Experten-Chat Fonds sind was für jedermann

teclis:

Wo sehen Sie in mittlerer Zukunft die größten Wachstumschancen? Welche Fondsgebiete raten Sie im Moment zur Altersvorsorge an?

Experte Hendrik Leber: Zum ersten Satz: Ich finde Osteuropa sehr spannend, außerdem einige der gebeutelten südostasiatischen Märkte, wie etwa Korea oder Indien. Denken Sie auch an die Türkei. Mit einer billigen Währung und einer auf Europa ausgerichteten Wirtschaft profitiert die Türkei von uns Mitteleuropäern.
Zum zweiten Satz: Wenn Sie auf Nummer Sicher gehen wollen, nehmen Sie einen breit investierenden internationalen Aktienfonds. Der bietet akzeptabel gute Rendite bei minimalem Stress.

warren: Eine Nachfrage zu Zinsen: Wie steht es mit Finanzfonds? die verleihen doch Geld?

Experte Hendrik Leber: Ganz so leicht ist das Finanzgeschäft nicht zu erklären. Banken haben eine Kredit und eine Einlagenseite. Der Effekt von Zinssenkungen hängt stark von der Laufzeitstruktur der Bankbilanz ab. Ohne Einzelfallbetrachtung lässt sich eine pauschale Aussage nicht machen.

teclis: Sehen Sie in Märkten wie der Türkei oder Korea kein Stabilitätsproblem?

Experte Hendrik Leber: Doch natürlich, diese Märkte sind auch höchstens als Beimischung in einem breit diversifizierten Portfolio einzusetzen.

Muecke: Ab welchem Zeithorizont sind Fonds interessanter als Aktien?

Experte Hendrik Leber: Das hängt nicht vom Zeithorizont ab, sondern davon, wie viel Energie Sie in die laufende Beobachtung stecken möchten, außerdem, wie breit Sie diversifizieren wollen oder können.

teclis: Meine Bank hat mir einen langjährigen Sparplan empfohlen. Was ist daran so sinnvoll?

Experte Hendrik Leber: Sparpläne sind sehr gut. Denn durch Sparpläne erzielen Sie ein "Cost-Averaging". Das bedeutet, dass Sie in schwachen Zeiten mehr Anteile bekommen und in teuren Zeiten weniger Anteile. Wenn Sie sich das ganze mal an einem Beispiel durchrechnen, sehen Sie, dass Ihr durchschnittlicher Einstandskurs durch das "Averaging" erheblich sinkt.

vorwaerts: Aus welchem Land nehmen sie zur Zeit am liebsten Firmen in ihre Fonds auf?

Experte Hendrik Leber: Grundsätzlich nur aus Ländern, in denen Publizität gegenüber Anlegern groß geschrieben wird. Darum ist auch der US-Anteil so hoch!

moneyburner: Teilen sie die Konjunktursorgen für die USA? Sollte ich mit dem Einstieg in Fonds bis Herbst noch warten?

Experte Hendrik Leber: Die Konjunktursorgen sind keine Sorgen mehr - die Wirtschaft ist schon im Abschwung. Die Börse läuft aber der realen Entwicklung voraus, ca. um ein halbes Jahr. Ich bin positiv für den Rest des Jahres, kann aber nicht sagen, ob eine Erholung schon im Sommer oder erst im Herbst kommt.

Magician: Wo empfehlen Sie den Kauf und die Beratung für Fonds? Ist die Hausbank die richtige Adresse oder sollte es doch lieber die Fondsgesellschaft direkt sein?

Experte Hendrik Leber: Die Hausbank bietet natürlich vorzugsweise ihre eigenen Produkte an. Die Fondsgesellschaften haben häufig keinen eigenen Vertrieb. Gut geeignet sind darum zum Beispiel Fondsshops oder aber auch Vermittler mit einem breiten Fondsangebot. Vorsicht bei Vermittlern, die nur eine Produktfamilie im Angebot haben!

pawlin: Fondsmanager haben aber auch ihre Lieblinge!

Experte Hendrik Leber: Ganz sicher - es menschelt auch im Fondsgeschäft. Eine Firma, die sich auf Präsentationen gut verkauft, steht sich einfach besser als eine noch bessere Firma, deren Chef ein Langweiler ist. Selten sind es die Zahlen allein, die Entscheidungen ausmachen.

moneyburner: Wann sollte man bei Fonds die Reißleine ziehen - Stopp-loss bei 15 Prozent Verlust?

Experte Hendrik Leber: Ich halte nichts von solchen quantitativen Vorgaben. Viel wichtiger ist es, ob der Fondsmanager seinen Prinzipien treu bleibt.

Tarantula: Sehen Sie die Technologiefonds und andere "New Economy"-Fonds langsam am Ende ihrer Krise oder geht es in diesen Bereichen noch weiter abwärts? Meiner Ansicht nach wird sich die New Economy (was auch immer das genau sein mag) nicht so schnell erholen.

Experte Hendrik Leber: Bei Technologiefonds muss man auf die Anlagepolitik achten. Werden "heiße Themen" gekauft oder solide Firmen mit hohem Wachstum zu günstigen Preisen. Im letzteren Fall bin ich von der guten Wertentwicklung überzeugt. Wer jedoch als Fondsmanager den heißen Themen hinterherläuft, dürfte in den nächsten Jahren weniger Erfolg habeben. Diese Aussage leite ich her aus vergangen spekulativen "Blasen". Sie haben sich meist in Nichts aufgelöst und fast nie wieder erholt. Beispiel dazu gibt es dutzendfach, so etwa der Technologieboom in den fünfziger Jahren in den USA oder aber die hohe Zeit der Konglomerate zum Beispiel ITT. Achten Sie darum auf die Anlagekriterien der Fonds. Solides Wachstum zu guten Preisen wird sich immer durchsetzen.

teclis: Soll das heißen, Sie glauben dass die zyklische Natur der Börse jeden konstanten Fondsmanager belohnt? Oder warum sonst an Prinzipien festhalten?

moneyburner: Kuhnwaldt war auch prinzipientreu und hat Millionen verbrannt. ich investiere ungern in Fonds, weil sie so unflexibel sind.

Experte Hendrik Leber: Zur ersten Frage: Ja. Zur zweiten Frage: Ich hätte nicht die Reißleine gezogen, sondern schon von vornherein nicht investiert.

Tarantula: Was hätte Sie davon abgehalten?

Experte Hendrik Leber: Ich habe nicht an die märchenhaften Versprechungen der New-Economy-Fonds geglaubt. Irgendwo muss das Geld einer Aktie ja durch Gewinne (und nicht durch Hoffnung) verdient werden. Und wenn zu viele Anleger in märchenhafte Fonds und Aktien investieren, halte ich mich skeptisch zurück.

Muecke: Wie können Sie als Vermögensverwalter umsteuern - alle Technologie-Titel kurzfristig rausschmeißen?

Experte Hendrik Leber: Umsteuern heißt nicht, dass Aktien aus dem Portfolio geworfen werden, sondern dass die Gewichtungen angepasst werden. Das geschieht bei uns durch ein Kalibrieren von Wachstumsaussichten und Preis (also Kurs-Gewinn-Verhältnis). Zu "teure" Aktien werden verringert, billige Aktien nachgekauft.


Investmentfonds

Investmentfonds sind längst keine risikoarme Anlageform für unbedarfte Privatanleger mehr. Um schnelles Wachstum zu erreichen, bieten Fondsgesellschaften immer riskantere Produkte an.

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