Intertainment Späte Erklärung

Der CEO der Münchner AG äußert sich erstmals zu seinen umstrittenen Aktienverkäufen.
Von Clemens von Frentz

München - Ernst Rüdiger Baeres bricht sein Schweigen. Nachdem der Chef des angeschlagenen Medienkonzerns Intertainment in den vergangenen Wochen von enttäuschten Anlegern massiv beschimpft wurde, hat er sich nun erstmals zu seinen Verkäufen eigener Anteile geäußert. "Ich selbst habe keine einzige Aktie verkauft", läßt er die Öffentlichkeit wissen. Vielmehr habe die Bank JP Morgan die Anteile veräußert, weil er mit ihnen für einen Privatkredit gebürgt habe.

Hintergrund: Seit 1. März müssen Vorstandsmitglieder am Neuen Markt Aktienkäufe und -verkäufe melden. Kurz danach werden diese dann auf einer Liste  der Deutschen Börse im Internet für jeden sichtbar veröffentlicht. Insider-Geschäfte sollen so erschwert werden. Viele Vorstände nutzten die neuen Regularien und kauften seit März kleinere Aktienpakete, um zu demonstrieren, dass sie an ihr Unternehmen glauben.

Vereinzelt wurden auch kleinere Pakete verkauft. Im großen Stil fiel jedoch nur Baeres auf. Unter seinem Namen wurden an bisher 16 Tagen 444.223 Intertainment-Aktien im Gegenwert von etwa 6 Millionen Mark verkauft. Der letzte Veräußerung fand am 9. April statt. Für diesen Tag weist die Liste einen Verkauf von 26.895 Aktien aus.

Wilde Spekulationen wegen der Verkäufe

Da Intertainment bisher noch keine Zahlen für 2000 vorgelegt hat, wurde gemunkelt, das Geschäft laufe möglicherweise noch schlechter als bisher bekannt. Es wurden auch Vergleiche mit dem Chef von EM.TV, Thomas Haffa, gezogen, der entgegen den Absprachen Anfang 2000 Aktien verkauft hatte, ehe die Talfahrt des EM.TV-Aktienkurses so richtig losging.

Für Verwunderung sorgte allerdings, dass Baeres nicht noch rechtzeitig vor dem 1. März heimlich, still und leise die Aktien verkaufte. Es wurde gar spekuliert, Baeres drücke den Aktienkurs absichtlich, um einem anderen Investor einen günstigen Einstieg zu ermöglichen.

Am Neuen Markt wird den Konzernchefs mittlerweile viel zugetraut. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Thomas Haffa und seinen Bruder Florian. Die beiden Vorstände von Infomatec, Gerhard Harlos und Alexander Häfele, sitzen sogar wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft.

Baeres: Aktien waren Bürgschaft für einen Kredit

Nun versicherte Baeres in einem Gespräch mit der dpa, er habe, obwohl er für die JP Morgan-Verkäufe Steuern zahlen müsse, keine Aktien verkauft. Er habe in den vergangenen Jahren ohnehin genug Gelegenheiten gehabt, für 100 Euro Anteile abzugeben. Da er aber an Intertainment und das Geschäftsmodell glaube, habe er das nicht getan. Es sei möglicherweise ein Fehler gewesen, mit den eigenen Aktien für einen Kredit zu bürgen.

Beim Verkauf durch JP Morgan in den vergangenen Wochen habe sich die Bank aber wenig kooperationsbereit gezeigt. Zudem habe JP Morgan mit Schadensersatzansprüchen gedroht, falls er an die Öffentlichkeit gehe und den Kurs damit belaste. Auch gegenüber manager-magazin.de ließ er seine Sprecherin Marietta Birner erklären, es handele sich bei den kursbelastenden Verkäufen um eine "reine Privatsache". Angesichts der Entrüstung der Anleger habe er sich nun jedoch für eine Stellungnahme entschieden.

Probleme auch wegen eines Rechtsstreits

Baeres, der noch 54 Prozent an Intertainment hält, steht derzeit ohnehin mächtig unter Druck. Der Konzern führt derzeit einen Rechtsstreit mit dem früheren Partner Franchise, dem Intertainment betrügerisch überhöhte Budgets vorwirft. Ausgerechnet in den USA führt Intertainment eine Klage gegen ein US-Unternehmen. Beobachter geben den Münchnern daher nur wenig Chancen.

Doch Baeres gibt sich siegessicher: "Wir klagen ja nicht gegen das Hollywood-Establishment. In der Branche ist das zweifelhafte Geschäftsgebaren von Franchise bekannt." Ohnehin hänge zwar eine Menge Umsatz an der Klage, aber nicht die Zukunft Intertainments. Daher will Baeres aus eigenem Antrieb auch in Zukunft keine Aktien verkaufen.

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