Kinowelt "Suche nach Anhaltspunkten"

Auffällig hohe Umsätze vor der Meldung schwacher Zahlen - die Wertpapieraufsicht ermittelt.

Frankfurt - Nun auch Kinowelt: Das Bundesaufsichtsamt für Wertpapierhandel (BAWe) untersucht Aktienverkäufe bei dem Unternehmen, nachdem es kürzlich zu auffällig hohen Umsätzen vor der Veröffentlichung negativer Zahlen kam.

Der Hintergrund: Am 23. März hatte das im Nemax 50 notierte Medienunternehmen die Zahlen fürs Geschäftsjahr 2000 mitgeteilt. Diese Zahlen waren deutlich schlechter als erwartet. Zwar konnte der Umsatz um fast 60 Prozent auf 608 Millionen Mark gesteigert werden, das Ergebnis vor Steuern und Zinsen jedoch lag mit 49 Millionen Mark rund 25 Prozent unter Vorjahr.

Prognostiziert worden war ein Ergebnis von 101 Millionen Mark vor Steuern und Zinsen. Die Folge: Auf dem Parkett erreichte das Papier ein neues Rekordtief von 7,80 Euro.

Betroffen von diesem Absturz waren allerdings nicht alle Anleger. Einige hatten bereits am Vortag verkauft, und zwar in so großer Menge, dass die Anzahl der gehandelten Papiere sich gegenüber dem Durchschnittswert der Vorwochen nahezu versechsfachte. In Zahlen: Die Stückzahl der Aktien stieg von 88.000 Aktien am Dienstag auf 497.000 am Donnerstag.

Das Unternehmen selbst hatte für dieses Phänomen eine wenig schlüssige Begründung: Ein Sprecher von Kinowelt verwies auf eine Mitteilung der ABN Amro Bank vom 21. März, in der die Bank auf den zu erwartenden Sonderabschreibungsbedarf der AG hingewiesen hatte. Händler zweifeln indes, ob diese Meldung allein ausgereicht hätte, das Handelsvolumen derartig in die Höhe zu treiben.

Nun will sich das Bundesaufsichtsamt des Falles annehmen. "Wir werden uns den Sachverhalt genau ansehen und dann entscheiden, ob Anhaltspunkte für Insiderhandel vorliegen", sagte eine Sprecherin des BAWe am Dienstag der Online-Ausgabe der "Financial Times Deutschland". Eine solche Untersuchung werde "routinemäßig durchgeführt".

Die Aktie stürzte am Dienstag um mehr als 15% bis auf 6,66 Euro und notierte damit zwischenzeitlich auf einem neuen 52-Wochen-Tief. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens fiel damit auf knapp 380 Millionen Euro.

Wenige Wochen zuvor hatte die Aktie noch einen kleinen Höhenflug erlebt, nachdem die "Welt am Sonntag" aus dem Springer-Verlag Gerüchte kolportiert hatte, nach denen eine Übernahme von Kinowelt durch Bertelsmann bevorstehen könnte. Dies wäre für Vorstands-Chef Michael Kölmel bereits die zweite lukrative Übernahme. 1996 hatte er schon einmal einen lukrativen Deal abgeschlossen und drei Viertel des von ihm gegründeten Finanzen-Verlags verkauft - an den Springer-Konzern.

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