Intershop Gefallener Börsenstar

Eine weitere Sammelklage gegen die Software-Schmiede haben Aktionäre in den USA angekündigt.

Jena/München - Nach dem dramatischen Kurseinbruch der Aktien der Jenaer Intershop haben Anwälte nach eigenen Angaben eine Sammelklage von Aktionären gegen das Unternehmen in den USA eingereicht. Sie sei Ende Februar am Intershop-Hauptsitz in San Francisco vorgelegt worden, teilten die Kanzleien Shalov Stone & Bonner und Rotter am Donnerstag mit. Unternehmenssprecher Heiner Schaumann konnte das nicht bestätigen. "Uns liegt bisher nichts vor", sagte er auf Anfrage.

Zurzeit gibt es nach seinen Angaben nur eine Aktionärsklage gegen das Unternehmen, bei der sich ein Anwalt aus Deutschland selbst vertritt. Intershop hatte nach einer Umsatz- und Gewinnwarnung für das vierte Quartal 2000 den Kontakt zu Aktionärsvertretern in Deutschland gesucht.

Die Kanzleien warfen dem Software-Hersteller vor, von Mai 2000 bis Januar 2001 die Marktstellung von Intershop in den USA positiver dargestellt zu haben, als sie war. Intershop hätte bereits im Mai gewusst, dass die in der Öffentlichkeit verbreiteten Umsatz- und Gewinnprognosen für die weiteren Quartale nicht erreicht würden. In dieser Zeit habe die Software-Firma führende Mitarbeiter in den USA verloren. Immer mehr Kunden hätten Zahlungen mit Hinweis auf Probleme bei der Software-Implementierung verweigert.

Schaumann sagte, die Geschäftsentwicklung von Intershop habe im ersten Halbjahr 2000 über Plan gelegen. Wegen guter Umsätze auch in den USA seien im zweiten Quartal schwarze Zahlen geschrieben worden. Erste Signale für eine Rezession in der IT-Branche hätten sich erst viel später abgezeichnet.

Nach dem Debakel zu Jahresbeginn hatte es immer wieder Klage-Ankündigungen gegen Intershop gegeben. Die Intershop-Mitteilung zur Umsatz- und Gewinnwarnung Anfang Januar war vom Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel routinemäßig geprüft worden. Das Bundesamt hatte keine Pflichtverletzung des Unternehmens festgestellt.

Die Aktie hatte in den vergangenen Wochen stark verloren, nachdem das Unternehmen seine Prognosen nicht einhalten können. Derzeit notiert das Papier bei 5,35 Euro. Noch vor einem Jahr erreichte die Aktie einen Höchststand von rund 140 Euro.

Intershop will in der kommenden Woche in Frankfurt/Main die endgültigen Geschäftszahlen für 2000 vorlegen. 2001 wird ein Umsatz von 140 bis 160 Millionen Euro erwartet. Ende des Jahres will der Anbieter von E-Commerce-Programmen aus den roten Zahlen kommen. Das Unternehmen beschäftigt etwa 1000 Mitarbeiter.

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