Metabox Erneute Absage

Das Unternehmen hat die für heute angekündigte Bilanz-Pressekonferenz verschoben.
Von Clemens von Frentz

Hildesheim - Die angeschlagene Metabox AG  sorgt erneut für Unmut bei Aktionären und Analysten: Die für den heutigen Freitag-Morgen (11 Uhr) angekündigte Bilanzpresse- und Analystenkonferenz wurde kurzfristig abgesagt. Auf der Konferenz wollte das Unternehmen den bereits mehrfach verschobenen Jahresabschluss vorstellen. Wie der Hersteller von Set-Top-Boxen für den Internetzugang per TV-Gerät über Fernsehkabel und Satellit am Freitag-Morgen in Hildesheim mitteilte, wird die Veranstaltung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Gegenüber manager-magazin.de begründete Unternehmenssprecherin Aenne Schaper die Absage unter anderem damit, dass noch immer kein Testat des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Arthur Andersen vorliegt. Daher stand bereits am Donnerstag-Abend fest, dass der heutige Termin nicht gehalten werden kann. Denjenigen Analysten und Berichterstattern, die sich für die Pressekonferenz angemeldet hatten, wurde daher kurz vor Mitternacht eine entsprechende Mail zugeschickt - also etwa zwölf Stunden vor dem angekündigten Termin.

Die letzte Frist endet um Mitternacht

Nun sollen die Zahlen am heutigen Freitag nach Börsenschluss vorgelegt werden. Sollte der Vorstand diese Zusage einhalten, entginge er damit einem peinlichen Sanktionsverfahren der Deutschen Börse. Die hatte die Bilanz bereits mehrfach angemahnt und schließlich eine Frist gesetzt. Diese läuft am heutigen Freitag um Mitternacht ab.

Außerdem, so Schaper, soll in Verbindung mit den Zahlen ein "ausführlicher Lagebericht" herausgegeben werden. Auf die seit Monaten mit Spannung erwarteten Informationen zu den ominösen Auftraggebern, die nach Angaben des Unternehmen hochkarätige Lieferverträge mit Metabox unterzeichnet haben, werden die Anteilseigner allerdings weiter warten müssen. Aenne Schaper: "Der Vorstand bleibt bei seiner Politik, die Namen nicht zu nennen."

Das niedersächsische Unternehmen war in der Vergangenheit auf Grund angeblicher Großaufträge, die letztlich nicht zustande kamen, heftig in die Kritik geraten. Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Kursmanipulation und Insiderhandel.

Nach vorläufigen Eckdaten verfehlte Metabox im vergangenen Jahr die Umsatz- und Ergebnisprognosen deutlich. Nachdem für das Gesamtjahr ein Umsatz von 200 Millionen (102 Millionen Euro) und ein Gewinn von 14 Millionen Mark prognostiziert worden war, lag der tatsächliche Umsatz lediglich bei 50 Millionen Mark bei einem gleichzeitigen Verlust von 19 Millionen Mark.

Insolvenzverfahren gegen Metabox-Tochter

Aber es gibt noch weitere Hiobsbotschften. Das Amtsgericht Hildesheim leitete für die Metabox-Tochter ICS Kassensysteme am Donnerstag ein Insolvenzverfahren ein und bestellte den hannoverschen Rechtsanwalt Helge Wachsmuth als Insolvenzverwalter. Doppelt bitter für Vorstand Stefan Domeyer, hatte er doch geplant, die Tochter schnellstmöglich zu verkaufen.

Sollte ein Verkauf trotzdem zustande kommen, dürfte für Metabox dabei wenig abfallen, da zunächst alle Gläubiger bedient werden müssen. Dazu zählen auch die zwölf Mitarbeiter von ICS. Sie hatten die Eröffnung des Insolvenzverfahrens Anfang April beantragt, weil sie seit Februar kein Gehalt mehr bekommen hatten. Ähnliches hört man von Mitarbeitern der anderen AG-Tochter Meta-TV. Auch hier soll es zu massiven Verzögerungen bei der Gehaltsauszahlung gekommens sein.

Ein Drittel aller Mitarbeiter entlassen

Vor einigen Wochen erst hatte Metabox die Entlassung zahlreicher Mitarbeiter beschlossen. Damit sollen rund 2,8 Millionen Mark pro Jahr eingespart werden. Im Zuge von Restrukturierungs-Maßnahmen will sich die AG nun auf die Kernbereiche Geräte und Systeme für interaktives Fernsehen konzentrieren.

Mitte März hatte Aufsichtsrat Engelbert Nelle sein Amt bei Metabox niedergelegt. Der CDU-Politiker sei nicht gewillt, "sich auch nur in die Nähe des Scheines strafrechtlicher Verwicklungen zu begeben", hieß es dazu. Ein weiterer Abgang wurde wenige Wochen später vermeldet: Der Finanzvorstand Geerd-Ulrich Ebeling erklärte "aus familiären Gründen" seinen Rücktritt.

Strafanzeige wg. Kursbetrug und Insidergeschäften

Verärgert über die aktuelle Entwicklung dürfte auch die amerikanische Kapitalanlagegesellschaft GEM Global Emerging Markets sein. Sie hatte erst Anfang März an einer Kapitalerhöhung bei Metabox teilgenommen und dabei den größten Teil der insgesamt 1.384.978 Aktien übernommen. Die zwölf Millionen Mark, die Metabox dabei eingenommen hatte, sollten für die "laufende Finanzierung und Produktionsanlaufkosten" des Unternehmens ausgegeben werden.

Unterdessen hat die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre beim Landgericht Frankfurt/Main Strafanzeige gegen Vorstand und Aufsichtsrat von Metabox erstattet. Der Vorwurf: Unrichtige Darstellung (Paragraph 400 Aktiengesetz), verbotene Insidergeschäfte (Paragraphen 38 und 14 Wertpapierhandelsgesetz) und Kursbetrug (Paragraph 88 Börsengesetz).