Amatech Ungelöste Fragen

Die Aktie der Allgäuer AG leidet unter einer Verkaufsempfehlung der Betreuerbank.
Von Clemens von Frentz

Pfronten - Die Aktie des Allgäuer Unternehmens Amatech gehörte am Dienstag-Morgen zu den Spitzenverlierern am Neuen Markt. Hintergrund ist eine Verkaufsempfehlung, die am frühen Morgen veröffentlicht wurde. Besondere Bedeutung erhält diese Empfehlung dadurch, dass sie von den Analysten des Bankhauses HSBC Trinkaus kommt. Die Bank ist ein intimer Kenner des Unternehmens, da sie den Börsengang von Amatech am 13. Juni 2000 gemeinsam mit der HypoVereinsbank als Konsortialführer betreut hatte.

Zur Begründung verweist die Bank auf zahlreiche ungelöste Fragen und Unsicherheiten in Bezug auf den Erfolg der geplanten Restrukturierung. Das neue Kursziel der Analysten liegt bei zwei Euro und damit mehr als 95 Prozent unter dem Rekordhoch der Aktie vom Frühsommer letzten Jahres.

Wenige Monate danach, am 14. September 2000, waren die HSBC-Experten noch sehr optimistisch für Amatech. Sie rieten zum "Aufstocken" und bezifferten ihr Kursziel mit 37 Euro.

Untersuchung der Wertpapieraufsicht

In jüngster Zeit war Amatech bereits mehrfach negativ aufgefallen. Am 13. März schockierte das Unternehmen seine Anteilseigner mit einer Gewinnwarnung, die vor allem deshalb für Aufsehen sorgte, weil unmittelbar vor der Ad-hoc-Meldung das Handelsvolumen sprunghaft angestiegen war. Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel sah diese Umsatz-Auffälligkeit als so gravierend an, dass eine sogenannte Markanalyse eingeleitet wurde.

Kurz danach stellte sich heraus, dass die Gewinnwarnung immer noch zu positiv ausgefallen war. Die Zahlen, die am 30. April für das Ebit im abgelaufenen Jahr präsentiert wurden, lagen rund 50 Prozent unter der Gewinnwarnung vom 13. März.

"Zweifel an der Annahme der Fortführung der Gesellschaft"

Belastend auf den Kurs der Aktie dürfte sich der jüngste Geschäftsbericht des Allgäuer Unternehmens auswirken. Im Bestätigungsvermerk der Wirtschaftsprüfer heißt es wörtlich: "Der Konzernabschluß wurde unter der Annahme der Fortführung der Gesellschaft aufgestellt, obwohl der Konzern nachhaltig negative Zahlungsströme aus der laufenden Geschäftstätigkeit zu verzeichnen hatte."

Weiter ist zu lesen: "Die Pläne über den weiteren Fortgang der Geschäftstätigkeit des Konzerns erfordern kurzfristig zusätzliche Finanzmittel in Form von Fremd- oder Eigenkapital. Es besteht derzeit keine abschließende Gewißheit, daß eine ausreichend hohe Zuführung von Finanzmitteln möglich ist. Die Unsicherheit über die Fähigkeiten der Gruppe, die notwendigen finanziellen Ressourcen zu erlangen, erlauben Zweifel an der Annahme der Fortführung der Gesellschaft."