Volkswagen Piëch am Pranger

Konzernchef Piëch steht eine turbulente HV ins Haus. Jetzt macht auch die DWS gegen VW mobil.

Berlin - Die Deutsche Bank-Fondsgesellschaft DWS hat sich die Riege der Fonds eingereiht, welche die Umwandlung von Vorzugsaktien des VW-Konzerns in Stammaktien fordert. DWS wolle, dass VW sich bei der geplanten Rückkaufaktien auf Vorzugspapiere statt Stammaktien konzentriere, schreibt die "Berliner Zeitung".

Damit gesellt sich DWS zu dem anglo-amerikanischen Fonds Liverpool Limited Partnership und der Union-Investment-Gesellschaft.

"Auch wir wollen, dass Vorzüge zurückgekauft werden", sagte DWS-Sprecher Thomas Richter der Zeitung. Die DWS werde allerdings nicht gegen das Rückkaufprogramm als solches stimmen, weil sie dieses grundsätzlich für sinnvoll halte.

Der Aufsichtsrat von VW hat unterdessen die Finanz-Pläne von Piech und die damit verbundene Abwehrstrategie gestützt. Auf der Sitzung am Mittwoch votierte das Gremium nach dpa-Informationen auch für das Festhalten an Vorzugsaktien.

Auf Kritik bei Anlegern war die sehr allgemein gehaltene Begründung des Vorstands für die beantragten Optionen gestoßen, in der lediglich die Absicherung des Konzern-Wachstums durch Erwerb von Unternehmen oder Beteiligungen begründet. Spekuliert wurde über den Erwerb von Anteilen an den Lkw-Herstellern MAN oder Scania.

Die Wolfsburger hatten bereits 2000 zehn Prozent eigene Aktien erworben. Diese müssten vor weiteren Rückkäufen entweder eingezogen oder als "Währung" für Unternehmenskäufe oder Beteiligungen genutzt werden. Deutsche Unternehmen dürfen nicht mehr als zehn Prozent der eigenen Aktien halten. Durch die Option auf eine Kapitalerhöhung könnte VW andererseits 26 Millionen Stammaktien für derzeit 1,6 Milliarden Euro (knapp 3,2 Milliarden DM) an der Börse ausgeben.

Die Hauptversammlung am Donnerstag soll außerdem vorzeitig über neue Mitglieder des Aufsichtsrats entscheiden. Der Vorstandsvorsitzende des Touristikriesen Preussag AG (Hannover), Michael Frenzel, soll Günther Saßmannshausen ersetzen, der turnusgemäß erst im kommenden Jahr ausscheiden würde. Die erst 2002 auslaufenden Amtszeiten von Gerhard Cromme (Vorstandsvorsitzender ThyssenKrupp AG), Hans Michael Gaul (Vorstandsmitglied E.ON AG), Klaus Liesen (Aufsichtsratsvorsitzender Ruhrgas AG) und Heinrich von Pierer (Vorstandsvorsitzender Siemens AG) sollen vorzeitig verlängert werden.

VW begründet dies mit einer Kontinuität der Aufsichtsratsarbeit. Finanzexperten sehen darin die Absicht Piechs, ein Jahr vor seinem Ausscheiden als VW-Chef weit in die Zukunft wirkende personelle Entscheidungen treffen zu lassen. Es wird zudem spekuliert, dass Piech 2002 selbst den Aufsichtsratsvorsitz übernimmt.

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