Teldafax Nun trifft es auch die Mutter

Der Großaktionär World Access hat Gläubigerschutz beantragt.

Atlanta - Nun ist es amtlich: Das amerikanische Unternehmen World Access (WA) hat Gläubigerschutz beantragt. Damit folgt die Muttergesellschaft von Teldafax ihrer Marburger Tochterfirma, die bereits am 2. April die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt hatte. Der WA-Vorstand reagierte mit diesem Schritt auf die Forderung von Gläubigern, die Anfang April einen Antrag auf Eröffnung eines solchen Verfahrens gestellt hatten. Die Aktie wurde um 8.15 Uhr New Yorker Zeit vom Handel ausgesetzt.

Der Provider für Sprach- und Datenservice sei mit seinen 13,25-prozentigen vorrangigen Schuldtiteln mit Laufzeit bis 2008 in Zahlungsverzug geraten. Nach World Access-Angaben ist eine finanzielle Schieflage dadurch entstanden, dass bei der TelDaFax AG, Marburg, die Erwartungen nicht erfüllt wurden.

Wie manager-magazin.de am 28.3. exklusiv berichtet hatte, wurde im WA-Vorstand bereits Ende März die Inanspruchnahme des sogenannten "Chapter 11"-Verfahrens erwogen. Dieses entspricht in etwa dem deutschen Insolvenz-Prozedere.

Pikantes Detail: Die massive Schieflage des US-Unternehmens wurde erst öffentlich, als die Umtauschfrist für die Teldafax-Aktionäre gerade abgelaufen war. Dieser Termin war nach mehreren Verschiebungen auf den 23.3. festgelegt worden.

Der Vorstand von Teldafax hatte von der drohenden Pleite seiner Mutter ebenfalls erst sehr spät erfahren. Wie Vorstand Stefan Legner gegenüber manager-magazin.de sagte, wurde das Management der Marburger AG lediglich durch eine Pressemeldung über die gravierenden Problemen seines neuen Eigentümers informiert.

Nachdem Teldafax einen Insolvenzantrag gestellt hatte, drohte der Vorstand von World Access mehrfach mit Klagen gegen die Deutsche Telekom. Begründet wird dies mit den Verlusten, die Teldafax durch die Sperrung der Leitung entstanden seien. Der Schaden wurde vom WA-Vorstand auf 600 Millionen Dollar beziffert.

World Access machte geltend, die Telekom habe das Anti-Trust-Gesetzes gebrochen und ihre vertraglichen Verpflichtungen gegenüber der Marburger AG verletzt. Außerdem, so ein Unternehmenssprecher, soll das ehemalige Monopol-Unternehmen seit längerer Zeit versucht haben, seinem Konkurrenten Teldafax Kunden abzuwerben.

Teldafax-Sprecher Marcus Hofmann zeigte sich im Gespräch mit manager-magazin.de trotz der neuen Entwicklung zuversichtlich für die weitere Entwicklung des Unternehmens. Zur Zeit würden weitere Gespräche über den Verkauf der drei Tochterfirmen von Teldafax geführt, wobei sich die Hoffnung des Managements vor allem auf die Mobilfunkfirma Netztel plus stützt, an der die Marburger einen Anteil von 85 Prozent halten. Hier hatte zwar der ehemalige Netztel-Eigner Drillisch reklamiert, dass der Verkauf möglicherweise rückabgewickelt wrden müsste, aber nach Ansicht von Hofmann ist diese Auffassung rechtlich nicht haltbar.

An der Informationspolitik des amerikanischen Großaktionärs hat sich übrigens nichts geändert. Auch dieses Mal verabsäumte das Unternehmen, seine Tochterfirma rechtzeitig über die neue Entwicklung in Kenntnis zu setzen. Marcus Hofmann: "Wir haben von dem Antrag auf Gläubigerschutz aus der Presse erfahren."

Clemens von Frentz

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