Freitag, 3. April 2020

Metabox Chronik eines angekündigten Todes

Die lange Geschichte eines Unternehmens, das die Internet-Technik revolutionieren wollte.

Teil 9

27. April 2001

: Ein Designated Sponsor ist pleite

Die Nachrichtenagentur Reuters meldet: "Das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen hat den Finanzdienstleister Future Securities AG für den Kundenverkehr geschlossen und ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot verhängt. Der Schritt sei notwendig, da dem Unternehmen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung drohe, teilte das Amt mit. Das Institut betrieb den Angaben zufolge den Eigenhandel nicht börsennotierter Wertpapiere für Dritte und war als Freimakler tätig. Außerdem agierte die Gesellschaft als Betreuerbank für eine Reihe von Unternehmen am Neuen Markt. Future Securities habe diese Mandate zurückgezogen, erklärte eine Sprecherin der Deutschen Börse Börsen-Chart zeigen." Zu den Mandanten von Future Securities gehörten unter anderem Gigabell und Infomatec Börsen-Chart zeigen.

Die Zeitschrift "Börse online" merkt dazu in ihrer Ausgabe vom 3. Mai 2001 an: "Unseren Lesern sollte die Gesellschaft schon längst bekannt sein, da sie als Tochtergesellschaft der Future Holding AG unter dem Einfluss von Thomas Beckmann steht. Der ist wegen seiner obskuren Geschäfte zu einer Art 'Stammgast' in dieser Rubrik geworden. Der gelernte Schwachstromelektroniker startete seine Finanzkarriere durch unseriöse Übernahmeangebote. Dem folgten der Handel mit allerhand zweifelhaften AG-Anteilen und der Verkauf der eigenen Aktien."

11. Mai 2001: Ein weiterer Abgang

Wie manager-magazin.de erfährt, hat der Chef des Aufsichtsrats von Metabox Börsen-Chart zeigen sein Amt niedergelegt - ungefähr acht Wochen zuvor. Es handelt sich um Manfred Drung, der gleichzeitig Chef der Immobilientochter von Metabox war. Das Datum der Demission könnte die Erklärung für den heimlichen Abgang liefern. Am gleichen Tag wurden bei einer großangelegten Razzia der Staatsanwaltschaft die Geschäftsräume und Wohnungen des Managements von Metabox durchsucht.

Die Hildesheimer Aktiengesellschaft hatte den Rücktritt bislang verschwiegen - "auf Wunsch des Vorstands", wie Metabox-Sprecherin Aenne Schaper auf Anfrage mitteilte. Wenige Tage später wird die Sprecherin ihren letzten Auftritt für Metabox haben. Sie verlässt das Unternehmen - im gegenseitigen Einvernehmen, wie ihre Nachfolgerin Melanie Hoffmann versichert.

13. Mai 2001: Beide Betreuerbanken distanzieren sich

Die Situation der Metabox AG wird immer dramatischer. Zum einen fehlt nach Unternehmensangaben immer noch das von der Deutschen Börse geforderte Testat der Wirtschaftsprüfer für den Geschäftsbericht, zum anderen veröffentlicht nun auch die Betreuerbank M.M. Warburg eine Verkaufsempfehlung.

Am 4. April 2001 hatte bereits die Privatbank Merck Finck & Co, die ebenfalls im Emissionskonsortium vertreten war, zum Ausstieg geraten. Hintergrund war die Meldung, das der Betriebsdirektor Geerd Ulrich Ebeling "aus familiären Gründen" seinen Rücktritt bei Metabox erklärt hatte.

17. Mai 2001: Metabox bekräftigt die Planzahlen für 2001

Im Interview mit dem Finanzportal Stock-World wird die neue Metabox-Sprecherin Melanie Hoffmann zu den Prognosen für das aktuelle Geschäftsjahr befragt.

Stock-World: "Wie sieht es mit den Planzahlen für das laufende Jahr aus. Sind die noch aktuell?"

Melanie Hoffmann: "Wir erzählen ja keine Märchen! Wir stehen zu unseren Aussagen im Geschäftsbericht. Wir warten täglich darauf, dass die Zahlen testiert werden. Dann werden wir auch die Hauptversammlung einberufen."

Einige Wochen später, am 4. Juni, wird sich zeigen, dass auch diese Einschätzung zu optimistisch war. Bei der Vorlage der Quartalszahlen erfahren die Anleger, dass in den ersten drei Monaten 2001 ein Verlust von 3,45 Millionen Mark erwirtschaftet wurde. Ähnlich unerfreulich ist die Situation bei den Umsätzen. Hier wird die Prognose ein weiteres Mal nach unten korrigiert.

22. Mai 2001: Metabox beantragt ein Insolvenzverfahren

Der Vorstand verbreitet eine Ad-hoc-Meldung. Darin heisst es: "Die Metabox AG, Hildesheim, hat heute beim zuständigen Amtsgericht in Hildesheim die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Als Insolvenzgrund wurde die Zahlungsunfähigkeit angegeben. Das Unternehmen beabsichtigt, in Zusammenarbeit mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter, einen Insolvenzplan zur Vorlage zur Beschlussfassung durch die Gläubigerversammlung zu entwickeln, um eine Fortführung der Gesellschaft nach Reorganisation zu ermöglichen."

Diesmal allerdings fehlt am Ende des Textes der Hinweis auf die "Schumachers AG für Finanzmarketing" als Ansprechpartner für weitere Fragen. Die Geschäftsbeziehungen sind aufgekündigt worden.

Gegen 17 Uhr meldet die Nachrichtenagentur vwd: "Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe), Frankfurt, erstellt eine Analyse über die Metabox AG, Hildesheim. Auf Grund des am Dienstag beantragten Insolvenzverfahrens würden sich die Marktanalysten die Wertpapierbewegungen im Vorfeld der Ad-hoc-Meldung anschauen."

Wenig später wird bekannt, dass Vorstandsmitglied Peter White am 22. Mai 48.300 Metabox-Aktien verkauft hat. Auf der Homepage des Neuen Marktes ist als Begründung nachzulesen: "Verkauf zum Ausgleich von fälligen Krediten."


Epilog:

Das Geschichte von Metabox endet nicht mit dem Insolvenzantrag. Er wurde Anfang November 2001 überraschend in letzter Minute zurückgezogen. Alle Aktionäre, die damit wieder Hoffnung geschöpft hatten, wurden jedoch enttäuscht. 15 Monate später, am 30. August 2002, stellte der Vorstand erneut einen Insolvenzantrag.

manager-magazin.de hat den weiteren Werdegang des Unternehmens aufmerksam verfolgt. Alle entsprechenden Artikel finden Sie in unserem Archiv.



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