Pironet Umsatzprognose drastisch gesenkt

Das Softwarehaus sieht sich dem Vorwurf der Täuschung ausgesetzt. Die Aktie stürzte ab.

Die Aktien der Pironet AG beendeten am Freitag nach Vorlage der Geschäftszahlen für das erste Quartal als schwächster Wert am Neuen Markt den Handel. Die Papiere verloren rund 23 Prozent auf 3,73 Euro. Zwischenzeitlich war der Kurs auf ein neues 52 Wochen-Tief von 3,25 Euro abgesackt.

Anleger und Analysten zeigten sich gleichermaßen verärgert über die neuen Nachrichten. "Vor vier Tagen hat Pironet noch vor Analysten die Einschätzung der Pflichtmitteilung vom 19. März bestätigt, wonach mit einem Umsatz für 2001 von mehr als 33 Millionen Euro gerechnet wurde", sagte ein Händler.

Wörtlich hatte es in der Mitteilung geheißen: "Aufgrund der rasant steigenden Nachfrage nach leistungsfähigen Content Management-Lösungen rechnet das Unternehmen mit einer Umsatzsteigerung zwischen 35 und 45 Prozent, was einem Jahresumsatz von 33 bis 36 Millionen Euro entspricht."

"Eine gewisse Art von Täuschung"

In einer heutigen Ad-Hoc-Meldung las sich das plötzllich alles ganz anders. Das Unternehmen revidierte seine Umsatzerwartungen auf "rund" 25 Millionen Euro revidiert. Der Händler sieht darin "eine gewisse Art von Täuschung". Mittlerweile hätten sich die institutionellen Anleger aus dem Wert zurückgezogen.

Ein Pironet-Sprecher bestätigte auf Anfrage, dass es von Händlern Täuschungsvorwürfe gebe. In Bezug auf die innerhalb von vier Tagen revidierten Prognosen sagte er, sein Unternehmen habe in der vergangenen Woche mit neuen Aufträgen gerechnet. Der Sprecher wollte keine Stellung dazu nehmen, ob deshalb Umsätze im Wert von 8 Millionen Euro weggefallen seien. Einige Investoren berichten, dass man ihnen einen baldigen Großauftrag im Zusammenhang mit der Cebit "signalisiert" habe.

Lebhafter Handel vor der Schreckensnachricht

Zu den überdurchschnittlichen Handelsumsätzen des Papiers vor der Hiobsbotschaft sagte er: "Wir haben alle Maßnahmen ergriffen, um die Informationen im Haus zu halten". Von Seite der Pironet sei "alles sauber gelaufen". Vor Spekulationen am Markt sei allerdings keiner gefeit. Man habe, so hieß es, von "solchen Gerüchten gehört", habe jedoch stets "gesetzeskonform" gehandelt.

Das Kölner Internet Softwarehaus bietet Pironet Lösungen für Business Relationship Management an, die auf Internet-Technologien basieren. Das Leistungsspektrum von Pironet reicht von der Konzeption über die Implementierung bis zum Betrieb solcher Lösungen.

95 Prozent Verlust in 13 Monaten

Das Unternehmen war erst am 22. Februar letzten Jahres an die Börse gebracht worden, unter anderem von der Bank Merck Finck & Co, die von der Aktie offenbar immer noch sehr angetan ist. Noch am heutigen Freitag riet sie in einer Empfehlung unverdrossen zum "Halten". Das Papier wurde dennoch massiv verkauft und rangierte zum Schluss als Spitzen-Verlierer am Neuen Markt. Der Kurs fiel um weitere 25 Prozent auf 3,70 Euro und hat damit seit der Erstnotiz rund 95 Prozent an Wert verloren.