Krieg der Börsen Getrennte Wege

Siemens: Mutter an die NYSE, Tochter an die Nasdaq

Punkt 9.30 Uhr am 12. März war es soweit. Siemens-Chef Heinrich von Pierer durfte an der New York Stock Exchange die Opening Bell läuten. Exakt fünf Sekunden musste er dafür auf eine große Tube drücken.

NYSE oder Nasdaq? Das war keine Frage für die Siemens AG. Ein solcher Konzern gehöre an die NYSE, argumentieren die Finanzleute bei Siemens. "It's a must", wiederholte von Pierer mehrmals an diesem Tag, "to be listed here."

Fast alle großen Konkurrenten (Alcatel, Nokia, Philips, GE, Motorola, Nortel) seien dort gelistet. Also müsse auch Siemens an die Wall Street. "Im Umfeld der Nasdaq hätten wir uns doch eher fremd gefühlt", sagt ein Siemens-Manager.

Großer Vorteil der NYSE: Deren zentralisiertes Handelssystem. Alle Aufträge laufen dort über einen einzigen Spezialisten, im Gegensatz zu den zahlreichen so genannten Market Makers an der Nasdaq. Siemens hat die Firma Spearrs, Leeds & Kellog ausgewählt. Der "Specialist" muss für einen "orderly market", also für faire Preise in einem liquiden Markt, sorgen, notfalls unter Einsatz eigenen Geldes. Das verringert die Volatilität der Aktie.

Eine Chance für die Nasdaq: Für seine amerikanische Tochter Unisphere Networks, einen Anbieter von Telekom-Infrastruktur, hat Siemens andere Börsenpläne. Das im Frühjahr 1999 gegründete Unternehmen soll an die Nasdaq gehen und dort bis zu 10 Prozent seines Kapitals anbieten. Unisphere ist jung, wachstumsstark, aber bisher noch ohne Gewinn -­ und entspricht damit der klassischen Nasdaq-Neuklientel.

Der Börsenprospekt ist bei der Aufsichtsbehörde SEC bereits eingereicht. Jetzt fehlt nur noch das Datum des Börsengangs. Darauf wollen sich die Siemens-Finanzmanager vorläufig noch nicht festlegen. Sie warten auf bessere Börsenzeiten.

Wolfgang Hirn

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