Krieg der Börsen Viele Worte, wenige Taten

Die vollmundigen Expansionspläne der beiden US-Börsen im Überblick

Das Ziel ist verlockend:

Eine Börse rund um die Uhr, rund um die Welt. Kein Börsenschluss um 16 Uhr, ob in Frankfurt, London, New York oder Tokio. Ein 24-Stunden-Paradies für Zocker. "Es ist völlig klar, dass die Märkte in Zukunft der Sonne folgen müssen", sagt NYSE-Chef Robert Grasso. Erst Europa, dann Amerika und schließlich Asien.

Unterschiedliche Strategien: Die beiden weltgrößten Börsen NYSE und Nasdaq werden deshalb global. Sie wollen auch international die beiden dominierenden Marktplätze sein. Aber sie beschreiten unterschiedliche Wege: Nasdaq beteiligt sich an anderen Börsen oder gründet eigene Ableger. Die NYSE dagegen strebt lockere Verbünde an.

NYSE gegen Übernahmen: Grasso hält nichts von Übernahmen, schon gar nichts von feindlichen. "Allianzen werden dagegen immer wichtiger", sagt er. So ventilierte er die vage Idee einer "Super Nafta Exchange", die von Toronto bis Santiago de Chile reicht.

Globale Allianz: Etwas klarer ist das im Juni 2000 angekündigte Projekt "Global Equity Market" (GEM), eine Kooperation der NYSE mit neun anderen Börsen, darunter Euronext (Amsterdam, Brüssel und Paris). Bislang steht aber nur eine Ankündigung. Konkretes weiß man auch nach fast einem Jahr noch nicht. John Hilley, Chef des Rivalen Nasdaq International, urteilt: "Da ist nichts Substanzielles dran."

Die Flops der Nasdaq: NYSE-Vorstand Georges Ugeux giftet zurück: "Hilley ist schon seit drei Jahren im Announcement-Business." Und da hat Ugeux auch nicht ganz Unrecht. Viel ist der Nasdaq im Ausland in der Tat nicht gelungen. Es existiert zusammen mit der japanischen Softbank eine mäßig erfolgreiche Nasdaq Japan. Es gibt marginale Partnerschaften in Hongkong, Kanada und Australien. Und in Europa floppte erst die Nasdaq Europe und dann der IX-Deal, das Bündnis mit den Börsen in Frankfurt und London.

Einstieg bei der Easdaq: In ihrer Not wendet sich die Nasdaq nun der Easdaq zu, der paneuropäischen Technologiebörse in Brüssel. Mit 58 Prozent hat sie sich an der bislang wenig erfolgreichen Easdaq beteiligt. Keine umwerfende Transaktion, meinen etliche Finanzprofis.

Fazit: Noch haben die beiden amerikanischen Börsen nicht bewiesen, dass sie ihre Erfolge auf dem Heimatmarkt exportieren können.

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