Metabox "Wie Ratten im Laborversuch"

Die Firma hat zwei neue Betreuer und einen neuen Skandal: Ein soeben ernannter Vorstand soll sich über Monate als Pusher in Aktienboards betätigt haben.
Von Clemens von Frentz

Hildesheim - Die Metabox AG hat einen zweiten Designated Sponsor gefunden. Nachdem manager-magazin.de am Montag gemeldet hatte, dass die bisherigen Betreuerbanken der Hildesheimer Aktiengesellschaft die Kündigung ausgesprochen haben, präsentierte der Vorstand am Dienstag einen neuen Partner. Es handelt sich um die Frankfurter Wertpapierdienstleistungsgesellschaft Peter Koch Xchange Brokers GmbH, die bislang nur einigen Fachleuten bekannt war.

Damit verfügt Metabox wieder über die vorgeschriebene Anzahl von zwei Betreuern, die laut Regelwerk der Deutschen Börse AG für den Xetra-Handel erforderlich sind. Am Montag-Mittag hatte das Unternehmen bereits mitgeteilt, dass man mit dem Wertpapierhandelshaus Frohne & Klein GmbH einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet habe.

"Wir haben das Mandat vor allem in der Überzeugung übernommen, dass die Metabox AG das Insolvenzverfahren abwenden wird", sagte Hendrik Klein von Frohne & Klein zum Abschluss des Vertrages. Metabox-CEO Stefan Domeyer ergänzte, die neuen Partner hätten ein "attraktives Leistungsbündel angeboten" und man wolle nun "eng zusammenarbeiten, um die Metabox-Aktie wieder zu stärken".

Diplom-Psychologe wird Vorstand

Die Aktie des Unternehmens reagierte auf diese Nachricht mit einem Kurssprung von rund 50 Prozent und stieg zwischenzeitlich bis auf 70 Cent, ehe gegen Handelsende wieder leichte Gewinnmitnahmen einsetzten.

Außerdem meldete die Aktiengesellschaft einen weiteren Wechsel im Management: Der Aufsichtsrat hat am Dienstag den 51-jährigen Diplom-Psychologe Michael Heckeroth mit sofortiger Wirkung zum neuen Vorstandsmitglied berufen. Nach Angaben der Hildesheimer AG sammelte der Berliner bisher "umfangreiche Erfahrungen auf dem Gebiet der Hardwareentwicklung sowie in den Bereichen Wirtschaftsmediation und Krisenmanagement".

War Heckeroth ein übler Pusher?

Weiter heisst es in der Pressemeldung: "Heckeroth ist dem Unternehmen als bisheriger Sprecher und Mitbegründer der Aktionärsgemeinschaft Metabox eng vertraut." Er soll im Vorstand die Bereiche Personal und interne Organisation sowie Finanzmarktkommunikation übernehmen.

Vorstands-Chef Stefan Domeyer: "Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Herrn Heckeroth, der sich bereits in der Vergangenheit entscheidend mit großem Know How für unser Unternehmen eingesetzt hat."

Diese Auskunft ist nicht ohne Ironie. Der neue Vorstand ist nach Informationen von manager-magazin.de bislang vor allem dadurch in Erscheinung getreten, dass er unter einem Pseudonym im Aktionärs-Board einer deutschen Finanz-Site mehrere hundert - überwiegend positive - Beiträge  zum Thema Metabox verfasste.

Einige Community-Mitglieder hatten dies als "Pusherei" kritisiert und mehrfach den Verdacht geäußert, es habe sich bei den Beiträgen um bezahlte Werbung für Metabox gehandelt. Diesem Verdacht trat der neue Vorstand am Dienstag-Abend heute mit einem neuen Beitrag entgegen.

Anleger: "Wir waren wie Ratten im Laborversuch"

In dem Posting heißt es, es habe sich um "gemeinsames Freizeitprojekt von M.H. und seinen beiden Söhnen" gehandelt. "Geld wurde dafür nie von irgendeiner Seite bezahlt. Familienintern wird das Projekt als Erfolg gewertet."

Dieses verblüffende Geständnis wurde recht unterschiedlich aufgenommen. Einige Board-Teilnehmer gratulierten dem Hobby-Börsenpädagogen zu seiner neuen Karriere, andere reagierten verärgert. Besonders drastisch artikulierte ein User seine Wut: "Zwei Rotznasen", schreibt er, "haben uns hier über Monate verarscht, uns psychologisch analysiert und dirigiert nach den Anweisungen ihres Vaters wie die Ratten im Laborversuch! Hat mich bloss 6000 DM gekostet..."