Wochenrückblick Frühlingserwachen hielt nur bei den Finanztiteln

In der zurückliegenden Handelswoche haben die Börsianer ein Wechselbad der Gefühle erlebt.

Frankfurt - Zu Wochenbeginn machten sich auf dem Frankfurter Parkett Frühlingsgefühle breit: Dax und Nemax legten im Schlepptau der US-Börsen deutlich zu. Der Grund: Das Verbrauchervertrauen jenseits des Atlantiks war überraschend stark gestiegen; nun schien Licht am Ende des trüben amerikanischen Konjunkturhimmels aufzuleuchten.

US-Gewinnwarnungen schickten Börsen auf Talfahrt

Doch die Freude darüber wurde schnell getrübt: Gewinnwarnungen des Telekommunikationsausrüsters Nortel Networks und des Minicomputer-Herstellers Palm schickten die Aktienindizes und vor allem die Technologie-Titel weltweit erneut auf Talfahrt, die zum Wochenende jedoch wieder abgebremst wurde.

Übernahme der Dresdner Bank das Top-Thema

Froh dagegen waren Anleger, die in Finanzwerte investiert sind: Das Übernahmekarussell der "Deutschland AG" nahm wieder einmal Fahrt auf und ließ die Aktien von Banken und Versicherern steigen. Die Allianz und die Dresdner Bank bestätigten am Donnerstag fortgeschrittene Gespräche über eine Übernahme der "grünen" Bank. Die Übernahme war das Thema am Finanzplatz Frankfurt.

Nach Presseberichten sei der Allianz das Geschäft 22 Milliarden Euro Wert. Marktbeobachter rechnen für den kommenden Montag mit weiteren Details. Die Anteilsscheine der Dresdner Bank stiegen indessen auf ein neues Jahreshoch; Allianz legten nach kurzem Zaudern ebenfalls zu.

Commerzbank jetzt "heißer" Übernahmekandidat

Doch auch die Konkurrenz profitierte von den möglichen Veränderungen der deutschen Banken- und Versicherungslandschaft. Die Commerzbank ist einmal mehr ein "heißer" Übernahmekandidat. Die Aktie stieg drei Tage in Folge. Die Deutsche Bank könnte sich ihren Wunsch, das Investment Banking der Dresdner zu kaufen, ein Jahr nach der gescheiterten Fusion doch noch erfüllen. Die Allianz dürfte an diesem Geschäftsfeld dagegen wenig Interesse haben, mutmaßten Analysten.

Intershop, Pixelpark und Diraba im Keller

Neue Tiefstände bei Intershop und Pixelpark warfen einmal mehr Schatten auf die ehemaligen Wachstumswerte am Neuen Markt. Hohe Verluste und wenig Neues für das laufende Jahr - das drückte den Kurs von T-Online. Die Online Broker am Neuen Markt rechnen indes in diesem Jahr nur mit wenig neuen Kunden. Das belastete vor allem den Kurs der Direkt Anlage Bank (Diraba), während Consors relativ stabil notierte.

EZB-Entscheidung zeigte wenig Wirkung

Spiegelbildlich zur Erholung an den Aktienbörsen tendierte der europäische Rentenmarkt leichter. Die Währungshüter der EZB bestätigten die Leitzinsen auf dem gegenwärtigen Niveau. Der Aktienmarkt nahm die Nachricht gelassen auf. Ein Zinsschritt hätte lediglich ein Strohfeuer an den Börsen ausgelöst, erklärten Marktteilnehmer.

Für eine nachhaltige Erholung sei ebenfalls eine Zinssenkung der US-Notenbank (Fed) notwendig. Nach der EZB-Entscheidung fiel jedoch der Euro unter die 88-Cent-Marke. Zu Wochenbeginn hatte bereits der überraschend starke Index für das US-Verbrauchervertrauen die europäische Währung auf knapp über 89 US-Cent rutschen lassen