Prozent wohl ihren Höhepunkt erreicht habe, gebe es für die Notenbank durchaus Spielraum für eine geldpolitische Lockerung, begründeten die Experten ihre Einschätzung.

Keine Zinssenkung in Dublin erwartet

Während der auswärtigen Ratssitzung am Donnerstag in Dublin werden die Währungshüter die Zinsen nach fast einhelliger Expertenmeinung jedoch noch unverändert lassen. Sollte sich der Preisauftrieb aber ab Juni wieder abschwächen, wäre eine geldpolitische Lockerung Anfang Juli denkbar. EZB-Ratsmitglieder bekräftigten unterdessen, die Notenbank müsse vor allem Preisstabilität gewährleisten und signalisierten damit zumindest für diese Woche unveränderte Zinsen.

Bundesbankpräsident Ernst Welteke sagte am Dienstag, das gegenwärtige Umfeld sei von großer Unsicherheit geprägt. Zugleich bekräftigte er - ebenso wie EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing am Montag - der beste Wachstumsbeitrag der EZB sei es, die Preisstabilität zu erhalten. Mit dieser Standardaussage gab er kein Signal für die Zinspolitik der nächsten Monate, deutete aber zumindest für diese Woche unveränderte Zinsen an.

Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) sieht durch die derzeit hohe Inflation den geldpolitischen Spielraum der Europäischen Zentralbank (EZB) beeinträchtigt. "Mit der Inflation haben wir im Moment aber ein Problem, das der Geldpolitik Restriktionen auferlebt", sagte Eichel der "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Im Mai hatte die Jahresteuerung in der Euro-Zone vor allem wegen höherer Nahrungsmittel- und Energiepreise mit 3,4 Prozent den höchsten Stand seit Anfang 1993 erreicht. Doch schon im Juni erwarten die Analysten einen Rückgang der Jahresteuerung auf rund drei Prozent.

Zenit überschritten?

Nach Einschätzung von Rainer Guntermann von Dresdner Kleinwort Wasserstein könnten schon die vorläufigen Juni-Inflationsdaten für Deutschland wieder günstiger aussehen, und bestätigen, dass die Teuerung im Mai ihren Höchststand erreicht habe. "Die Juni-Daten werden für viele erleichternd sein und zeigen, dass das Schlimmste überstanden ist. Ich denke, die EZB wird wohl im Juli die Zinsen um 25 Basispunkte senken."

Bis zum Jahresende sei dann noch ein weiterer Schritt um 25 Basispunkte notwendig. Am 10. Mai hatte die Notenbank die Leitzinsen überraschend um 25 Basispunkte auf 4,50 Prozent im Schlüsselzins gesenkt. Auch Steven Pearson von Halifax geht davon aus, dass bei ein Rückgang der vorläufigen Juni Zahlen eine Zinssenkung möglich ist.