Infomatec "Missverständliche" Meldungen

In Augsburg begann am Freitag-Morgen der erste Schadensersatz-Prozeß eines ehemaligen Aktionärs.

Augsburg - Vor dem Landgericht Augsburg hat am Freitag der erste Schadenersatzprozess eines Aktionärs gegen das krisengeschüttelte Software-Unternehmen Infomatec begonnen. Der Mann fordert 12.000 DM für Kursverluste seiner Infomatec-Aktien.

Zum Kauf hätten ihn falsche Ad-hoc-Mitteilungen bewogen, sagte er vor Gericht. Das Unternehmen bestritt dies. Nach Einschätzung der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) ist der Prozess der erste seiner Art in Deutschland.

Entscheidung vermutlich Ende Juni

Das Zivilgericht kündigte für Ende Juni eine Entscheidung an. Weitere Schadenersatzklagen von Anlegern sind in Vorbereitung. Gegen die früheren Infomatec-Vorstände Gerhard Harlos und Alexander Häfele ermittelt die Staatsanwaltschaft Augsburg wegen Verdachts auf Kursbetrug und Insiderhandel.

Der Kläger hatte zwischen März und Mai 2000 insgesamt 300 Aktien gekauft zu einem Wert von je etwa 26 Euro. Zuvor habe er lange die Ad-hoc-Meldungen verfolgt, sagte er vor Gericht. "Wenn sie gestimmt hätten, wäre der Kurs früher oder später wieder nach oben gegangen."

Anwälte: Meldungen "missverständlich"

Stattdessen sank der Kurs nach mehrfachen Korrekturen der Umsatz- und Gewinnprognosen im Jahr 2000 von einem Höchststand bei 52 Euro (ca. 101,70 Mark) auf teilweise unter zwei Euro. Viele Anleger verloren ihr Geld. Der Kläger verkaufte seine 300 Aktien Ende Dezember 2000 für nur noch insgesamt rund 347 Euro.

Die Anwälte von Infomatec sowie Harlos und Häfele bestreiten, dass die Ad-hoc-Meldungen Ursache für die Kaufentscheidung waren. Sie hatten in ihrer Klageerwiderung die Meldungen als nicht unrichtig bezeichnet, aber zugegeben, dass sie missverstanden werden könnten.

Richter: Informationen "in erheblichem Umfang falsch"

Außerdem seien sie nicht kursrelevant gewesen. Das Gericht hält die Ad-hoc-Meldungen dagegen "in erheblichem Umfang für falsch", sagte der Richter. So sei von Großaufträgen die Rede gewesen, die gar nicht existierten oder geringer ausgefallen seien, als angegeben.

Ob es wie angekündigt am 29. Juni ein Urteil geben wird, ist noch unklar. Es gebe abweichende Angaben des Unternehmens im Zivilverfahren und im strafrechtlichen Ermittlungsverfahren. Möglicherweise wird das Gericht deshalb das Strafverfahren gegen Harlos und Häfele abwarten, dass frühestens im Herbst beginnen soll.

Die Klage des Anlegers richtet sich auch gegen Harlos und Häfele. Die Infomatec Integrated Information Systems AG (Gersthofen bei Augsburg) hatte Anfang Mai wegen fehlender liquider Mittel beantragt, ein Insolvenzverfahren zu eröffnen.

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