Charttechnik Wann kommt die Kurskorrektur?

Die jüngste Erholung an den Aktienmärkten könnte nach Ansicht von Charttechnikern bald beendet sein. Viele Signale deuten auf Kursabschläge hin.
Von Harald Grimm

Hamburg - Wieland Staud von Staud Research in Frankfurt dämpft die Erwartungen für einen neuen Höhenflug: "Wir sehen eine Erholung, aber keinen Beginn von einem neuen Bullenmarkt." In den kommenden zwei bis drei Wochen könne der Dax bis auf 6450 Punkte klettern. Dieses Niveau sollte aber vermutlich nicht allzu lange gehalten werden.

"Wir können uns vorstellen, dass das zweite Halbjahr entgegen der mehrheitsfähigen Erwartung kein gutes werden wird", sagte Staud manager-magazin.de. Nachdem der Dax bei seinem Kurssturz im März den langfristigen Trend gebrochen habe, sehen die Experten nun nur noch eine geringe Chance, die Linie nach oben zu durchbrechen.

Ein ähnliches Bild hat der Experte auch vom Neuen Markt. Kurzfristig werde sich die Erholung aus technischer Sicht fortsetzen, aber ein Ausbruch zu neuen Ufern sei nicht in Sicht.

Das Nemax-50-Chartbild zeige aber auch positive Signale: In den vergangenen Wochen habe der Nemax 50 bei seinen Hochs immer das Niveau des mittelfristigen Abwärtstrends (diese Woche bei 1800 Punkten) erreicht. Sollte die Linie überwunden werden, öffne sich schnell ein Kurspotenzial bis 2500 Punkte. Ob dies jedoch langfristig halten könne sei fraglich, da das zweite Halbjahr schwer werden könne.

Der Aktienmarkt ist in einer "entscheidenden Phase"

Laut Michael Riesner von der DG Bank sind die Aktienmärkte derzeit in einer "entscheidenden Phase". Er ist auf kurze und lange Sicht negativ gestimmt, sieht mittelfristig (bis Ende Juli) jedoch leichtes Aufwärtspotenzial. Derzeit stelle sich jedoch nur die Frage, "ob wir sofort korrigieren oder noch ein paar bessere Tage erleben". Die Korrektur solle jedoch in den kommenden zwei bis drei Wochen erfolgen.

Nachdem sich der Dax in den vergangenen Handelstagen gut gehalten habe, könne er noch auf 6300 bis 6400 Punkte klettern. Allerdings sieht der Charttechniker "Korrekturtendenzen", die den Index wieder auf 5800 Zähler drücken könnten. Bis Ende Juli sollte der Dax dann wieder auf 6500 bis 6600 Punkte steigen. Den Herbst bewerte er aus sei aus technischer Sicht jedoch skeptisch.

Der Neue Markt befinde sich von der Grundtendenz in einer schwierigen Phase und sollte in Kürze wieder unter Druck geraten. Sollte der Nemax All Share bei seinem nächsten Abschwung unter den Unterstützungsbereich bei 1720 bis 1780 Punkten fallen, dann könne die von ihm erwartete Korrektur schärfer ausfallen. Bis Ende Juli sollte sich der Nemax All Share jedoch wieder auf 2500 Punkte erholen.

Neueinschätzung für den Dax

Weitaus optimistischer gestimmt ist Stephen Schneider von der WGZ-Bank. Für den Dax gibt er ein Drei-Wochen-Kursziel von 6600 Punkten an. Nach einem ersten Aufbäumen des Marktes würden die Kurse meist fallen, um dann wieder deutlich zu steigen. An diesem Punkte stünde derzeit der Dax. Danach sei jedoch wieder eine Korrektur um 400 bis 600 Punkte zu erwarten, gefolgt von einer längeren Phase, in der der Index auf 7200 bis 7400 Punkte steigen sollte.

Zum zweiten Halbjahr wird Schneider zufolge eine Neueinschätzung erfolgen müssen. Dann entscheide sich, ob der Aufschwung von einer Bärenrallye getragen wurde, oder ob es sich um eine langfristige Erholung handele.

Die Nasdaq könnte den Dax kurzfristig unterstützen. Da die schwergewichtigen High-Techs der Frankfurter Börse von der US-Technologiebörse beeinflusst werden, sollte ein positiver Kursverlauf in New York die Erholung weiter antreiben. Das Drei-Monats-Kursziel für die Nasdaq gibt Schneider mit 2900 Punkten an.

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