Aktienrückkauf Kurzfristiger Effekt

Mit dem Erwerb eigener Aktien versuchen Unternehmen ihren Börsenwert zu stärken. Meist ohne Erfolg, wie eine Studie der Gießener Justus-Liebig-Universität zeigt.

Manager in den USA und Großbritannien tun es seit langem. Schwächelt der Kurs, kaufen sie die Papiere des eigenen Unternehmens. Diese Aktienrückkauf-Programme erfreuen sich auch in Deutschland wachsender Beliebtheit.

1998 hat das Gesetz für mehr Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) den Erwerb eigener Anteile deutlich erleichtert. Seither haben sich knapp 300 deutsche Gesellschaften auf ihren Hauptversammlungen den Aktienrückkauf genehmigen lassen.

Etwa 40 Unternehmen haben den Beschluss mittlerweile umgesetzt. In der Regel überzeugen die Vorstände ihre Aktionäre mit Shareholder-Value-Argumenten, fand Peter Dombeck von der Hamburger Berenberg Bank heraus. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Untersuchung für die Justus-Liebig-Universität in Gießen entdeckte der Analyst vier immer wieder genannte Motive:

1. Signalling-Theorie Das Management hält die Aktie für unterbewertet. Es schätzt die Perspektiven für das Unternehmen besser ein als der Kapitalmarkt. Da das Management gegenüber den Aktionären einen Informationsvorsprung hat, will der Vorstand seine Einschätzung glaubwürdig kommunizieren und ein Signal für steigende Kurse setzen.

2. Free-Cashflow-Hypothese Das Unternehmen verfügt über überschüssige Liquidität, die es auf absehbare Zeit nicht braucht. Auch hier will das Management mit dem Aktienrückkauf ein Signal setzen: Der Erwerb von Anteilen des Unternehmens ist eine attraktive Investition.

3. Schutz vor Übernahmen Durch den Kauf eigener Aktien sinkt der Streubesitz. Für potenzielle Aufkäufer verringert sich so die Zahl der frei verfügbaren Aktien, und die Übernahme wird erschwert. Außerdem trennen sich beim Rückkauf zuerst jene Aktionäre von ihren Anteilen, die der Gesellschaft den geringsten Wert beimessen.

4. Akquisitionswährung In den vergangenen Jahren wurden Akquisitionen zunehmend nicht durch Barangebote, sondern durch Aktientausch-Offerten abgewickelt. Besonders attraktiv kann der Einsatz eigener Aktien als Tauschwährung sein, wenn diese zu einem früheren Zeitpunkt vergleichsweise günstig erworben wurden. Dies setzt einen eigenständigen HV-Beschluss voraus.

Zum Schutz vor Übernahmen und als Zahlungsmittel bei Firmenkäufen ist der Erwerb eigener Aktien durchaus geeignet. Gerade bei Akquisitionen entwickeln sich Aktienrückkäufe zu einem üblichen Finanzierungsinstrument. In diesem Fall werden die eigenen Anteile nach dem Erwerb auf der Aktivseite der Bilanz eingestellt.

Sind andere Motive ausschlaggebend, werden die Aktien üblicherweise eingezogen, dass heißt vernichtet. Durch diese Kapitalherabsetzung verbessern sich wichtige Unternehmenskennzahlen, zum Beispiel der Gewinn je Aktie.

Aber steigern die Unternehmen, die als Motiv einen höheren Aktienkurs im Sinn haben, tatsächlich das Vermögen ihrer Aktionäre, wenn sie eigene Anteile zurückkaufen?

Christoph Seeger

Aktienrückkäufe

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