Ixos Erneuter Insider-Verdacht am Neuen Markt

Massive Verkäufe vor einer Gewinnwarnung - die Staatsanwaltschaft ermittelt.
Von Clemens von Frentz

München - Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ehemalige Verantwortliche des Softwareunternehmens Ixos wegen Verdachts des Insiderhandels. Wie die Ixos Software AG am Freitag bestätigte, gibt es Ermittlungen gegen einzelne, bereits aus dem Unternehmen ausgeschiedene Anteilseigner, die Aktienverkäufe getätigt hätten.

"Derzeitige Ixos-Vorstände und Mitarbeiter sind davon nicht betroffen", heißt es in der Mitteilung der AG. Konkrete Namen der Personen, auf die sich die Ermittlungen erstrecken, seien Ixos nicht bekannt, da das Unternehmen nicht in die Ermittlungen involviert sei.

Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BaWe) bestätigte, am 16. Februar gegen mehr als zwei Personen Anzeige erstattet zu haben. Hintergrund: Vor einer Ad-Hoc-Meldung vom 31. März vergangenen Jahres war es zu auffälligen Umsätzen gekommen, die Hinweise auf verbotene Insider-Geschäfte lieferten.

Vorstand verkaufte 300.000 Aktien

Eine Untersuchung durch BAWe-Ermittler habe diesen Verdacht bestätigt. "Wir gehen davon aus, dass es im Vorfeld Aktienverkäufe durch mehrere Personen mit Insiderkenntnissen gegeben hat", sagte eine Sprecherin der Behörde.

Ende März 2000 hatte Ixos überraschend für das dritte Geschäftsquartal einen erheblichen Verlust angekündigt. Daraufhin war der Aktienkurs um mehr als 46 Prozent auf 42 Euro eingebrochen. Kurz darauf fiel sie erneut um über 50 Prozent. Vor der Verlustwarnung allerdings hatten mehrere Altaktionäre massiv verkauft.

Der frühere Vorstand und Mitgründer Hans Strack-Zimmermann räumte dies Wochen später ein. Er habe etwa 300.000 Aktien zu einem Durchschnittspreis von rund 50 Euro abgegeben, sagt er damals. Auch der ehemalige Vorstandssprecher Eberhard Färber und eine Investmentbank hätten Anteile verkauft. Bei dieser Investmentbank handelt es sich nach Recherchen von manager-magazin.de um Goldman Sachs.

Ixos erklärte dazu, man werde auf Anfrage alle bekannten Aktienverkäufe von Mitarbeitern im Vorfeld der Gewinnwarnung offenlegen. Im übrigen habe sich das Unternehmen von allen Angestellten, die in dem betreffenden Zeitraum mit Aktien gehandelt hätten, eine eidesstattliche Erklärung geben lassen, der zufolge sie damals keinerlei Insider-Informationen hatten.

Goldman Sachs beteuert Unschuld

Auch von dem damaligen Vorstandsmitglied Hans Strack-Zimmermann und dem damaligen Aufsichtsratmitglied Eberhard Färber lägen solche Erklärungen vor, betonte Unternehmenssprecherin Gala Conrad am Montag.

Die Bank verkaufte - nachdem sie zum Kauf geraten hatte

Pikantes Detail: Das Paket der Investmentbank Goldman Sachs hatte einen Umfang von insgesamt 600.000 Aktien. Zusammen mit den von den Vorständen verkauften Papieren - ebenfalls 600.000 Stück - wurden so wenige Wochen vor der Gewinnwarnung 1,2 Millionen Aktien oder sechs Prozent des Grundkapitals auf den Markt geworfen.

Dieselbe Bank hatte das Papier zuvor nachdrücklich empfohlen, und zwar gleich zweimal. Am 20. Januar stuften die Goldman-Analysten Ixos als "attraktiven Kauf" ein und begründeten dies damit, dass der Spezialist für Archivierungs-Software "erhebliches Nachholpotential" an der Börse hätte.

Empfehlung als "Market Outperformer"

Etwa eine Woche später legten die Goldman-Strategen noch einmal nach: Kursziel 65 Euro, so ihre Vorgabe für die Ixos-Aktie, die weiterhin als "Market Outperformer" eingestuft wurde. Das Unternehmen habe mit der Veröffentlichung der Zahlen für das zweite Quartal überzeugen können, außerdem sei der Umsatz von 23,5 Millionen Euro im Vorjahr nun auf 31 Millionen Euro gestiegen. Für die Jahre 2000 und 2001 revidierten die Experten ihre Gewinnprognosen von 0,26 auf 0,30 Euro und von 0,58 auf 1,02 Euro nach oben.

Goldman Sachs: "Keinerlei Insider-Information"

Die Empfehlung verfehlte ihre Wirkung nicht. Die Aktie schoss steil nach oben und erreichte innerhalb weniger Wochen ein Niveau von etwa 104 Euro. Wenige Wochen später kam die Gewinnwarnung, aber davon war die Bank nur marginal betroffen. Sie hatte ihr Paket schon vorher, Anfang März, zum Durchschnittspreis von 92 Euro an institutionelle Anleger abgegeben.

Bank-Sprecher Peter Dietlmaier sprach später von "Zufall". Man habe keinerlei Insider-Informationen besessen. Im übrigen gebe es zwischen den verschiedenen Abteilungen des Hauses eine "Chinese Wall". Dietlmaier wörtlich: "Die Analysten wissen gar nicht, was im Investmentbanking läuft".

Goldman Sachs war übrigens in dem Konsortium vertreten, das Ixos am 7.10.1998 an die Börse gebracht hatte. Konsortialführer war die Deutsche Bank. Auch sie hatte Ixos kurz vor der Hiobsbotschaft massiv zum Kauf empfohlen.