CE Consumer Gut getarnt

Der Chiphändler verärgert die Anleger durch eine versteckte Gewinnwarnung. Gegenüber manager-magazin.de nimmt Vorstands-Chef Erich Lejeune zu der revidierten Prognose Stellung.
Von Clemens von Frentz

München - Die Ad-hoc-Meldung, die am Freitag-Morgen von CE Consumer Electronic herausgegeben wurde, kam bei den Marktteilnehmern zunächst gut an. Der operative Gewinn vor Abschreibungen auf Goodwill (Ebitda) sei im ersten Quartal 2001 um 60 Prozent auf 7,2 Millionen Mark gestiegen, hieß es im Text, und der Umsatz habe sich auf 245,0 Millionen Mark vervierfacht.

Dann allerdings brach die Aktie ein. Offenbar hatten die Anleger inzwischen die Meldung noch einmal gelesen und festgestellt, dass sie eine Gewinnwarnung enthielt - gut versteckt und so formuliert, dass sie ohne Zuhilfenahme eines Taschenrechners nicht zu verstehen ist.

Prognose revidiert von 30 auf 12,6 Millionen Mark

In der Meldung hieß es: "Ein Jahres-Konzernumsatz von mehr als 700 Millionen Mark ist aus heutiger Sicht zu erreichen." Der entscheidende Satz folgte direkt im Anschluss: "Während die Ebit-Marge mit 1,8 Prozent bereits im ersten Quartal über dem Branchendurchschnitt lag, erwartet die CE Consumer Electronic AG auch im weiteren Jahresverlauf eine zumindest stabile Ebit-Marge."

Im Klartext bedeutet das: Für 2001 ist ein Ebit von etwa 12,6 Millionen Mark zu erwarten. Diese Summe aber steht im krassen Widerspruch zu den bisherigen Ankündigungen. Noch am 28. März hatte Vorstands-Chef Erich Lejeune in einer Ad-hoc-Meldung mitgeteilt, eine Zunahme des Ebit "um mindestens 20 Prozent" auf knapp 30 Millionen Mark sei "als gesichert anzusehen."

Nun liegt das zu erwartende Ebit also mehr als 55 Prozent unter der Prognose, die noch vor sechs Wochen abgegeben worden war. Die Anleger hatten der damaligen Ankündigung offenbar Glauben geschenkt, zumindest war der Kurs der Aktie ab Anfang April um mehr als 100 Prozent gestiegen.

Verkäufe bei ungewöhnlich hohen Umsätzen

Die Reaktion des Marktes auf die versteckte Gewinnwarnung spricht eine klare Sprache. Bei enorm hohen Umsätzen wird verkauft. Bis zum Freitag-Nachmittag um 18 Uhr war das Volumen allein im Xetra-Handel auf 15 Millionen Euro gestiegen. Zum Vergleich: Der Durchschnittsumsatz der letzten 30 Tage lag bei lediglich 2,9 Millionen Euro.

Gegenüber manager-magazin.de verteidigte Vorstands-Chef Erich Lejeune seine Informationspolitik mit einem Hinweis auf die Unvorhersehbarkeit konjunktureller Entwicklungen. Die Ad-hoc-Mitteilung vom 28. März sei im guten Glauben verfasst worden; damals sei man noch voller Hoffnung für das Geschäft gewesen. Lejeune wörtlich: "Kein Mensch konnte die Entwicklung damals absehen. Die Prognose, die wir damals abgegeben haben, war absolut realistisch."

"Neue Ethik der Information"

Die heutige Quasi-Gewinnwarnung sieht er als "absolut saubere Sache". Man habe ein "Worst-Case-Szenario" erstellt und wolle die daraus resultierenden Erkenntnisse den Anlegern nicht vorenthalten. Die hohe Differenz von über 16 Millionen Euro zwischen der März-Prognose und der aktuellen Schätzung begründet er mit Problemen bei der Umsatz- und Ergebnis-Ermittlung: " Wir sind in fünf Erdteilen zuhause, da sind die Zahlen nicht auf Knopfdruck abzurufen. Intern hoffen wir immer noch auf ein höheres Ergebnis."

Den Vorwurf, die drastische Herabsetzung der Ergebnis-Prognose sei für den normalen Anleger aus der aktuellen Ad-hoc-Meldung kaum zu erkennen gewesen, will Lejeune so nicht gelten lassen. Im Gegenteil. Er spricht stattdessen von einer "neuen Ethik der Information" und betont, man habe - anders als vielfach üblich - "alle Zahlen offen auf den Tisch" gelegt.

Aktie fällt um fast 17 Prozent

Was die massiven Kursverluste nach der Ad-hoc-Meldung angeht, gibt er sich optimistisch. "Wir haben mit unserer Akquisition in den USA eine echte Perle gekauft und arbeiten auf Hochtouren. Die Anleger werden das schon noch honorieren. Warten wir doch erst mal ab, wo der Kurs am Montag steht..."

Beim Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) in Frankfurt war um 16.45 Uhr für eine Stellungnahme kein Mitarbeiter mehr zu erreichen. Die Aktie gab im Handelsverlauf weiter nach und notierte gegen 18 Uhr bei 10,50 Euro - ein Minus von fast 17 Prozent. Ein Händler kommentierte das mit den Worten: "Viele kleinere Fonds und verunsicherte Privatanleger ziehen sich nun aus dem Wert zurück."


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