Zentaris Biotech-Neuheit am Neuen Markt

Die Degussa-Tochter peilt mit ihren Erlösen aus dem Börsengang die Gewinnschwelle an.

Frankfurt am Main - Der Börsenkandidat Zentaris ist von dem Konsortialführer Dresdner Kleinwort Wasserstein auf eine Marktkapitalisierung von rund 252 Millionen Euro geschätzt worden. Die aus der Degussa-Tochter Asta-Medica ausgegliederte Zentaris wird am 18. Juni den Schritt auf das Börsenparkett des Neuen Marktes wagen.

Nach Einschätzung von Analysten ist Zentaris derzeit auf dem deutschen Biotech-Markt am ehesten mit Medigene vergleichbar. Die Münchener haben derzeit eine Marktkapitalisierung von rund 268 Millionen Euro und sechs Produkten in den verschiedenen klinischen Testphasen I-III.

Dagegen erwirtschafte Zentaris mit der inhalativen Delivery-Technologie (Novolizer) bereits Umsatzerlöse im Indikationsgebiet Asthma, unterstrich Zentaris-Vorstandsvorsitzender Jürgen Engel am Mittwoch auf der Konferenz zum Börsengang. Auch im Geschäftsbereich Biopharma erwartet Engel in naher Zukunft die Markteinführung der ersten Produkte Lobaplatin in China und Cetrotide in Japan.

Bookbuilding-Spanne zwischen elf und 14 Euro

Die Bookbuilding-Spanne für die Frankfurter Zentaris, die hauptsächlich in den Sparten Biopharmazeutika (Europeptides), Inhalative Technologien (Sofotec) und Gentherapie (MainGen) mit Schwerpunkt Tumorbehandlung unter Einbeziehung einer eigenen Medikamentenentwicklung tätigt ist, wird zwischen elf und 14 Euro liegen, erklärte Martin Korbmacher vom Konsortialführer Dresdner Kleinwort Wasserstein in Frankfurt.

Die Aktivitäten umfassen die 100-prozentige französische Tochter Europeptides, die Frankfurter Tochter MainGen Biotechnologie und die Sofotec, die ebenfalls mit Sitz in Frankfurt inhalative Darreichungsformen von Arzneimitteln entwickelt. Außerhalb Europas besteht ein Joint Venture mit Nippon Kayaku, das Produkte von Zentaris in Japan vermarktet. MainGen erhielt im Februar 2001 die Herstellungserlaubnis für ein GMP-gerechtes System zur Vermehrung von Stammzellen aus Nabelschnurblut. Forschungsschwerpunkt ist die Therapie von Tumorzellen.

Gewinnschwelle soll 2005 bis 2006 erreicht werden

Zentaris-Vorstandsvorsitzender, Jürgen Engel, zeigte sich optimistisch, dass die Mittel, die Zentaris durch den Börsengang zu fließen, ausreichen, um die Verluste, die das Unternehmen noch bis zum Erreichen der Gewinnschwelle im Jahr 2005/2006 erwirtschaften wird, auszugleichen.

Die Produkt-Pipeline gehört nach Meinung des Zentaris-Chefs zu den aussichtsreichsten auf dem europäischen Biotechnologie-Markt. "Degussa hat uns zudem schuldenfrei in die unternehmerische Unabhängigkeit entlassen. Daher können wir den Emissionserlös zur Finanzierung des eigenen Wachstums und zum Aufbau der Technologieplattformen sowie zur Finanzierung von klinischen Studien verwenden", umriss Engel die Pläne.

Das Geschäftmodell umfasse die gesamte Wertschöpfungskette in der Medikamentenentwicklung. Zentaris stünden sowohl Möglichkeiten der Eigenvermarktung, vorzugsweise über Joint Ventures, als auch die Auslizensierung ihre Produkte und Projekte offen.

Zeichnungsfrist läuft bis zum 15. Juni

Investoren können in der Zeit vom 6. bis 15. Juni die Aktien des Börsenaspiranten zeichnen, der im ersten Quartal 2001 bei einem Umsatz von 3,2 Millionen Euro ein negatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 5,9 Millionen Euro erwirtschaftete. Angeboten werden bis zu 10,925 Millionen Zentaris-Aktien, von denen bis zu sechs Millionen aus einer Kapitalerhöhung stammen. Die übrigen bis zu 3,5 Millionen Aktien sowie eine der Dresdner Bank eingeräumte Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) von bis zu 1,425 Millionen werden von der Degussa-Gruppe bereit gestellt. Weitere Mitglieder des Bankenkonsortiums sind HSBC Trinkaus & Burkhardt und die Landesbank Baden-Württemberg.

Mehrheit der Aktien geht in den Streubesitz

Zentaris verfügt derzeit über 434 erteilte Patente und 49 Patentfamilien. 1354 Patente seien bereits angemeldet. Der Spezialchemie-Konzern Degussa hat sich nach Aussage Engels auf eine Lock-up-Periode von zwölf Monaten verpflichtet. Zentaris und FrankGen werden ihre Aktien jeweils 18 Monate halten. Das amerikanische Biotech-Unternehmen Genzyme, das nach dem Börsengang fünf Prozent am Zentaris-Stammkapital halten wird, werde Anteilsscheine zwei Jahre halten. Die Degussa-Gruppe wird im Falle der Greenshoe-Ausübung 32,1 Prozent der Zentaris-Papiere halten. Der Streubesitz liegt dann bei 60,7 Prozent.


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