NYSE/Nasdaq Krieg der Börsen

Die beiden größten Börsen der Welt liefern sich einen erbitterten Kampf um jeden Kunden. Wer wird gewinnen?

New York - Bullen und Bären sind häufige Gäste an der Wall Street, auch wenn sie nur symbolhaft übers Parkett trampeln oder tapsen. Doch ein Affe und ein Pferd ­- und das auch noch leibhaftig ­- traten noch nie unter der Kuppel des traditionsreichen Gebäudes an der Wall Street auf.

Am 15. Februar war Premiere. Schimpanse "Brooks" ritt auf dem Rücken von Hengst "Prairie" in den Börsensaal ein. Die beiden Tiere sind die Stars in einem populären Werbespot des Online-Brokers E-Trade, der Mitte Februar seine erste Notierung an der New York Stock Exchange (NYSE) zelebrierte.

Mittendrin im Aktienzirkus stand ein kleiner Mann, der an diesem denkwürdigen Tag besonders breit grinste: Börsenchef Richard Grasso. Dem 54-Jährigen gefiel der Spaß mit den lustigen Tieren, doch noch mehr erfreute ihn, dass E-Trade nun an der NYSE gelistet ist. Denn E-Trade ist kein x-beliebiges Unternehmen, das mal eben an die Börse geht. Nein, E-Trade ist ein Überläufer von der Nasdaq, dem Erzrivalen der NYSE.

Der Wechsel, den E-Trade der Nasdaq erst kurz vorher lapidar mitgeteilt hatte, ist ein vorläufiger Höhepunkt im Kampf zwischen den beiden amerikanischen Börsenplätzen Nasdaq und NYSE. "Kampf?", fragt Robert Fagenson, ehemaliger Vice Chairman der NYSE, irritiert zurück, "das ist ein Krieg."

Zwischen den beiden weltgrößten Börsen tobt eine Schlacht um die Vorherrschaft am internationalen Kapitalmarkt. Beide rüsten technologisch gewaltig auf. Sie suchen im gegnerischen Lager nach Fahnenflüchtigen, die bereit sind, die Fronten zu wechseln. Beide wollen sie die Welt erobern und exportieren damit ihren Kampf auch nach Europa und Asien.

Wolfgang Hirn

Krieg der Börsen

Die beiden größten Börsen der Welt liefern sich einen erbitterten Kampf um jeden Kunden.

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