Fraport Hohe Ziele

Die Airport-Aktie ist gefragt und mehrfach überzeichnet. Doch das Investment ist risikoreich.

Frankfurt am Main - Vor dem ehrwürdigen Säulenportal der Deutschen Börse rollt behutsam ein riesiger Jumbo in Position. Nicht ganz so spektakulär wie im Fernsehwerbespot landet an diesem Montag die Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport am Kapitalmarkt.

Noch läuft alles nach Plan: Die Emission wird mindestens sechsfach überzeichnet sein, berichtete die "Börsen-Zeitung" am Freitag unter Berufung auf Konsortialkreise. Bereits am Donnerstag sei die Emission deutlich mehr als vierfach überzeichnet gewesen. Davon dürfte etwa die Hälfte von Privatanlegern stammen, hieß es. Fraport selbst habe eine "mehrfache Überzeichnung" bestätigt. Die Zeichnungsfrist läuft an diesem Freitag ab, die Preisspanne beträgt 32 bis 37 Euro.

In einem der bedeutendsten Börsengänge des Jahres will der größte Flughafenkonzern der Republik seine Kriegskasse für den Wettbewerb der europäischen Drehkreuze füllen. Der Erlös der ersten deutschen Airport-Aktie soll die Expansion als Anbieter weltweiter Flughafendienstleistungen beflügeln und vor allem in den Milliarden teuren Bau einer neuen Landebahn in Frankfurt fließen. Doch der im Rhein-Main-Gebiet heftig umstrittene Ausbau gilt als Achillesferse des bisher rein staatlichen Luftfahrt-Kolosses vom Main.

"Wir fühlen uns fit für den Kapitalmarkt", betonte Vorstandschef Wilhelm Bender vor dem ersten Handelstag des Papiers immer wieder selbstbewusst. Im Geschäftsjahr 2000 legte Fraport einen operativen Rekordgewinn (Ebitda) von 1,04 Milliarden Mark vor. Der Umsatz stieg erstmals über drei Milliarden Mark.

Gestützt auf den boomenden Heimat-Standort Frankfurt mit zuletzt rund 49 Millionen Passagieren, will das Unternehmen am erwarteten weltweiten Wachstum des Luftverkehrs teilhaben. Rivalen wie der britische Airportkonzern BAA, die einen ähnlichen Kurs verfolgen, sind längst börsennotiert. Doch die Kassen der bisherigen Fraport-Eigentümer - Stadt, Land und Bund - sind leer. Zum Börsengang nannte sich die Flughafen Frankfurt/Main AG eigens in "Fraport - Frankfurt Airport Services Worldwide" um.

Kapitalbedarf für geplante Flughafen-Erweiterung ist enorm

Der Kapitalbedarf für die geplante Erweiterung der bald zu knappen Kapazität in Frankfurt ist enorm. Schätzungsweise 6,5 Milliarden Mark kosten die neue Landebahn und ein drittes Passagierterminal. Schon jetzt gibt es auf dem größten deutschen Flughafen 460.000 Starts und Landungen pro Jahr. Mit der neuen Bahn sollen es 2006 bis zu 660.000 sein.

Und jeder Passagier, der ein- und umsteigt oder in den Ladenzeilen einkauft, lässt die Fraport-Kassen klingeln. Bender, der außerdem gern mit dem Pfund der Anbindung des Flughafens an das Autobahn- und ICE-Netz wuchert, will aber auch außerhalb Frankfurts zulegen. Der Konzern plant, sein Netz von mehr als 40 internationalen Beteiligungen zu vergrößern.

Gegen den Ausbau, der als wichtigster Wachstumsschlüssel gilt, hat sich in der Umgebung massiver Widerstand formiert. Hausbesitzer, Initiativen und Gemeinden drohen mit Klagen und drängen vor allem auf ein Nachtflugverbot, auf das sich auch Ministerpräsident Roland Koch (CDU) für den Fall des Ausbaus festgelegt hat. Koch ist zugleich Chef des Fraport-Aufsichtsrats.

Bender versichert, dass der Ausbau kommen werde, zumal nach dem Börsengang fast drei Viertel des Konzerns im Besitz der öffentlichen Hand bleiben. Der Börsenprospekt nennt die heikle Diskussion allerdings als Unsicherheitsfaktor. "Das Risiko einer bedeutenden Verzögerung oder gar Verhinderung des Ausbaus auf juristischem Wege ist nicht auszuschließen."

Fraport ist stark abhängig vom Hauptkunden Lufthansa

Die "Airport-Manager" sind außerdem stark von ihrem Hauptkunden, der Lufthansa, abhängig. Und die Kranich-Linie drängt vehement auf einen raschen Ausbau ihres Heimatflughafens. "Eine Beeinträchtigung dieser Geschäftsbeziehung, insbesondere durch Verlagerung von Teilen der Lufthansa-Flugverbindungen (...) zu anderen Flughäfen, hätte erhebliche Umsatzeinbußen für Fraport zur Folge", heißt es im Prospekt. Wie empfindlich diese Einnahmequelle sein kann, zeigten die Streiks der Lufthansa-Piloten. Fraport gingen wegen ausgefallener Flüge Einnahmen in Millionenhöhe verloren.

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