Intershop Neues Ungemach

Die Wertpapieraufsicht schließt nicht mehr aus, dass Intershop gegen Ad-hoc-Regeln verstoßen hat.
Von Clemens von Frentz

Hamburg - Auf die Intershop AG  kommt offenbar weiteres Ungemach zu. Die Hinweise auf einen Verstoß gegen die gesetzlich vorgeschriebene Meldepflicht verdichten sich. Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe), das den Fall seit einiger Zeit untersucht, informierte am Mittwoch über den neuesten Stand. Sprecherin Sabine Reimer gegenüber manager-magazin.de: "Eine vorläufige Prüfung in unserem Fachreferat deutet auf einen Verstoß gegen die Ad-hoc-Publizität hin."

Am 8. Januar hatte die Behörde den Fall noch anders gesehen. Ein Sprecher sagte damals auf Anfrage, es lägen keine Anhaltspunkte für ein fehlerhaftes Verhalten vor. Man habe sich den Vorgang rund um die Ad-hoc-Meldung angeschaut; Verstöße gegen die Bestimmungen des Wertpapierhandelsgesetzes seien aber nicht entdeckt worden. Dies beziehe sich auch auf Insiderpraktiken.

Gegenüber der "Financial Times Deutschland" betonte die Sprecherin am gestrigen Mittwoch allerdings gleichzeitig, dass noch zahlreiche Fragen offen sind. "Eine abschließende Prüfung, ob wirklich gegen die Ad-hoc-Mitteilungspflichten verstoßen wurde, steht noch aus", sagte sie. Der Vorgang werde im eigenen Haus zunächst nicht weiter untersucht und statt dessen an die Staatsanwaltschaft Hamburg abgegeben. Die Unterlagen sollen in den kommenden Tagen versandt werden.

Die Untersuchung befasst sich mit einer Gewinn- und Umsatzwarnung, die in der Nacht zwischen dem 1. auf den 2. Januar 2001 herausgegeben worden war. Dabei ging es um den vorläufigen Ausblick für das letzte Quartal des abgelaufenen Jahres.

Nettoverlust je Aktie zwischen 0,36 und 0,38 Euro

Wörtlich hieß es in der Meldung: "Intershop reduziert seine Umsatz- und Ertragserwartungen für das vierte Quartal 2000. Gemäß der vorläufigen und ungeprüften Quartalsergebnisse wird jetzt ein Umsatz zwischen 28 und 30 Millionen Euro sowie ein Nettoverlust zwischen 30 und 32 Millionen Euro erwartet. Dies entspricht einem Nettoverlust je Aktie zwischen 0,36 und 0,38 Euro."

Die Aktie reagierte auf diese Nachricht mit einem heftigen Verlust, der vor allem in den USA von großen Umsätzen getragen war. Der Kurs, der dort kurz vor Jahresende noch bei 15 Dollar gelegen hatte, fiel innerhalb weniger Tage auf unter fünf Dollar.

Nach Ansicht einiger Experten, darunter verschiedene Fachanwälte in den Vereinigten Staaten, kam die Gewinnwarnung zu spät. Sie berufen sich dabei auf das Wertpapierhandelsgesetz. Dieses schreibt verbindlich vor, dass kursrelevante Informationen ohne Zeitverzug allen Marktteilnehmern zugänglich gemacht werden müssen.

Mehrere Juristen, darunter die Anwaltskanzlei Tilp & Kälberer, äußerten außerdem die Vermutung, eine vorangegangene Ad-Hoc-Mitteilung vom 31. Oktober 2000 sei unvollständig gewesen. Damit habe der Vorstand seinen Aktionären die wahre Schieflage des Unternehmens verheimlicht, was in der Folge zu erheblichen Vermögenseinbußen geführt habe.

Ermittlungsverfahren gegen Vorstands-Chef Schambach

Unlängst hatte die Staatsanwaltschaft Hamburg ein Ermittlungsverfahren gegen Vorstands-Chef Schambach eingeleitet, nachdem vier Strafanzeigen eingegangen waren. Geklärt werden soll die Frage, ob es zu einem möglichen Verstoß gegen den Paragraphen 88 des Börsengesetzes (Prospekt und Kursbetrug) gekommen ist. Zwei der vier Klagen wurden unterdessen an die Staatsanwaltschaft Gera weitergeleitet.

Gegenüber manager-magazin.de hatte der Intershop-Vorstand erst kürzlich zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfe Stellung genommen. Schambach wörtlich: "Ich kann nur so viel sagen, dass die Kläger professionelle Anwaltskanzleien sind. Die sind auf derartige Klagen spezialisiert und machen damit einfach Geld. Aber wir haben nichts zu befürchten."