Dienstag, 25. Februar 2020

Entwicklung an den Kapitalmärkten Warum 2020 ein gutes Jahr wird

2020: Warum die "schwarze Null" im Bundeshaushalt weiterhin stehen muss, weiß niemand so genau

Die Vorzeichen für die Entwicklung der Kapitalmärkte 2020 sind gut, die Weltwirtschaft dürfte sich von ihrer Wachstumsdelle erholen. Wo sich Anlegern die größten Chancen bieten - und warum bei allem Optimismus für Euphorie kein Anlass besteht.

Die lockere Geldpolitik wirkt

Die Handelskonflikte ausgehend von den USA waren eine wesentliche Ursache für die Schwäche der globalen Konjunktur in diesem Jahr. Insbesondere stark exportorientierten Volkswirtschaften wie Deutschland hat dies spürbar zugesetzt. Weil die Inflationsraten weltweit ohnehin schon niedrig waren und die Wachstumsabschwächung auf die langfristigen Inflationserwartungen drückte, lockerten viele Zentralbanken 2019 ihre Geldpolitik - allen voran das US Fed sowie die Europäische Zentralbank (EZB). Dies ging mit sinkenden Anleiherenditen einher. Obwohl die Unternehmensgewinne - außer in den USA - zurückgingen, konnten die Aktienmärkte eine signifikante Performance erzielen, weil die geldpolitische Lockerung zu höheren Kurs-Gewinn-Verhältnissen für die Unternehmenswerte führte.

Daniel Pfändler
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    Daniel Pfändler verfügt über langjährige Erfahrung in der makro-ökonomischen Analyse und Finanzmarktstrategie. Er ist Gründer der unabhängigen Research Firma Research Ahead.

Für 2020 zeichnet sich eine allmähliche Erholung der globalen Wirtschaft ab. So dürfte ein harter Brexit, also ein vertragsloses Ausscheiden Großbritanniens aus der EU, vermieden werden. Zudem scheinen sich die USA und China in ihrem Handelsstreit langsam anzunähern. Dies sollte die Stimmung der Unternehmen positiv beeinflussen. Darüber hinaus dürfte die gelockerte Geldpolitik mit der üblichen Verzögerung von drei bis vier Quartalen das Wachstum positiv beeinflussen.

Die "schwarze Null" wackelt

Zudem mehren sich die Anzeichen einer deutlichen fiskalischen Lockerung in bedeutenden Volkswirtschaften. Erst vor einer Woche verabschiedete das japanische Parlament ein Fiskalpaket in Höhe von umgerechnet mehr als 100 Milliarden Euro. In Großbritannien dürfte die künftige konservative Regierung zur Abfederung der Brexit-Folgen in der neuen Legislaturperiode die Staatsausgaben erhöhen und die Steuern senken.

Auch in der Eurozone nimmt die Wahrscheinlichkeit einer fiskalischen Lockerung zu. So hat die neue EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schon in ihrer Bewerbungsrede vor dem EU-Parlament verlauten lassen, dass sie gedenkt, den Stabilitätspakt flexibel zu handhaben, um mehr staatliche Investitionen zu ermöglichen. Und schließlich bröckelt selbst in Deutschland der Rückhalt für die Politik der "schwarzen Null".

Die Zentralbanken sowohl in Europa als auch den USA dürften vor diesem Hintergrund kaum weitere geldpolitische Lockerungsschritte umsetzen. Allerdings ist auch in einem positiven Szenario aufgrund der niedrigen Inflationserwartungen nicht mit einer baldigen Kehrtwende in der Geldpolitik zu rechnen. Hinzu kommt, dass sowohl das US Federal Reserve als auch die EZB ihr Inflationsziel in Zukunft symmetrischer interpretieren dürften und damit eine zunehmende Toleranz gegenüber höheren Inflationsraten erkennen lassen. Selbst mit einer Wachstumserholung in den USA kann das Federal Reserve daher bis ins übernächste Jahr abwarten, bevor eine Leitzinserhöhung auf die Agenda rückt. Auf Seiten der EZB ist ohnehin keine geldpolitische Straffung absehbar.

Höhere Anleiherenditen, volatiler Aktienmarkt

An den Rentenmärkten dürfte 2020 die Kombination aus zunehmendem Wachstum und einer anhaltend lockeren Geldpolitik mit höheren Inflationserwartungen zu ansteigenden Anleiherenditen und damit einer steileren Zinskurve führen. In der Folge sollten lange Laufzeiten gemieden werden. Darüber hinaus sollten Anleihen mit einem Renditevorteil, beispielsweise periphere Staatsanleihen, aber auch inflationsgeschützte Bonds gegenüber konventionellen vorgezogen werden. Ferner bieten sich Investitionen in höher verzinsliche Papiere von Schwellenländern sowie von Rohstoffproduzenten an.

Die Aktienmärkte dürften sich 2020 weiterhin von ihrer freundlichen Seite zeigen, allerdings bei wahrscheinlich zunehmender Volatilität. Im Gegensatz zu diesem Jahr dürften nicht mehr höhere Kurs-Gewinn-Verhältnisse der Haupttreiber der Performance sein, sondern zunehmende Gewinnerwartungen der Unternehmen. In der Folge können Investitionen in zyklische Sektoren jenen in defensive Unternehmen vorgezogen werden. Auf regionaler Basis dürften Werte aus Asien, insbesondere aus Japan, aber auch Europa performen können.

Politische Risiken bleiben bestehen

An den Rohstoffmärkten ist mit einem Anstieg der Preise für Kupfer und Öl aufgrund der Erholung des globalen Wachstums zu rechnen. Die Immobilienmärkte in der Eurozone sollten sich generell weiterhin freundlich zeigen. Jedoch bleibt gerade in Deutschland das Risiko für Immobilieninvestitionen aufgrund adverser politischer Entwicklungen erhöht.

Zu Euphorie gibt es allerdings trotz der skizzierten zyklischen Wachstumserholung und eines recht freundlichen Finanzmarktumfeldes keinen Anlass. Einerseits bleiben uns die strukturellen Probleme einer hohen Verschuldung sowie eines niedrigen Trendwachstums erhalten. Andererseits scheint die Fähigkeit politischer Systeme abzunehmen, auf nationaler Ebene Kompromisse zu schließen und auf internationaler Ebene zu kooperieren. Damit sind aus einer längerfristigen Perspektive erneute Enttäuschungen und Konflikte programmiert.

Daniel Pfändler verfügt über langjährige Erfahrung in der makroökonomischen Analyse und Finanzmarktstrategie. Er ist Gründer der unabhängigen Research Firma Research Ahead und Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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