Gigabell "Papier ist ein Unwert"

Der Pleitekandidat verschwindet vielleicht ganz vom Parkett. Derweil tobt eine Schlammschlacht.

Frankfurt - Nachdem die Deutsche Börse AG der Gigabell die Zulassung zur Notierung am Neuen Markt entzogen hat, kann das Unternehmen den Handel am Geregelten Markt beantragen. Die Zeichen dafür stehen aber schlecht.

Frist läuft aus

Das Bankhaus Lang & Schwarz als "Designated Sponsor" sei darauf noch nicht angesprochen worden, sagte Günter Soubusta, Vorstandsmitglied des Bankhauses. Wenn Gigabell bis Freitag keinen Antrag stelle, werde es ab Montag keinen Kurs auf Xetra und in Frankfurt geben, erklärte er weiter. Die Regionalbörsen könnten dann ebenfalls den Handel einstellen, müssen das aber nicht.

Schlacht zwischen David und Pfeil

Unterdessen tobt ein heftiger Streit zwischen dem ehemaligen Firmenchef Daniel David und dem Insolvenzverwalter von Gigabell, Dirk Pfeil. David machte Pfeil und den formal noch als Gigabell-Finanzchef agierenden Johannes Funke dafür verantwortlich, dass kein Quartalsbericht für das dritte Jahresviertel erstellt worden sei.

Die Deutsche Börse AG hatte der Aktie die Zulassung zum Neuen Markt entzogen, weil jener Bericht trotz "mehrfacher Mahnung" nicht eingereicht worden war. Auch "ernst zu nehmende Interessenten", die Gigabell übernehmen wollten, hätten keine Einsicht in Unterlagen erhalten, sagte David.

"Am De-Listing interessiert"

David unterstellte Funke und Pfeil, dass sie an einem De-Listing der Aktie am Neuen Markt interessiert gewesen seien, um zu vertuschen, dass sie "keinen guten Job gemacht" haben. Damit "sollte sich vielleicht der Staatsanwalt beschäftigen", fügte er hinzu. Nähere Angaben wollte David jedoch nicht machen.

Auch zu dem Verkauf der spanischen Tochter, die nicht per Ad hoc gemeldet worden war, wollte David keine Stellung nehmen. "Fragen Sie Pfeil und Funke", hieß es nur lapidar.

"Für die Gläubiger da, nicht für die Aktionäre"

Der Insolvenzverwalter Dirk Pfeil wies die Vorwürfe, er habe Unterlagen zurück gehalten, zurück: Bei ihm sei "niemand vorstellig geworden und hat nach einem Quartalsbericht gefragt". Im übrigen würde ihn das "nicht interessieren"; er sei "für die Gläubiger da und nicht für die Mitpleitiers, also nicht für die Aktionäre".

Er als Insolvenzverwalter "werde nicht das Geld der Gläubiger aufwenden, damit mit der Aktie gezockt werden kann". Er habe sehr früh erklärt, dass das Papier ein "Unwert" sei, sagte Pfeil.

Zum Vorwurf einer nicht publizierten Ad Hoc-Meldung sagte Pfeil, er sei nicht dafür da, solche Meldungen zu schreiben. Unterdessen prüft das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe), ob der Verkauf des Tochterunternehmens von Gigabell ad-hoc-meldepflichtig gewesen wäre. Darüber hinaus beobachte das Amt im Rahmen einer "routinemäßigen Voruntersuchung" die Geschäfte mit Gigabell-Papieren, sagte die Amtssprecherin Sabine Reimer.

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