CAA Neuer Fall von Insiderhandel?

Gewinnwarnung, Bilanz-Pressekonferenz verschoben - jetzt prüft die Wertpapieraufsicht.
Von Clemens von Frentz

Filderstadt - Die Aktie des Nemax-Unternehmens CAA  geriet am Freitag massiv unter Druck. Hintergrund: Der Vorstand hat seine Prognosen für das Geschäftsjahr 2000 deutlich herabgeschraubt, außerdem meldet das Bundesaufsichtsamt für Wertpapierhandel, dass man den Kursverlauf der Aktie untersucht, um Hinweise auf möglichen Insiderhandel zu finden.

Der Entwickler von Fahrerinformations- und Kommunikationssystemen hatte am Morgen mitgeteilt, dass Umsatz und Ergebnis 2000 wesentlich geringer ausfallen würden. Zahlen nannte das Unternehmen nicht. Wie die Filderstädter weiter berichteten, liegt ein geprüfter Jahresabschluss noch nicht vor. Auch werde der Termin für die Hauptversammlung verschoben.

"Normalerweise werden schlechte Nachrichten in guten Zeiten eher verziehen", sagte der Frankfurter Händler. "Weil jedoch niemand weiß, wie lange das Aufbäumen des Kurse anhält, gehen Anleger schnell aus enttäuschenden Werten heraus, um auf den steigenden Gesamtmarkt zu springen."

Positive Progose kurz nach Ende der Lock-up-Frist

Möglicherweise liegt die harsche Reaktion des Marktes auch daran, dass am 30. Januar der Vorstand noch ganz andere Zahlen avisiert hatte. Demnach sollte der Planumsatz für 2000 bei 27,9 Millionen Mark und das EBIT bei minus zwölf Millionen Mark liegen. Für das aktuelle Geschäftsjahr hatte die AG ursprünglich mit einem Umsatz von 65 Millionen Mark bei einem negativen EBIT von 20,2 Millionen Mark gerechnet.

Inzwischen gestand der Vorstand ein, dass man mit dem Ende Januar veröffentlichten ersten - positiven - Rückblick auf das abgelaufene Jahr etwas "zu früh gewesen" sei. Diese Aussagen seien noch ohne die US-Gaap-bedingten Differenzierungen getroffen worden. Kurioser Zufall: Die Meldung vom 30. Januar kam - so ein Analyst - "verdächtig kurz nach Ende der Lock-up-Frist". Diese endete am 21.1. - sieben Handelstage vor der Meldung.

Außerdem dürften zahlreiche Anleger verärgert darüber sein, dass die bereits vom 27. März auf den 10. April vertagte Bilanzpressekonferenz abermals verschoben wird. Und noch immer gibt es keine Klarheit, wann man mit den Zahlen rechnen kann. Als Grund für die erneute Verschiebung nennt der Vorstand weitere Verzögerungen bei der Erstellung der Jahresrechnung 2000 nach den komplizierteren Bilanzierungsrichtlinien US-Gaap.

CAA nach eigenen Angaben "absolut abgesichert"

Dabei gehe es insbesondere noch um zeitliche Abgrenzungsfragen beim Jahresumsatz, was letztendlich auch die Feststellung des Ergebnisses berühre. Über die Größenordnung der Abgrenzungsdifferenzen beim Umsatz könne man noch nichts abschließendes sagen.

Gleichzeitig weist das Unternehmen hartnäckige Gerüchte über finanzielle Schwierigkeiten zurück. Bei der "aktuellen Cash-Situation" gebe es keine Probleme. Die Liquidität liege bei 85 Millionen Mark, insofern sei das Unternehmen "von dieser Seite her absolut abgesichert".

Aktienverkäufe durch den Vorstand

Ein weiterer belastender Faktor: Die Anleger haben offenbar registriert, dass es innerhalb des CAA-Vorstands erst kürzlich außerbörsliche Verkäufe eigener Aktien gab. Als Verkäufer traten auf: Der CEO Hans-Peter Schmidt und Vorstands-Mitglied Gabriele Müller, verantwortlich für die Bereiche Personal, Marketing und Investor Relations. Beide veräußerten am 12.3. jeweils 7.500 Aktien, als der Kurs noch bei etwa 28 Euro lag.

Eine Sprecherin des Bundesaufsichtsamts für Wertpapierhandel in Frankfurt bestätigte inzwischen, dass der Kursverlauf der Aktie nun auf "Auffälligkeiten" untersucht werde, die auf Insiderhandel hinweisen. Gabriele Müller sagte dazu gegenüber dem "SWR3 BörsenMan", man habe zum damaligen Zeitpunkt aber noch keine Kenntnis von der Verschlechterung der Geschäftszahlen gehabt. Juristisch betrachtet liegt Insiderhandel erst dann vor, wenn Marktteilnehmern nachgewiesen werden kann, dass sie einen Wissensvorsprung für Aktiengeschäfte genutzt haben.

Kursverlust von über 75 Prozent an einem Tag

Am Freitag brach der Kurs deutlich ein. Gegen 16 Uhr notierte die Aktie bei etwa 3,10 Euro - im Vergleich zum Vortag ein Minus von über 75 Prozent. Im November vergangenen Jahres lag das Papier noch bei über 45 Euro und wurde auf diesem Niveau nachdrücklich zum Kauf empfohlen - insbesondere von der LB Baden-Württemberg, die beim Börsengang am 21. Juli des gleichen Jahres als Konsortialführer fungiert hatte.

Die Begründung für die damalige Kaufempfehlung: CAA sei "auf stark wachsenden Märkten hervorragend positioniert" und überzeuge durch eine "dynamische Unternehmensentwicklung".

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.