Konjunktur Chancen ab 2002

Die EU-Kommission korrigiert ihre Wachstumsprognose. Deutschland ist Schlusslicht.

Brüssel - Brüssel erwartet im laufenden Jahr nur noch ein wirtschaftliches Wachstum von 2,8 Prozent in den 15 EU-Staaten sowie in der Euro-Zone. Im Herbst hatte die Kommission noch mit einem Plus von 3,2 Prozent in der Euro-Zone und von 3,1 Prozent EU-weit gerechnet. Für Deutschland, die größte Volkswirtschaft in Europa, sagen die EU-Experten das mit 2,2 Prozent schwächste Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone voraus.

Verdüstert werden die EU-Aussichten von der Abschwächung des Wachstums in den USA, wo nur noch ein Plus des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,6 Prozent erwartet wird. Weltweit werde die Wirtschaft wegen der Probleme in den USA und Japan in diesem Jahr nur um 3,3 Prozent wachsen, schätzen die Brüsseler Experten. Für das vergangene Jahr habe man ein außergewöhnliches Wachstum von 4,8 Prozent errechnet. Der Welthandel werde 2001 ebenfalls langsamer wachsen als im vergangenen Jahr.

Verbraucher als Hoffnungsträger

Positiv werde sich der Verbrauch der privaten Haushalte auf das europäische Wirtschaftswachstum auswirken, glauben die EU-Fachleute. Sie rechnen hierbei mit einer stetigen Wachstumsrate von 2,75 Prozent in diesem und kommendem Jahr. 2000 hätten höhere Importpreise das Konsumklima gedämpft. Für 2001 und 2002 rechnen die Experten mit stärkeren Erhöhungen der Reallöhne (2001 nominal plus 3,2 Prozent), einem robusten Beschäftigungswachstum von 1,2 Prozent und Steuererleichterungen. Dies werde die Verbrauchsausgaben stützen.

Die Preise dürften in diesem Jahr laut Prognose EU-weit um 2,2 Prozent steigen, in der Euro-Zone um 2,1 Prozent. Als einen Grund dafür nennt die EU-Kommission gestiegene Lebensmittelpreise als Folge der BSE-Krise und der Maul- und Klauenseuche. Auch die Kerninflation habe sich allmählich erhöht, erklärten die EU-Experten.

Inflationsrate in Deutschland bei zwei Prozent

Deutschland, dessen Wirtschaftskraft rund 30 Prozent der Euro-Zone ausmacht, soll in diesem Jahr mit einer Inflationsrate von 2,0 Prozent etwas unter der durchschnittlichen Preissteigerung bleiben. In Irland, das EU-weit mit plus 7,5 Prozent das stärkste Wachstum erwarten kann, dürfte die Preissteigerung mit 4,0 Prozent hingegen doppelt so hoch liegen. Nur in den Niederlanden, wo die Experten erstmals seit Jahren kräftige Lohnsteigerungen erwarten, sollen die Preise mit 4,3 Prozent noch stärker steigen.

Optimismus für 2002

Für das kommende Jahr hält die EU-Kommission durchweg optimistischere Annahmen bereit: BIP-Wachstum in der Euro-Zone und der gesamten EU um 2,9 Prozent, in Deutschland um 2,6 Prozent, in den USA um 3,0 Prozent. Dazu geringere Inflationszahlen: 1,8 Prozent in der EU und der Euro-Zone, in Deutschland 1,5 Prozent, in den USA 2,1 Prozent (nach 2,7 Prozent im laufenden Jahr). Auch der Welthandel dürfte demnach wieder kräftig wachsen.

Für die zehn ost- und südosteuropäischen EU-Kandidatenländer rechnet die EU-Kommission mit einem Wirtschaftswachstum von 4,0 Prozent in diesem Jahr. Im vergangenen Herbst war sie mit einer Erwartung von plus 4,3 Prozent noch optimistischer gewesen.

Auch hier sehen die Brüsseler Experten einen Einfluss des verlangsamten Wachstums in Deutschland, das der größte EU-Handelspartner dieser Länder ist. Die Preise sollen in diesen Ländern laut Prognose um durchschnittlich 9,9 Prozent steigen - am geringsten in Litauen mit 1,5 Prozent, am stärksten in Rumänien mit 36,7 Prozent.

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