Ostimmobilien Mit Banken verhandeln

Erst wenn alle Bemühungen, den Fonds zu retten, fehlgeschlagen sind, sollten Anleger erwägen, Schadensersatz zu fordern. Häufig können Initiator, Vertrieb, die finanzierende Bank oder ein anderer an Konzeption und Verkauf des Fonds Beteiligter zur Haftung herangezogen werden.

Eine Klage gegen Initiator oder Vertrieb wegen mangelhafter Prospekte oder falscher Beratung ist jedoch nur dann sinnvoll, wenn der Beklagte im Falle eines Schuldspruchs auch zahlen kann.







Nachschuss gefordert
Euwo-Fonds-Bürohaus "Tabakmoschee" in Dresden
Prospekt ... ... Wirklichkeit
Hohe Miete: 32 Mark für den Quadratmeter sind erzielbar. Wenig Mieter: Nur zwei Drittel der Fläche sind vermietet.
Geringes Risiko: garantierte Mieteinnahmen für fünf Jahre. Leere Kasse: Anleger sollen 61 Prozent ihrer Einlagesumme nachschießen.
So warten über 200 geprellte Anleger des Initiators Dr. Kersting noch heute auf ihr Geld, obwohl der wegen falscher Prospektangaben verurteilt ist. Kersting hatte bereits vor dem Urteil sein Privatvermögen auf Ehefrau und Kinder übertragen.

Ähnlich wie bei Kersting war auch bei anderen spektakulären Pleiten wie der Hanseatischen Anlage Treuhand oder des Initiators Dr. Hanne wenig zu holen. Deshalb versuchen die Anwälte der Anleger immer häufiger, Ansprüche gegen die Banken durchzusetzen, die Initiatoren und Fonds hohe Kredite bewilligten.

"Die Geldhäuser stehen in der Verantwortung, vielfach wussten sie lange vor den Anlegern von den Mängeln der Fondsobjekte und der deshalb drohenden Pleite des Initiators", so der Rechtsanwalt Alfred Nehring von der Münchener Kanzlei Prof. Thieler und Partner.

Der Jurist hat die Berliner Volksbank verklagt, die für den Fonds "Tabakmoschee Dresden" Kredite zur Verfügung gestellt hat. Nehrings Vorwurf: "Die Bank wusste schon während der Platzierung der Fondsanteile von der drohenden Insolvenz des Initiators. Trotzdem hat sie die Anleger nicht informiert."

Trotz zweifelhafter Aussichten versprach die Tabakmoschee für die Bank ein gutes Geschäft zu werden. Das Kreditrisiko wurde offenbar auf die Anleger abgewälzt. Im Gesellschaftervertrag des Fonds fand sich eine Klausel, mit der die Anleger verpflichtet wurden, frische Mittel bis zum Doppelten ihrer ursprünglichen Einlagen nachzulegen, falls die Tabakmoschee nicht genügend Geld für den Schuldendienst oder die Baukosten abwirft.

Nehring fordert deshalb für seine 220 Mandanten insgesamt 36 Millionen Mark Schadensersatz. In erster Instanz gaben die Richter der Bank Recht. Der Anwalt will, wenn nötig, bis vor den Bundesgerichtshof gehen. Den Rechtsbeiständen der Anleger kommt es allerdings gar nicht unbedingt auf ein Urteil an. Sie ziehen außergerichtliche Vergleiche vor. Mit guten Erfolgsaussichten. Die Banker scheuen die geschäftsschädigende Publizität von Schadensersatzprozessen.

"Ein Vergleich ist der Königsweg", so Anwalt Nehring. "Er macht die Sanierung des Fonds möglich und erspart Anlegern das Risiko eines jahrelangen Prozesses."

Auch wenn sie diesmal noch mit überschaubaren Schäden davongekommen sind, sollten besser verdienende Steuersparer eine Lehre aus dem Immobiliendesaster ziehen: "Viele ostdeutsche Standorte", so Bulwien-Vorstand Andreas Schulten, "werden sich auch in Zukunft nicht so gut entwickeln wie einst prognostiziert."

Service: Wann Steuervorteile aberkannt werden und wann nicht


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