Experten-Chat Verhaltenskodex für Fondsmanager?

Guest1:

Was verstehen Sie unter "passiver Struktur" eines Fonds?

Experte Hendrik Leber: Passiv bedeutet, dass der Fondsmanager sich an Indizes ausrichtet und nicht sich durch seine eigene Aktienselektion unterscheidet. Ein Fonds mit passiver Struktur ist also ähnlich wie ein Indexzertifikat.

Mike: Welche Fonds sind Riester-fähig? Wann taugt ein Fonds zur Alterssicherung?

Tarantula: Kann ich mit Fondsanlagen gleichzeitig meine Familie absichern?

Experte Hendrik Leber: Zu den Riester-Fonds kann ich derzeit noch nichts sagen. Eine Absicherung der Familie können Sie nur in Kombination von Kapitalansparen (für den Altersfall) und über Risikolebensschutz (für die Familie im Todesfall) erreichen. Je mehr Zeit Sie haben, desto mehr Aktienfondsanteil sollten Sie für die Alterssicherung einsetzen. Je näher Sie am Rentenalter sind, desto höher sollte der Rentenfondsanteil sein. Grundsätzlich sind Aktienfonds aber ideal für die Altersvorsorge, weil das langfristige Aktienwachstum die profitabelste Geldanlage ist.

Guest1: Bis zu wie viel Prozent "Crash"-Anteil beziehungsweise -Anleihen sind im Fonds möglich?

Experte Hendrik Leber: Das hängt von den Anlagerichtlinien des Fonds ab - ein gemischter Fonds kann durchaus bis 100 Prozent Anleihe-Anteil haben. Schauen Sie bitte also im Einzelfall dort, also im Verkaufsprospekt nach. Eine generelle Aussage geht nicht.

Meierbaer: Die Skandale um Marian von Korff oder Kurt Ochner geben mir doch sehr zu denken. Was halten Sie davon, einen "Ethik-Katalog" für Fondsmanager einzuführen?

Experte Hendrik Leber: Etwas mehr Ethik würde dem deutschen Kapitalmarkt nicht schaden (ohne Kommentierung der Namen, die Sie nennen). Gesetzliche Vorgaben reichen auch nicht aus. Grundsätzlich ist mehr Transparenz ein guter Schutz. Dazu eine unabhängige Presse, die sich nicht von kurzzeitigen "Jubel-Erfolgen" blenden lässt. Letztlich aber kann es nur ein eigener Verhaltenskodex sein, der die Ethik im Markt sicherstellt. Leider gibt es kein schnelles Patentrezept. Die Vorgaben aus den USA zum Anlegerschutz sind auch nur bedingt geeignet.

teclis: Habe ich, ähnlich einem Aktionär bei einer Hauptversammlung, auch Kontrollmöglichkeiten für Fondsmanager?

Experte Hendrik Leber: Die Kontrolle ist nur durch die Unabhängigkeit von Depotbank und Fondsgesellschaft sichergestellt. Es gibt in Deutschland keine Hauptversammlung für Fondsinhaber. In Luxemburg ist dies begrenzt möglich, doch ist eine aktive Mitsprache des Fondsinhaber praktisch ausgeschlossen. Stimmen Sie mit den Füßen ab, wenn Sie nicht einverstanden sind!

Guest1: Grundsätzliche Frage: Was kann ich als langfristig orientierter Anleger von einem Fonds erwarten, acht Prozent im Jahr? Wann beginnt die Renditebremse?

Experte Hendrik Leber: Ich beantworte die Frage für Aktienfonds: Über die letzten 100 Jahre haben Aktien im Schnitt zehn bis 12 Prozent Performance gebracht. Nach dem rasanten Kursanstieg der letzten zehn Jahre sollte man eher am unteren Ende dieser Erwarten operieren. Acht Prozent also ist ein gute Annahme, und damit sind Sie wieder im Einklang mit Warren Buffett, der jetzt wieder sagte: sechs Prozent sind eine realistische Annahme für die nächsten Jahre. Ich persönlich rechne eher mit acht bis 12 Prozent über die nächsten fünf Jahre. Dabei muss man jedoch mit erheblichen Kursausschlägen nach oben und unten rechnen.

Moderator mm: Eine Bemerkung zur Kontrolle von Fondsmanagern.

Werner: Natürlich reichen gesetzliche Vorgaben nicht aus, wenn mögliche Sanktionen oder Strafen wie Peantus wirken. Ich bin für scharfe Strafverfolgung und eventuell Berufsverbot.

Experte Hendrik Leber: Kriminelles Verhalten ist mit Mitteln des Strafrechts zu ahnden. In dieser Hinsicht stimme ich voll mit Ihnen überein. Es ist nur sehr schwierig zu definieren, worin der zu ahndende Tatbestand besteht.

warren: Wie kann ein Aktienfonds als "Riesterfonds" garantieren, dass der Anleger das eingezahlte zurück erhält?

Experte Hendrik Leber: Darüber grübelt sicher auch die Fondsbranche. Es gibt Mechanismen dafür, die man etwa in Garantiefonds wiederfindet. Also zum Beispiel Zerobond kombiniert mit einem Aktienkorb, oder Aktienkorb mit Absicherung nach unten. Problem: Diese Mechanismen kosten Rendite, und sie sind bisher nur in Luxemburg möglich. Ich bin selber gespannt, welche praktischen Lösungen die Branche entwickeln wird, und wie häufig das Gesetz repariert werden wird, bis man eine praktikable Lösung hat.

Muecke: Was halten Sie davon, dass Fondsgesellschaften verstärkt auf HVs auftreten und - wie bei der Telekom - die Entlastung verweigern?

Experte Hendrik Leber: Ich finde, dass dies eine sehr gute Entwicklung ist. Es lässt sich deutlich nachweisen, dass der aktive Einfluss von Finanzinvestoren renditesteigernd wirkt. Aktionäre sollten ihre Rechte vertreten und sich nicht aus dem manchmal unheilvollen Interessengeflecht, das man auf Hauptversammlung findet, abschrecken lassen. Empirische Erfahrungen, und das zeigt auch Warren Buffett, lehren, dass zehn Prozent Mehrperformance durch aktive Einflussnahme möglich sind.

Werner: Warum sind Fonds nach der Steuerreform schlechter gestellt? Spekulationsgewinne bei Aktien sind zur Hälfte steuerfrei, Fonds aber nicht, so viel ich weiß.

Experte Hendrik Leber: Nach der Mindesthaltedauer ist auch der Verkauf von Fondsanteilen steuerfrei. Ich sehe dort keine Schlechterstellung.

Werner: Konjunkturschwäche, Ertragswarnungen - nur auf Zinssenkungen ist Verlass? Welche Fonds profitieren von aggressiven Zinssenkungen am meisten?

Experte Hendrik Leber: Wieder ist keine leichte Antwort möglich. Grundsätzlich sind alle "langweilig" investierenden Fonds Profiteure von Zinssenkungen. Denn nur in langfristig planbaren Branchen wirkt der Zinssatz über den Abzinsungseffekt positiv auf den Gegenwartswert der Investments. Das war jetzt sehr kompliziert: Je spekulativer das Geschäft, desto geringer der Zinseinfluss, je langfristiger, desto höher der Zinseinfluss.


Investmentfonds

Investmentfonds sind längst keine risikoarme Anlageform für unbedarfte Privatanleger mehr. Um schnelles Wachstum zu erreichen, bieten Fondsgesellschaften immer riskantere Produkte an.

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