Deutsche Börse "Skandal" auf dem Parkett

Der Feiertagshandel gerät in die Kritik. Die Gewerkschaft wirft der Börse "Rechtsbruch" vor.

Frankfurt am Main - Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat den Börsen vorgeworfen, mit dem Handel an vier Feiertagen pro Jahr "fortgesetzten Rechtsbruch" zu begehen. Börsenhandel an Tagen wie Fronleichnam sei ein "Skandal", erklärte Verdi-Bundesvorstand Hinrich Feddersen am Donnerstag. Die Deutsche Börse nehme "ein schlampig formuliertes Gesetz der Kohl-Regierung zum Anlass, die grundgesetzlich geschützte Feiertagsruhe zu verletzen".

"In keinem Land der Euro-Währungszone wird die Börse an Feiertagen geöffnet, auch nicht in London oder New York", betonte Feddersen. Der "Starrsinn" der Deutschen Börse, am Feiertagshandel festzuhalten, sei "völlig unverständlich".

Die Öffnung sei "weder technisch noch wirtschaftlich notwendig". Die Umsätze seien "weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben". Börsenexperten warnten zudem wegen der geringen Handelsbeteiligung vor "Zufallskursen". So könnten bereits geringe Ordervolumina große Kursausschläge verursachen.

Auf den Stufen der Frankfurter Börse errichteten Gewerkschaften, Kirchen und Verbände am Donnerstagvormittag eine "Mauer der Freizeit" aus zwei Dutzend leeren Pappkartons. Mit ihrer Protestaktion wolle Verdi die Einstellung des Feiertagshandels erreichen, erklärte Herbert Bayer. Der Sekretär für den Fachbereich Finanzdienstleistungen wies auf die ansonsten an Feiertagen gesetzlich vorgeschriebene "Wirtschaftsruhe" hin.

Die Schweizer machen nicht mit

Auf den Kartons hatten die Veranstalter Zettel mit Darstellungen von Freizeitaktivitäten aufgeklebt, wie Rad fahren, Wandern, Spielen oder Bücher lesen. Die Börsenmitarbeiter und Händler konnten ihre Arbeitsplätze nur über einen schmalen Gang zwischen Kartons und Eingangssäulen erreichen.

Das Argument der Deutschen Börse, mit den ausgedehnten Öffnungszeiten wolle man ausländischen Anlegern den Handel ermöglichen, ließ Bayer nicht gelten. So hielten etwa die Schweizer an ihren Feiertagen fest und beteiligten sich dann auch nicht an der Terminbörse Eurex, obwohl diese ansonsten gemeinsam mit der Deutschen Börse betrieben werde.

150 christliche Demonstraten

Die rund 150 Teilnehmer der Fronleichnams-Kundgebung auf dem Börsenplatz kritisierten insbesondere, dass die Börse trotz des derzeit in Frankfurt stattfindenden Evangelischen Kirchentages ihre Pforten geöffnet hatte. Eine Bitte des Kirchentagspräsidenten Martin Dolde, den Handel wenigstens zum diesjährigen Kirchentag ruhen zu lassen, hatte die Börse laut Bayer abgeschlagen. Nicht alle Börsenmitarbeiter waren unterdessen im Dienst: Die Presse-Abteilung hatte ihre Telefone auf Anrufbeantworter geschaltet.

Die Börsen in Deutschland hatten im vergangenen Jahr den Handel an vier Feiertagen pro Jahr eingeführt: neben Fronleichnam und dem 3. Oktober (Tag der Deutschen Einheit) auch an Christi Himmelfahrt und am Pfingstmontag.

Börse argumentiert mit "Internationalisierung"

Die Deutsche Börse hat den Feiertagshandel erneut mit dem Hinweis auf die "zunehmende Internationalisierung" verteidigt. Börsensprecher Frank Hartmann erklärte am Donnerstag, von den 670 Teilnehmern auf Xetra und Eurex seien 400 vom Ausland aus aktiv. Fast 90 Prozent des Handels werde inzwischen elektronisch über Xetra abgewickelt.

Hartmann verwies außerdem darauf, dass Fronleichnam nicht in allen Bundesländern als Feiertag gilt. So habe etwa die Hamburger Börse grundsätzlich an diesem Tag geöffnet. Europaweit werde an Fronleichnam an 15 Börsen gehandelt. An anderen Feiertagen wie Christi Himmelfahrt oder Pfingsmontag seien es sieben gewesen.

Börsensprecher: "Wir fühlen uns bestätigt"

Im übrigen bewertete es der Börsensprecher als einen "Erfolg", dass der Umsatz an Feiertagen bereits im zweiten Jahr der Einführung der erweiterten Öffnungszeiten rund 50 Prozent erreicht habe. Die Börse fühle sich daher in ihrer Strategie bestätigt. "Die Kapitalströme fließen dahin, wo die Börsen die günstigsten Bedingungen schaffen", sagte Hartmann.

Die Börse selbst hat die Zahl ihrer Mitarbeiter an Feiertagen allerdings um zwei Drittel reduziert. Statt wie sonst rund 1000 seien nur etwa 300 Mitarbeiter im Dienst, erklärte Hartmann.

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