Kinowelt BaWe prüft Insiderverdacht

Die Wertpapieraufsicht ermittelt wegen eines möglichen Insiderhandels. Die Aktie verliert kräftig.

Frankfurt - Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BaWe) hat bei dem Medienunternehmen Kinowelt Medien AG eine Untersuchung wegen des Verdacht auf Insiderhandel gestartet. "Wir haben eine förmliche Insideruntersuchung bei Kinowelt eingeleitet", sagte eine BaWe-Sprecherin am Mittwoch.

Das Unternehmen hatte am 23. März auf seiner Bilanzpressekonferenz einen Gewinnrückgang für 2000 bekannt gegeben und damit seine eigenen Prognosen verfehlt. Die Kinowelt-Aktien waren aber schon am Vortag um mehr als 20 Prozent eingebrochen. "Irgendjemand muss wohl etwas vermuten", hatte ein Händler damals gesagt. Am Mittwoch fielen die Titel um zeitweise um zwölf Prozent auf ein Rekordtief bei 3,50 Euro.

Kinowelt gibt sich gelassen

Ein Kinowelt-Sprecher sagte, das Unternehmen sehe der Untersuchung gelassen entgegen. "Es gibt keine konkreten Anhaltspunkte für Insiderhandel." Nach der Ansicht von Kinowelt sei der Kurseinbruch durch den Kommentar eines Analysten vom 21. März verursacht worden, der eine Sonderabschreibung auf den Filmrechtestock des Unternehmens prognostiziert hatte. Diese allerdings unzutreffende Behauptung habe zu der Verunsicherung des Marktes geführt, sagte der Sprecher.

Das BaWe hatte bereits Anfang Juni Auffälligkeiten im Handelsverlauf vor Veröffentlichung der Pflichtmitteilung zur Bilanzpressekonferenz bei der Kinowelt AG festgestellt. Bei der förmlichen Untersuchung werde nun geprüft, wer über Insiderinformationen verfügt und wer mit den Aktien vor der Veröffentlichung der Zahlen gehandelt habe, erläuterte die Sprecherin.

Ermittlungen können Monate andauern

Ergäben sich dabei Übereinstimmungen, würden die Untersuchungsergebnisse an die Staatsanwaltschaft weiter gegeben. Die Untersuchung würde aber eher Monate als Wochen dauern, fügte die Sprecherin hinzu.

Vermutungen über eine fällige Sonderabschreibung auf die Filmrechtebibliothek hatte auch Kinowelt-Finanzvorstand Eduard Unzeitig in einem Reuters-Interview zurückgewiesen.

Kinowelt leidet genau wie andere Filmrechtehändler unter der schwachen Nachfrage der deutschen TV-Sender nach Spielfilmen. Ende Mai nahm das Unternehmen daher seine Ergebnisprognose zurück.

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