Teldafax Bittere Enttäuschung

World Access, der neue Großaktionär der Marburger Telekom-AG, steht kurz vor dem Bankrott.
Von Clemens von Frentz

Atlanta - Das amerikanische Unternehmen World Access  (WA) steht offenbar kurz vor der Pleite. Wie Vorstands-Chef John Phillips am Dienstag-Abend mitteilte, erwägt die Aktiengesellschaft, ein sogenanntes "Chapter 11"-Verfahren einzuleiten, das dem deutschen Insolvenz-Prozedere entspricht. Begründet wird dieser Schritt unter anderem damit, dass die Ergebnisse für das vierte Quartal nach Auskunft des Vorstands vermutlich "signifikant" unter den Erwartungen liegen.

Betroffen davon sind vor allem die früheren TelDaFax-Aktionäre, die ein Übernahmeangebot des amerikanischen Telekom-Unternehmens angenommen hatten. World Access hatte Mitte Juni vergangenen Jahres angekündigt, eine Mehrheitsbeteiligung an der Marburger Aktiengesellschaft erwerben zu wollen. Die Übernahme war nach Darstellung der AG erforderlich geworden, nachdem der geplante Kauf von Debitel durch TelDaFax gescheitert war.

Bizarres Übernahme-Gefecht mit Herzog Telecom

Wenige Wochen zuvor hatte sich TelDaFax noch mit der Herzog Telecom AG ein bizarres Übernahme-Gefecht um den Mobilfunk-Winzling Netztel Plus geliefert. Der Streit gipfelte darin, dass Herzog eine Schadensersatzklage "in zweistelliger Millionenhöhe" gegen die Konkurrenten ankündigte. Ein Jahr später, Mitte März 2001, beantragte das Trierer Unternehmen ein Insolvenzverfahren. Näheres dazu hier.

Die TelDaFax-Übernahme durch World Access sollte in mehreren Schritten erfolgen und die Marburger AG nach WA-Angaben "zu einem der wettbewerbsfähigsten Telekommunikationsanbieter in Deutschland" machen. Der erste Schritt war die Übernahme eines 33-Prozent-Paketes, das sich damals im Besitz des Investors Apax Partners befand. Dabei handelt es sich um eine Schwestergesellschaft von Apax Corporate Finance & Securities, die im gleichen Zeitraum von Goldzack übernommen und in Altium Capital Ltd. umfirmiert wurde.

Über 95 Prozent Kursverlust seit Anfang 2000

Den übrigen Aktionären wurde ein Umtausch gegen Stammaktien von World Access angeboten. Das Tauschverhältnis lag anfangs etwa bei eins zu eins, Ende 2000 wurde es zugunsten der Aktionäre leicht nachgebessert. Außerdem hieß es in einer Unternehmensmitteilung: "World Access strebt Zulassungen an einer oder mehreren europäischen Börsen an, darunter der Neue Markt in Deutschland. Nachteilige finanzielle Auswirkungen auf andere Akquisitionen des Unternehmens (STAR Telecommunications und WorldxChange) werden nicht erwartet."

Unmittelbar nach diesem Übernahmeangebot brach der Aktienkurs von World Access allerdings dramatisch ein und begann eine monatelange Talfahrt. Vorläufiger Tiefpunkt: Der Schlusskurs von Dienstag-Abend. Die Aktie fiel an der Nasdaq zum Handelsende auf 0,25 Dollar (minus 61,9 Prozent), womit der Börsenwert des Unternehmens auf 18,3 Millionen Dollar gesunken ist. Vor einem Jahr wurde die Aktie noch für über 23 Dollar gehandelt.

Hiobsbotschaft kam kurz nach Ende der Umtauschfrist

Einen ähnlich dramatischen Kursverlauf nahm die Aktie von Teldafax. Sie schloss am Dienstag nach ungewöhnlich hohen Umsätzen mit etwa 0,80 Euro, nachdem sie im vergangenen Jahr noch ein Niveau von annähernd 20 Euro erreicht hatte. Am heutigen Mittwoch verlor sie abermals über 10 Prozent und fiel unter 0,70 Euro.

Besonders bitter für die TelDaFax-Aktionäre: Die Rücktrittsfrist von der Aktienumtausch-Offerte endete vor einigen Tagen - am Freitag, dem 23. März. Ursprünglich sollte sie bereits eine Woche früher enden. Auf der Homepage von TelDaFax heißt es dazu: "World Access geht davon aus, das Übernahmeangebot am 26. März 2001 abzuschließen."

Nach eigenen Aussagen ist der Beteiligungsanteil von WA an TelDaFax inzwischen auf etwa 70 Prozent gestiegen, nachdem zahlreiche Aktionäre von dem Angebot der Amerikaner Gebrauch gemacht und ihren Umtauschwillen bekundet haben. Bei vielen von ihnen macht sich nun allerdings Verägerung breit. Sie beanstanden, dass der TelDaFax-Vorstand noch bis vor einigen Tagen ausdrücklich dazu geraten hatte, das Angebot anzunehmen.

Vorstand: "Fühle mich massiv getäuscht"

Der Marburger AG selbst hat für die aktuelle Situation keine Erklärung. Technik-Vorstand Stefan Legner, der das Unternehmen nach dem Abgang von CEO Henning Klose gemeinsam mit Stefan Koch (Marketing und Vertrieb) und Michael F. Mies (Finanz- und Rechnungswesen) leitet, äußerte gegenüber manager-magazin.de sein Befremden über die jüngsten Vorgänge. "Wir haben vom drohenden Bankrott unseres neuen Großaktionärs auch erst am Dienstag erfahren, und zwar über eine Pressemitteilung von World Access. Eine andere Information zu dem Sachverhalt gab es bislang nicht."

Keine Erklärung hat Legner auch für den Umstand, dass die Schreckensmeldung aus Atlanta erst am Dienstag abend kam - also unmittelbar nach Ablauf der Umtauschfrist. "Bis zum Dienstag sind auch wir davon ausgegangen, dass World Access ein gesundes, profitables Unternehmen ist. Wenn ich nun höre, dass offenbar das Gegenteil der Fall ist, kann ich nur sagen: Ich bin vollkommen überrascht und fühle mich massiv getäuscht." Nun will der Vorstand rechtliche Schritte gegen World Access prüfen lassen.

Unterdessen warten die Aktionäre auf eine offizielle Meldung aus dem Hause TelDaFax. Die steht bislang noch aus. Stattdessen kam auf Anfrage besorgter Kleinanleger eine Mitteilung, dass die für den 29.3. angekündigte Bilanzpressekonferenz ausfällt. Für Guiseppe-Guido Amato, Analyst bei Lang & Schwarz, ist der Fall klar: "TelDaFax ist platt, weg."

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