Mittwoch, 1. April 2020

Metabox Chronik eines angekündigten Todes

Die lange Geschichte eines Unternehmens, das die Internet-Technik revolutionieren wollte.

Teil 7

13. März 2001

: Strafanzeige durch die SdK

Wegen des Verdachts auf unrichtige Darstellung, Kursbetrug und verbotene Insidergeschäfte erstattet die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) beim Landgericht Frankfurt Strafanzeige gegen Vorstand und Aufsichtsrat von Metabox Börsen-Chart zeigen.

14. März 2001: Ein weiterer Aufsichtsrat geht

Aufsichtsrat Engelbert Nelle legt sein Amt nieder. Der CDU-Politiker sei nicht gewillt, "sich auch nur in die Nähe des Scheines strafrechtlicher Verwicklungen zu begeben", teilte das Unternehmen auf Anfrage von manager-magazin.de mit. Zur weiteren Begründung habe Nelle auf die "exponierte Stellung" verwiesen, die er als Vizepräsident des Deutschen Fußballbundes im öffentlichen Leben einnehme. Engelbert Nelle war erst im Juli 2000 in sein Amt gewählt worden.

manager-magazin.de recherchiert und findet heraus, dass unterdessen auch Manfred Schumacher sein Mandat niedergelegt hat. Der ehemalige Chefredakteur von "Focus Money" wolle sich wieder seiner journalistischen Arbeit widmen, heisst es zur Begründung. Nach Informationen von manager-magazin.de sitzt Schumacher heute in den Räumlichkeiten von "Schumachers AG für Finanzmarketing", der Firma seiner Frau Claudia, die zuvor ebenfalls für "Focus" gearbeitet hatte.

23. März 2001: Antrag auf Fristverlängerung

Metabox hat noch immer keine Zahlen für das abgelaufene Jahr vorgelegt. Die Aktionäre werden langsam unruhig. Der Vorstand veröffentlich eine Pressemeldung:

"Die Metabox AG hat bei der Deutschen Börse AG eine Fristverlängerung zur Vorlage ihres Jahresabschlusses beim Neuen Markt um vier Wochen beantragt. Hintergrund: Bei der Durchsuchung der Geschäftsräume des Unternehmens am Mittwoch, den 7. März, wurden eine Reihe von Dokumenten beschlagnahmt, die für eine ordnungsgemäße Fertigstellung des Geschäftsberichts unerlässlich sind."

29. März 2001: Metabox lädt zur Bilanz-Konferenz

Über die Nachrichtenagentur vwd kommt eine Meldung, die bei den Metabox-Aktionären wieder für etwas Zuversicht sorgt. Im Text heißt es: "Die Metabox AG, Hildesheim, präsentiert ihre endgültigen Zahlen für 2000 am 27. April um 14.00 Uhr in einer kombinierten Bilanzpresse- und DVFA-Konferenz in Frankfurt. Das sagte ein Unternehmenssprecher am Donnerstag zu vwd. Den für Ende März geplanten Termin hatte Metabox mit der Begründung abgesagt, dass die Staatsanwaltschaft bei der Hausdurchsuchung eine Reihe von Dokumenten beschlagnahmt habe, die für eine ordnungsgemäße Fertigstellung des Geschäftsberichtes unerlässlich seien. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat Metabox inzwischen Unterlagen kopiert."

30. März 2001: 40 Mitarbeiter müssen gehen

Das angeschlagene Unternehmen teilt mit, dass 40 der rund 120 Mitarbeiter entlassen werden sollen. Damit sollen rund 2,8 Millionen Mark pro Jahr eingespart werden. Im Zuge von Restrukturierungen wolle sich die Metabox AG auf die Kernbereiche Geräte und Systeme für interaktives Fernsehen konzentrieren.

4. April 2001: Vorstandsmitglied Geerd-Ulrich Ebeling geht

Die Aktie fällt weiter und verliert rund 13 Prozent auf etwa 1,57 Euro, nachdem das Unternehmen den Abgang von Vorstandsmitglied Geerd-Ulrich Ebeling gemeldet hat. Ebeling gehörte seit vielen Jahren zu Metabox und war für das operative Geschäft zuständig. Er habe für seinen Abschied "familiäre Gründe", hieß es in der Mitteilung. Ebelings Platz soll nun ein reiner Finanzvorstand einnehmen.

Außerdem wird der Verkauf einer Beteiligung mitgeteilt. Es handelt sich um die Interzart AG, Hameln, die für 2 Millionen Mark veräußert wird. Beim Kauf hatte Metabox noch 5 Millionen Mark bezahlt.



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