Rösch Planungen deutlich gesenkt

Die Firma bekommt keine Zulassung für ihre Produkte. Auf die Enttäuschung folgt der Kursabsturz.

Frankfurt am Main - Die Berliner Rösch Medizintechnik hat wegen der fehlenden Krankenkassenzulassung ihres Hauptproduktes ihre Planung für die ersten neuen Monate verfehlt und die Prognosen für das gesamte Geschäftsjahr 2000/01 gesenkt. Die Betriebsleistung dürfte sich im Gesamtjahr nunmehr zwischen sieben und acht Millionen Euro, der Fehlbetrag voraussichtlich auf 5,6 Millionen Euro belaufen, sagte Finanzvorstand Christoph von zur Gathen am Freitag.

Mitte März hatte die am Neuen Markt gelistete Rösch für 2000/01 bei einem Umsatz von 20 Millionen Euro noch einen Verlust von zwei Millionen Euro in Aussicht gestellt. Analysten zeigten sich von den nach unten korrigierten Prognosen überrascht. Die Aktie fiel zeitweise über 30 Prozent auf ein neues Jahrestief von 15,51 Euro.

Der vorläufige Fehlbetrag sei in den ersten drei Quartalen 2000/01 nach HGB-Bilanzierung mit 4,1 (Vorjahr: minus 3,17) Millionen Euro um rund 32 Prozent schlechter ausgefallen als geplant, teilte die Gesellschaft weiter mit. Dagegen habe sich die Konzernbetriebsleistung um rund 91 Prozent auf 6,5 Millionen Euro verbessert.

Die Umsatz- und Ergebnisanpassung für das Gesamtjahr führte Finanzchef von zur Gathen hauptsächlich auf die noch fehlende Krankenkassenzulassung für das nadelfreie Injektionssystem Injex in Deutschland zurück. Die Entscheidung zur Zulassung der nadellosen Spritze befinde sich in letzter Instanz beim Bundesverband der IKK und werde noch für dieses Jahr erwartet.

Neue Planungen für die Geschäftsjahre 2001/02 und 2002/03 wolle von zur Gathen deshalb erst nach erfolgter Krankenkassenzulassung bekannt geben. Eine kassenrechtliche Zulassungen wurden den Angaben zufolge bislang in Frankreich und Norwegen erreicht.

Zeitgleich mit der Zulassung sollen flächendeckende Werbeaktivitäten für das Injex-System gestartet werden. Rösch gehe davon aus, dass Zulassung und Werbemaßnahmen nach der Sommerpause und damit im nächsten Geschäftsjahr greifen werden. Darüber hinaus sollen Kooperationsgespräche mit der Pharmaindustrie intensiviert und der Vorstand um den Bereich Vertrieb erweitert werden. Zur Finanzierung des weiteren Wachstums stünden der Gesellschaft liquide Mittel von rund 15 Millionen Euro zur Verfügung.

Analysten sind enttäuscht

Überrascht und enttäuscht zeigte sich Ronald Köhler, Analyst bei Concord Effekten. Rösch habe die Markteinführung ihres Injektionssystems Injex falsch eingeschätzt, sagte der Analyst, dessen Bankhaus den Börsengang von Rösch an den Neuen Markt begleitet hatte. Offensichtlich sei eine langsamere Marktdurchdringung erreicht worden, als geplant.

Köhler zufolge weisen die Rösch-Produkte einen zu geringen Bekanntheitsgrad auf, als dass sie auch ohne Krankenkassenzulassung einen breiten Absatz fänden. "Die Story ist aber nach wie vor interessant, das Produkt ist gut und ein großes Marktpotenzial ist ebenfalls vorhanden", sagte der Analyst, der den Diabetismarkt in Europa mit einem Volumen von rund 300 Millionen Euro pro Jahr einschätzt. Besonders bei Diabetikern erhoffe sich Rösch eine große Nachfrage nach der nadellosen Spritze.

Angesichts der reduzierten Planungen von Rösch habe auch der Analyst seine Prognosen nach unten revidiert. Für das laufende Geschäftsjahr rechne Köhler bei einem Umsatz von neun Millionen Euro nunmehr mit einem Verlust je Aktie von 0,5 Euro. Zuvor sei der Analyst von einem Umsatz von 20 Millionen Euro und einem Ergebnis je Aktie von minus 0,27 Euro ausgegangen.

Auch im kommenden Geschäftsjahr 2001/02 erwarte der Analyst statt eines prognostizierten Umsatzes von 60 Millionen Euro nunmehr einen Umsatz von 26,6 Millionen Euro. Beim Ergebnis je Aktie dürfte die Gewinnschwelle erreicht werden. Zuvor habe Köhler für 2001/02 noch einen Gewinn von 1,68 Euro erwartet. Für die nächsten sechs bis zwölf Monate hält der Analyst einen Aktienkurs von 14 bis 18 Euro für realistisch.

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